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Sonntag, 08. Dezember 2019 Drucken

Ludwigshafen

Ludwigshafen: Das sagen Gewerbetreibende zur Hochstraßenkrise

Von Rebecca Singer

Aktuell verwaist: Blick auf die Haltestelle am Berliner Platz. Busse und Bahnen fahren hier wegen der Sperrungen rund um die Hochstraße nicht mehr. Folglich sind hier auch deutlich weniger Menschen als früher unterwegs.

Aktuell verwaist: Blick auf die Haltestelle am Berliner Platz. Busse und Bahnen fahren hier wegen der Sperrungen rund um die Hochstraße nicht mehr. Folglich sind hier auch deutlich weniger Menschen als früher unterwegs. (Foto: KUNZ)

Am Berliner Platz ist es gespenstisch ruhig. Er ist wegen der einsturzgefährdeten Hochstraße Süd seit Ende November kein Verkehrsknotenpunkt mehr, nur noch wenige Leute kommen vorbei. Nicht nur dem Weihnachtsmarkt fehlt Kundschaft. Wir haben uns bei umliegenden Lokalen und Geschäften umgehört.

Es ist nicht viel los bei Lebkuchen Schmidt, der in der Winterpause des Eiscafés Vittoria den Laden betreibt. Eine ältere Dame bezahlt gerade. „Wollen Sie eine Kundenkarte?“, fragt Parrotta Giuseppina, während sie die Ware über die Theke reicht. „Na, dieses Jahr komme ich nicht wieder“, antwortet die Kundin. Giuseppina schüttelt den Kopf. „Wie auch?“, antwortet sie und bezieht sich auf die gesperrte Hochstraße und die geschlossene Straßenbahn-Haltestelle. Wie sich das auf das Ladengeschäft auswirkt? „Da brauchen Sie gar nicht erst zu fragen: Es ist eine Katastrophe!“, antwortet Giuseppina. Die 38-Jährige arbeitet diese Saison zum zweiten Mal bei Lebkuchen Schmidt.

„Ich bin froh, dass überhaupt noch Leute kommen“

„Schauen Sie sich doch mal um. Sie können auf der Straße herumlaufen und werden nicht mal überfahren“, sagt sie und lacht. „Ohne unseren Humor hätten wir ja gar nichts mehr“, sagt sie dann. Zur Kundschaft im Lebkuchen-Geschäft gehörten vor allem ältere Menschen. Gerade sie hätten Probleme bei der Anreise: „Die Leute kommen hier ja gar nicht mehr hin. Alte Leute zum Beispiel, die nicht mehr gut zu Fuß sind. Bis zum Berliner Platz kommen die mit der Straßenbahn nicht mehr. Und da hinten, in der Kaiser-Wilhelm-Straße, ist der Abstieg aus den Bahnen so hoch – wie sollen die denn da raus kommen? Ich bin ja froh, dass überhaupt noch Leute kommen.“

Die Ursache sieht sie aber nicht nur in der Sperrung der Hochstraße. Die vielen Leerstände in der Innenstadt kritisiert sie ebenfalls: „Wenn wir wenigstens in der Stadt mehr schöne Geschäfte hätten oder auch ein größeres Kaufhaus. Dann würden die Leute eher mal hier vorbeikommen. Einfach mehr Läden mit Niveau wären gut“, überlegt sie.

Auch abends viel weniger Laufkundschaft

Auch in den Lokalen im Ankerhof wird über zu wenig Kundschaft geklagt. Im Asia-Imbiss „Chilly Street Kitchen“ ist es ziemlich leer, nur an zwei Tischen sitzen Leute. Anh Nguyen steht hinter der Theke. „Vor allem abends verkaufen wir viel weniger. Es kommt einfach deutlich weniger Laufkundschaft vorbei“, bedauert er. Dies bestätigt auch Achmed Öztas im „Safran Döner“ direkt am Berliner Platz. Er verkaufe schon sehr lange im Kebap-Imbiss, sagt er. Er ist genervt: „Es sind viel, viel weniger Leute. Das ist nicht nur abends so, sondern den ganzen Tag.“

Gegenüber bei „Cicis frisch und lecker“ steht Bali Gülalb hinter der Theke und schüttelt bei der Frage zur Hochstraße nur den Kopf. „Ich würde sagen, es kommt nur noch die Hälfte an Kunden“, überlegt er, „freitags und samstags ist es besonders schlimm“.

„Wir kommen jeden Tag zu spät zur Arbeit“

Am Bistro „Alex“ führt kein Weg vorbei, wenn man sich dem Berliner Platz und dem Bahnhof Ludwigshafen-Mitte von der Innenstadt aus nähert. Im Alex legen viele Leute unterwegs einen Zwischenstopp ein, um sich zu stärken, einen Kaffee zu trinken oder ein Glas Wein. Das sei nun auch weniger geworden. „Ich schätze mal, es sind etwa 25 Prozent weniger Gäste, seit die Hochstraße gesperrt ist“, sagt Salvatore Vella. Er ist stellvertretender Betriebsleiter des Bistros. „Wir haben hier normalerweise viel Laufkundschaft, aber auch viele Reservierungen. Das ist beides zurückgegangen. Gerade abends merken wir das besonders: gestern, vorgestern, auch letzten Sonntag.“ Eine Mitarbeiterin ergänzt: „Wir kommen ja auch nicht mehr richtig zur Arbeit wegen der Sperrung. Wir sind jeden Tag zu spät“, ärgert sie sich.

„Und nicht nur die, die mit der Straßenbahn kommen, auch die mit dem Auto. Wer aus Mannheim kommt, hat ein echtes Problem. Die Hochstraße macht alles kaputt!“ Vella hofft, dass schnell eine Lösung gefunden wird: „Ich bin ja auch mit den anderen Gastronomen hier am Berliner Platz in Kontakt. Auch sie haben Einbußen. Außerdem ist es ja auch gefährlich wegen der möglichen Einsturzgefahr: Ich hoffe, dass nichts passiert und niemand verletzt wird.“ |sinr

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