Landau
Neue Einbahnstraße wird häufig ignoriert
Noch hat es keine Unfälle gegeben, aber die Verunsicherung durch die neue Einbahnstraßenregelung in Reduit- und Weißquartierstraße ist groß. Das bestätigt die Polizei auf Anfrage, und das belegt auch ein kurzer Ortstermin am Donnerstagnachmittag, am vierten Tag der Neuregelung. Beobachtungen von einem, der im Nachhinein festgestellt hat, dass er am Vortag auf dem Weg zur Arbeit selbst zum Geisterfahrer geworden ist.
Auf Facebook kocht die Diskussion über die Neuregelung hoch, sie wird überwiegend sehr kritisch gesehen. Es habe etliche Beschwerden über eine teils merkwürdige Ausschilderung gegeben, die an die Verkehrsbehörde der Stadt Landau weitergeleitet wurden, berichtet ein Sprecher der Polizei. Eine dieser Merkwürdigkeiten hat Leser Michael Kroll in der Reduitstraße vor der Queichbrücke abgelichtet: das Schild „vorgeschriebene Fahrtrichtung geradeaus“ wenige Meter vor zwei „Verbot der Einfahrt“-Schildern. Am Donnerstagmorgen ist es nach Angaben von Anliegern abmontiert worden.
Autos weichen auf Bürgersteig aus
Vor Ort kommt es immer wieder zu unheimlichen Begegnungen der dritten Art. Selbstsichere Autofahrer, die die Queich überqueren, ohne die Einfahrt-verboten-Schilder zu bemerken. Und die dann in der Engstelle steckenbleiben, weil auf der anderen Straßenseite ein Lastwagen entladen wird, Autos geparkt sind und Gegenverkehr kommt. Dann gibt es im besseren Fall einen kurzen Hinweis von Seitenfenster zu Seitenfenster, im schlechteren ein Kopfschütteln oder eine Beschimpfung. Die Folge: Man weicht auf den Bürgersteig aus, was als Ordnungswidrigkeit mit mindestens 50 Euro geahndet werden kann. Dass sich derweil ein paar dieser Falschfahrer vor der Zufahrt zum Sparkassen-Parkplatz an der Reduitstraße stauen, trägt nicht gerade zur Entspannung der Verkehrslage bei.
Aufmerksam geworden durch das Winken und Deuten auf die neue Beschilderung, bleibt ein Mercedesfahrer aus dem Kreis Germersheim auf der Queichbrücke stecken. Seine Frau auf dem Beifahrersitz lacht peinlich berührt. Der Mann setzt zurück und versucht sein Heil, indem er rechts in die Schleusenstraße abbiegt. Doch die wird schon nach wenigen Metern so eng, dass es auch dort kein Durchkommen gibt.
Flucht über Parkplatz
Er wendet vor den Garagen der Wohnhäuser auf der rechten Seite, biegt auf der Weißquartierstraße ein paar Meter nach links ab, dann sofort wieder rechts: Offenbar fühlt er sich beobachtet und überquert den Parkplatz Weißquartierplatz mit Schmackes, um an dessen Westende nach rechts in die Weißquartierstraße abzubiegen und seine Fahrt in der ursprünglich geplanten Richtung fortzusetzen. Ob er an der nächsten Kreuzung erneut in die Einbahnfalle tappt oder, wie jetzt vorgeschrieben, rechts abbiegt in die Ostbahnstraße, ist leider nicht zu sehen.
Das nächste Auto ist ein Mini. Der Fahrer bemerkt die Neuerung selbst, stoppt und will zurücksetzen. Doch das wird schwierig, weil schon zwei nachfolgende Fahrzeuge dicht aufgeschlossen haben. Ein Anwohner schlägt vor, dass die Stadt zwei Parkplätze am rechten Rand der Reduitstraße vor der Einmündung der Schleusenstraße sperrt, um eine Wendemöglichkeit zu schaffen.
Noch keine Kontrollen
Kurz darauf stoppt wieder einer an der Queichbrücke, weil er offenbar im letzten Moment die Beschilderung entdeckt hat. Der junge Mann im weißen Benz hinter ihm mit dem großen Tattoo-Aufkleber am Heckfenster fackelt nicht lange, schert aus und setzt seine Fahrt entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung fort. Vermutlich bewusst, sein Beifahrer trägt ein breites Grinsen im Gesicht. Auch der Fahrer eines Behindertenfahrdienstes registriert die Neuerung im letzten Augenblick, schüttelt den Kopf und bahnt sich ebenfalls seinen Weg zwischen ein- und ausparkenden Autos auf dem Weißquartierplatz hindurch.
Die Polizei hält sich in den ersten Tagen mit Kontrollen zurück, aber das werde nicht so bleiben. „Vielleicht renkt es sich ein“, hofft ein Pressesprecher. Dass vor allem Menschen in Gefahr geraten, zu Geisterfahrern zu werden, die besagte Straßen häufig nutzen, lässt er aber nicht gelten. „Als Ortsfremder muss ich auch auf die Schilder achten.“
„Ein Schildbürgerstreich“
Nicht auf ihr Schild geachtet hat die Stadtverwaltung: Eines der Einfahrt-verboten-Schilder ist auf dem Bürgersteig vor einer Gaststätte aufgestellt worden – so eng am Haus, dass der geöffnete Klappladen nicht mehr geschlossen werden kann. „Ein Schildbürgerstreich“, findet eine Passantin, die auf den Montagefehler hinweist.