Südpfalz
Mehrwegpflicht: Gibt’s die Pizza nur noch latschig?
Endlich Feierabend, endlich zu Hause. Nach einem anstrengenden und sowieso viel zu langen Arbeitstag fehlt jetzt nur noch eine Sache zum vollkommenen Glück: ein leckeres Abendessen. Bestenfalls ohne viel Aufwand am Herd und ohne eine dreckige Küche, die noch sauber gemacht werden muss. Wie gut, dass der Lieblingsitaliener die Lasagne zum Abholen und Mitnehmen anbietet oder sogar direkt nach Hause liefert. Problem gelöst. Übrig bleibt neben einem ruhig gestellten Magen die Aluschale, die im Müll landet.
Szenen wie diese spielen sich so oder so ähnlich tausendfach täglich ab – egal, ob die Wahl auf Pasta, Burger oder gebratene Nudeln fällt. Das Problem: Dadurch entsteht ein immenser Müllberg. Um diesen schrumpfen zu lassen, hat die Bundesregierung Mitte 2021 ein neues Verpackungsgesetz beschlossen, das seit 1. Juli dieses Jahres in Kraft ist. Seitdem sind alle Einweg-Getränkeflaschen und Getränkedosen pfandpflichtig. In der nächsten Stufe sind Caterer, Lieferdienste und Restaurants mit mindestens fünf Mitarbeitern und einer Verkaufsfläche von mindestens 80 Quadratmetern ab 1. Januar 2023 verpflichtet, auch Mehrwegbehälter als Alternative zu Einwegbehältern für Essen und Getränke zum Mitnehmen und Bestellen anzubieten. Das heißt: Die Lasagne gibt’s dann nicht nur in der altbekannten Aluschale, sondern auch in einem Behältnis, das in der Spülmaschine statt im Mülleimer landet.
Pizza wird in der Plastikschachtel latschig
„Ich bin davon nicht begeistert“, sagt Giuseppe Baorda vom Restaurant Piccola Italia in Landau. Wobei er zwischen den Gerichten, die abgeholt werden können, unterscheidet. „Bei Pasta ist das super“, sagt er mit Blick auf die Mehrweg-Behälter aus Plastik, die er bestellt hat. „Die Kunden müssen nur bereit sein, das Pfand zu bezahlen.“ Genau darin sieht er die Krux bei der Sache. Denn er geht davon aus, dass er 10 bis 15 Euro Pfand pro Verpackung verlangen muss. Wer also fünf Gerichte abholen möchte, müsste zunächst 50 bis 75 Euro zusätzlich bezahlen. „Ich glaube nicht, dass das viele in Anspruch nehmen“, sagt Baorda. Überhaupt nicht begeistert ist er von der Vorstellung, die Pizza nicht mehr im Karton, sondern in einem Plastikbehälter auszugeben. Der Dampf der heißen Leckerei würde vom Deckel wieder herunter tropfen, berichtet Baorda von einem eigenen Versuch. Das unbefriedigende Ergebnis: eine latschige Pizza.
Die einfachste Lösung für dieses Problem sind Kartons komplett ohne Kunststoffanteil. Diese sind nämlich nicht vom neuen Gesetz betroffen und dürfen weiterhin ohne Alternative verwendet werden. Das vom Bundesumweltministerium geförderte Projekt „Klimaschutz is(s)t Mehrweg“ weist in einem Infoblatt zur neuen Regelung darauf hin, dass eine Beschichtung aus Kunststoff jedoch schon ausreiche, um eine Verpackung als Kunststoffverpackung zu definieren. „Dies ist meist bei Papp-Behältern der Fall.“ Im Sinne der Müllvermeidung sollte ohnehin überall auf Mehrweg gesetzt werden, heißt es abschließend.
Fast-Food-Riese testet bereits Mehrwegbecher
Baorda kritisiert das neue Gesetz grundsätzlich. Das Mitnahmegeschäft werde zu 90 Prozent von Lieferdiensten gemacht, die gar nicht unter die Regelung fallen, weil sie keine 80 Quadratmeter Verkaufsfläche haben. „Das finde ich nicht in Ordnung“, schimpft der Piccola-Italia-Chef. „Das Gesetz ist nur dazu da, dass es gut aussieht.“ Müll werde dadurch kaum vermieden. Bei allem Ärger, ein Problem für sein Geschäft sieht er nicht, denn bei ihm mache das Mitnahmegeschäft nur etwa fünf Prozent aus.
Auch McDonald’s ist ein klassischer Anlaufpunkt für Essen zum Mitnehmen. Dort werde bereits seit November 2021 in ausgewählten Restaurants die Mehrwegoption für Getränke und Desserts getestet, wie der Fast-Food-Riese auf Anfrage mitteilt. „In den letzten Monaten wurden sukzessive weitere Restaurants in den Test integriert, unter anderem im Oktober 2022 alle unternehmenseigenen Restaurants.“ Die Filialen in Landau, Bad Bergzabern und Maximiliansau gehören noch nicht dazu, sie folgen aber bald. „Ab Ende Dezember 2022 ist dann die Mehrwegoption für unsere Kalt- und Heißgetränke sowie Eissorten in allen deutschen McDonald’s Restaurants verfügbar“, teilt das Unternehmen mit. Entscheidet sich der Gast für den wiederverwendbaren Becher, muss er zusätzlich 2 Euro Pfand bezahlen. Zurückgegeben werden können die Becher laut Mitteilung in jeder deutschen McDonald’s-Filiale.
Landauer Restaurant hat schon Mehrwegsystem
Vollkommen entspannt blickt Janine Gab der neuen Mehrwegvorgabe entgegen. Im „Ich bin so Frey“ in Landau muss sie nämlich nichts ändern. „Das machen wir eh schon“, berichtet sie. Für die Speisen und Getränke zum Abholen oder Liefern stehen Plastikschüsseln und Plastikbecher parat. Für Essensbehälter müssen 5 Euro, für Becher ohne Deckel 1 Euro, für Becher mit Deckel 2 Euro Pfand bezahlt werden. Die Mehrwegverpackungen kommen von der Münchner Firma Recup. In Landau ist das vegane Restaurant der einzige Betrieb, der mit diesem System arbeitet. Daher können die Behälter auch nur im „Ich bin so Frey“ wieder zurückgegeben werden. „Es wäre super, wenn andere Gastronomen künftig das gleiche System verwenden“, sagt Gab mit Blick auf die anstehenden Neuerungen. Dann habe man mehr Rückgabestellen und der Kunde hätte es einfacher.
Beim Hotel- und Gaststättenverband Dehoga spielt die Mehrwegpflicht noch keine große Rolle, wie der Vorsitzende des Kreisverbandes Südliche Weinstraße, Thomas Langhauser berichtet. Bei der Versammlung in der kommenden Woche stehe das Thema aber auf der Tagesordnung. Grundsätzlich sagt Langhauser, dass er es gut fände, wenn es zumindest regional ein einheitliches System geben würde.