Landau
Wie war das noch mit Merkel in Landau?
2016 hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. Irgendwie ist der Eintrag typisch für sie: Mitten auf einer ansonsten leeren Seite steht der schlichte Namenszug, nicht sonderlich groß und bar jeder antrainierten Kringel, zu denen die Großen und die, die sich dafür halten, sonst neigen.
„Die Kanzlerin kommt“ hatte die RHEINPFALZ im Februar 2016 getitelt. Einen knappen Monat vor der Landtagswahl war Merkel auf Einladung der damaligen Landtagsabgeordneten und heutigen Europa-Parlamentarierin Christine Schneider zur Wahlkampfhilfe in die Festhalle gekommen, wo, man kann es nicht anders sagen, das Programm entsprechend CDU-lastig war: Es gab eine Begrüßung durch Schneider, ein Grußwort von Oberbürgermeister Thomas Hirsch und eine Talkrunde mit den Abgeordneten Schneider, Martin Brandl und Thomas Weiner. Kurz: Auch wenn man Merkel heute nachsagt, die CDU nachhaltig verändert, deutlich in die Mitte gerückt und zum Teil wohl auch sich selbst entfremdet zu haben, so war auf Merkel im Wahlkampf doch immer Verlass.
Die Kanzlerin und Umweltfragen
Ärger hat sich die Kanzlerin damals ausgerechnet mit einer kleinen Randbemerkung nach ihrem Besuch eingehandelt: Sie war nach Pirmasens weitergefahren und offenbar gleichermaßen beeindruckt von einem Spalier von Ausbaubefürwortern an der B10 wie von der Strecke selbst, worauf sie mit den Worten reagierte: „Da muss sich was ändern.“ Was ihr der Umweltverband BUND vermutlich bis heute nicht verziehen hat.
Regelrechte Umweltproteste hatte es bei ihrem Besuch im Februar 2011 vor der Festhalle gegeben, als die Anti-Atomkraft-Bewegung gegen die frühere Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (1994 bis 1998) mobil gemacht hatte. Auslöser war, dass die Bundesregierung im Oktober 2010 die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke verlängert hatte. Bei der heißen Demo an einem frostigen Wintertag hatte noch niemand ahnen können, das Merkel nur einen Monat unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Fukushima den Atomausstieg verkünden würde.
Als Beinahe-Kanzlerin in Festhalle
Auch 2011 war es der Landtagswahlkampf gewesen, der die Kanzlerin in die Festhalle geführt hatte, auch damals schon auf Einladung Schneiders. Während der Wahlkampf für Schneider ein Heimspiel war und sie ihren Wahlkreis unangefochten verteidigte, ging es seinerzeit für Julia Klöckner weniger glücklich aus. Die CDU-Landesvorsitzende war damals Spitzenkandidatin der CDU im Land. Geholfen hat Merkels Unterstützung nicht, Klöckner konnte sich nicht gegen Malu Dreyer (SPD) durchsetzen, aber immerhin wurde die frühere Deutsche Weinkönigin zunächst Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, 2018 dann Bundeslandwirtschaftsministerin in Merkels letztem Kabinett.
Der vielleicht interessanteste Besuch Merkels in Landau war am 18. November 2005, als sie Festrednerin beim Südpfalz-Treffen der CDU war und vom damaligen Oberbürgermeister Christof Wolff und dem damaligen CDU-Landeschef Christoph Böhr in die Festhalle geleitet wurde. Denn der Termin lag nur vier Tage vor ihrer Wahl zur ersten (und bisher einzigen) Bundeskanzlerin. Entsprechend groß waren das Interesse und auch die Begeisterung. Mit 1900 Besuchern platzte die Festhalle nahezu aus allen Nähten.
Angela wer?
14 Jahre zuvor war Merkel im selben Rahmen schon einmal in Landau gewesen. Damals war sie erst seit kurzer Zeit Bundesministerin für Frauen und Jugend. Dazu hatte sie Helmut Kohl 1990 gemacht, nachdem er das frühere Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit dreigeteilt und mit drei Frauen besetzt hatte – auch wenn Kohl von der damals 36-jährigen Merkel bisweilen auch als „mein Mädchen“ sprach – eine Fehleinschätzung, die er später noch oft bereut haben dürfte. Die anderen beiden waren Gerda Hasselfeldt und Hannelore Rönsch. Für Merkel war es der Beginn einer beispiellosen Karriere – auch wenn sich an ihren damaligen Landau-Besuch heute wohl kaum noch jemand erinnert. Ehrlich gesagt, findet sich von damals auch weder Bild noch Text im RHEINPFALZ-Archiv. Zur Ehrenrettung können wir lediglich anführen, dass das Archiv damals noch nicht digitalisiert war und die Papiermappen längst den Weg alles Irdischen gegangen sind.