Queichheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wilde Natur muss Neubaugebiet weichen

Ein Teil des künftigen Baugebiets ist bereits gemulcht.
Ein Teil des künftigen Baugebiets ist bereits gemulcht.

In Queichheim wird das Areal Südlich Breiter Weg gerodet. Dort entsteht ein großes Neubaugebiet. Wegen der Vogelbrut müssen die Arbeiten bis Ende Februar abgeschlossen sein. Eine Anwohnerin sorgt sich um geschützte Tierarten und viele Igel. Nimmt die Stadt genügend Rücksicht?

Im künftigen Baugebiet Südlich Breiter Weg in Queichheim wird gerodet. Auf dem Areal hatte es etliche Gärten gegeben, die zum Teil auch verwildert waren – und sich dadurch möglicherweise auch zu Lebens- oder Rückzugsräumen geschützter Tierarten entwickelt haben.

Eine Anwohnerin aus der Kraftgasse, die als Biologin selbst vom Fach ist, berichtet von einem artenreichen Habitat, in dem Igel, Mauereidechsen, Gottesanbeterinnen und viele Vogelarten leben. Entgegen anderslautender Zusagen der Stadt werde dort nicht händisch, sondern „mit einem riesigen Mulcher“ gerodet.

Sie fürchtet insbesondere, dass zahlreiche Igel, die im Sommer zu ihr in den Garten kommen, jetzt aber noch im Winterschlaf seien, keine Gelegenheit zu flüchten hätten. Auch eine alte Eiche sei gefällt worden, ebenso eine Eibe und ein Kirschbaum. Sie berichtet weiter, dass Mitarbeiter des Rodungsunternehmens ihr mit rechtlichen Schritten gedroht hätten, weil sie die Arbeiten fotografiert hat.

Keine Rodung mehr ab Ende Februar

Der Darstellung von undifferenzierten Arbeiten widerspricht die Stadtverwaltung: Die Arbeiten seien vom Bauamt beauftragt und mit der Unteren Naturschutzbehörde im Umweltamt abgestimmt worden. Weil die Erschließungsarbeiten für das Baugebiet im Sommer beginnen sollen, müssten möglichst alle Gehölze, in denen Vögel brüten können, vor dem 1. März beseitigt werden. So will es das Bundesnaturschutzgesetz, das in Paragraf 39 vorschreibt, das von März bis Ende September Rodungsarbeiten in der Regel unzulässig sind, weil dann Vögel brüten. Ausnahmen sind möglich, insbesondere aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht.

Lebensräume, in denen sich Igel und eventuell andere Säugetiere aufhalten könnten, und die Stellen, an denen möglicherweise Reptilien überwintern, seien als Tabuflächen ausgewiesen worden, teilt die Stadt weiter mit. Dort dürfe aus artenschutzrechtlichen Gründen nicht mit schwerem Gerät gearbeitet werden. Stattdessen werde von Hand gearbeitet. Schützenswerte Bäume seien markiert und beispielsweise ein Lorbeerbaum im Norden der Fläche mit einem Lattengerüst gesichert worden.

Lorbeerbaum und Kreuz bleiben

Ein Großteil des Baugebietes sei bereits gemulcht worden, doch dabei habe es sich um Brachen gehandelt, die zum Teil kniehoch mit Kratzbeere bewachsen waren. Auf diesen Flächen seien keine Igel zu erwarten.

Vor Ort bietet sich ein differenziertes Bild: Derzeit wird nicht gearbeitet, doch große Flächen sind bereits gemulcht, breite Traktorspuren sind deutlich zu sehen. Doch dazwischen liegen auch noch große, bisher unangetastete Brachflächen. Etliche Brombeerhecken sind mit rot-weißem Flatterband markiert - offenbar die Bereiche, die von Hand bearbeitet werden müssen. Der von der Stadt genannte Lorbeerbaum ist eingezäunt und deutlich markiert. Unangetastet erhebt sich auch ein großes Kreuz aus Granit. Deutlich wird aber auch: Das Gelände ist offenbar jahrelang zum Ablagern von Grünschnitt, aber auch Müll missbraucht worden.

Unternehmen übernimmt Erschließung

Das Baugebiet wird auf Basis einer Ausschreibung von der Hans Lamparter GmbH, Bodenordnung und Baulanderschließung, aus Weilheim/Teck erschlossen. Das Unternehmen arbeitet auf eigene Rechnung und stellt die Kosten den einzelnen Grundstückseigentümern in Rechnung. Bei den Neubaugebieten in den übrigen Stadtdörfern läuft dies anders: Dort ist die Stadt Zwischenerwerberin und vergibt die Erschließung. Die Kosten schießt sie vor und legt sie auf die Grundstückskosten um.

Wieder zum Vorschein gekommen: Granitkreuz.
Wieder zum Vorschein gekommen: Granitkreuz.
Der alte Lorbeerbaum am Rand des Gebiets wird erhalten.
Der alte Lorbeerbaum am Rand des Gebiets wird erhalten.
Im Gestrüpp gibt es viele wilde Müllablagerungen.
Im Gestrüpp gibt es viele wilde Müllablagerungen.
x