Landau
Warum Schüler nicht zum Unterricht kommen
Eine Lehrerin aus der Südpfalz ist geladen: Es gibt nach ihrer Einschätzung zu viele Kinder und Jugendliche, die dem Unterricht fernbleiben – beispielsweise weil sie selbst oder die Eltern die erforderlichen Selbsttests in den Schulen ablehnen. Die Hemmschwelle für bekannte Schulverweigerer sei zurzeit niedrig, berichtet die Frau, die an einer weiterführenden Schule unterrichtet. „Als Lehrerin kann ich in keiner Form etwas bewirken, Gespräche greifen nicht. Ich bin in einer Zwickmühle.“ Der normale Ablauf bei solchen Schwierigkeiten, wie psychologische Maßnahmen oder das Einschalten des Jugendamtes, wurde vom Land ausgehebelt, sagt sie.
Da Schüler, die die Testpflicht verweigern, nicht am Präsenzunterricht teilnehmen dürfen, seien Leistungsnachweise schwierig, „da die Schüler auch nicht zum Schreiben einer Klassenarbeit ungetestet aufs Schulgelände dürfen“. Außer den echten Test- und Maskenverweigerern gibt es aber auch Schüler, die eine gesundheitliche Vorgeschichte haben. Und es gibt Familien, die in der Pandemie selbst entscheiden wollen, ob ihr Kind in die Schule geht oder zuhause unterrichtet werden solle.
Schulleiter: Die Leistungen lassen nach
Im Otto-Hahn-Gymnasium in Landau kamen vor den Pfingstferien acht Schulkinder nicht zum Unterricht, weil die Eltern die am 12. April eingeführte Testpflicht ablehnen, berichtet Schulleiter Andreas Doll. „Aktuell sind es zum Glück nur noch drei Kinder, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen.“ Bei denen habe der fehlende Präsenzunterricht negativen Einfluss auf die Leistungen. „Wir sehen das mit großem Bauchweh“, sagt Doll. Michael Eich, Schulleiter der Paul-Gillet-Realschule plus mit Fachoberschule in Edenkoben ist überzeugt, dass eine gute Schulgemeinschaft und gute Kommunikation, die Ängste abbaut, größere Abwesenheiten verhindern. Auf seiner Schule blieben aktuell noch sechs Kinder fern, vor Pfingsten waren es zehn bis zwölf. Mit den Eltern sei er stets im Gespräch, manche Kinder könnten aufgrund von Vorerkrankungen nicht am Unterricht teilnehmen. Kontakt hält die Schule zum Teil über Videokonferenzen, für Leistungsfeststellungen kommt das jeweilige Kind in einen separaten Raum der Schule.
„Die Beruhigung in der Schule schafft wieder mehr Zeit für Erziehung und Bildung anstatt für das Pandemie-Management.“ Christine Gein, Schulleiterin der Klingbachschule in Billigheim-Ingenheim, berichtet von vier der insgesamt 180 Schüler, die seit der Testpflicht nicht mehr zum Unterricht gekommen seien. „Nach den Pfingstferien kam eines der Kinder wieder zum Unterricht.“
Bleiben ab Montag noch mehr Kinder fern?
Manfred Schabowski, Schulleiter der Konrad-Adenauer-Realschule plus in Landau, nennt vier bis fünf Schüler, die aus gesundheitlichen Gründen oder aus Ablehnung der Hygienevorschriften dem Unterricht fernblieben. „An unserer Schule wurden die Unterrichtsstunden bereits im Wechselunterricht nach Stundenplan digital übertragen. Im vollen Präsenzunterricht haben die Schülerinnen und Schüler, die daheim blieben, auch weiterhin über Teams Kontakt mit Ihren Lehrkräften.“
Laut Simon Lietzmann, Schulleiter des Gymnasiums im Pamina-Schulzentrum Herxheim, fehlen acht Schülerinnen und Schüler im Gymnasium und in der Realschule plus. Immerhin könnten sie sich über das digitale Klassenbuch von zu Hause aus auf dem Laufenden halten.“ Ob nun, bei voller Präsenz der Schüler, wieder mehr Kinder zum Unterricht zurückkehren, oder eventuell sogar weitere fernblieben, sei noch nicht absehbar.
„Wir möchten selbst entscheiden“
„In einer Pandemie, wie sie derzeit herrscht, möchten wir als Eltern mündig sein und selbst entscheiden dürfen, ob unser Kind daheim oder vor Ort unterrichtet wird“, sagt Achim Reuther aus Herxheim. „Wir sind fünf Leute bei uns zu Hause. Drei Kinder auf zwei Schulen in drei verschiedenen Klassen.“ Mit jedem Kind, das nicht zum Unterricht komme, sinke auch das Risiko in der Schule. „Dann wären es anstatt 25 Kindern pro Klasse vielleicht nur 15 bis 20.“ Der Wechselunterricht hätte noch bis zu den Sommerferien weiterlaufen müssen, findet Reuther, da das Risiko einer Ansteckung in vollen Klassenzimmern deutlich erhöht werde. So lange möchten Reuthers zumindest ihr jüngstes Kind noch zu Hause lassen. „Wir bekommen es zeitlich hin und können den Lernstoff gut vermitteln.“ Der Große gehe zur Schule, „dies hat er selbst so entschieden“. Durch das Homeschooling hätten sich die Kinder zum Teil sogar verbessert und gelernt, ihre Zeit selbst einzuteilen. „Das ist stressfreier als in der Schule. Aber das Soziale leidet, die Kontakte fehlen.“ Die Impfung sei das Höchste, was man aktuell als Schutz erreichen könne, sagt Reuther, „doch wir sind alle noch nicht voll geimpft.“ Die Angst vor Long-Covid, den Langzeitfolgen, sitze ihm im Nacken.
Mutter: Leistungen haben sich sogar verbessert
Auch Tina Burkard aus Wollmesheim lässt ihre jugendliche Tochter aufgrund von Atemproblemen daheim. Da diese schon lange bestehen, wird sie, so lange die Maskenpflicht gilt, mit ärztlichem Attest vom Unterricht befreit. „Meine Tochter war seit November nicht mehr in der Schule. Durch das Homeschooling haben sich ihre schulischen Leistungen sogar noch verbessert“, berichtet auch sie. Doch Burkard stößt auch auf Unverständnis: „Eine Lehrerin sagte zu mir: Wie stellen Sie sich das vor, auf Dauer Homeschooling? Darauf sagte ich: Wie stellen Sie sich das vor, auf Dauer Maske?“ Beides sei wohl keine Dauerlösung.
„Wir haben die Kinder schon genau im Blick“, sagt Pressesprecherin Eveline Dziendziol von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier, zu der die Schulaufsicht gehört. Eine genaue Anzahl, wie viele Kinder aktuell wegen Corona nicht zur Schule gehen, kann sie allerdings nicht nennen. „Es betrifft einen marginalen Bereich, insgesamt deutlich unter zehn Prozent der gesamten Schüler.“