Landau
Elektrofischen auf dem Schwanenweiher
In einem Alu-Kahn brummt ein Stromgenerator. Ein wettergegerbter Mann stakt das Boot mit einem Ruder durch den Schwanenweiher im Ostpark, während zwei Helfer in grünen Wathosen mit Keschern das Wasser durchkämmen. Die Netze an den langen Stäben sind über Kabel mit dem Stromerzeuger im Boot verbunden. Ab und an geht ihnen ein silbrig glänzender, leicht betäubter Fisch ins Netz, den sie in einen Bottich im Boot leeren.
Die drei Männer gehören zur Berufsfischerei Kuhn aus Karlsruhe, die im Rhein, den Altrheinarmen und Nebenflüssen mit verschiedenen Fangmethoden wie Netzen und Reusen Speisefische fängt, die aber auch immer wieder mit dem als besonders schonend geltenden Elektrofischen bei der ökologischen Bestandsaufnahme in Gewässern hilft. Jetzt sind sie im Auftrag der Stadt unterwegs.
Auslass unterm Uferweg
Wobei nicht mehr viel übrig ist vom Weiher. An der Ostseite gibt es einen Auslass, und unter einem Eisendeckel im Uferweg sitzt ein Schieber, der jetzt geöffnet ist und das Wasser in die Kanalisation ableitet. Überall tauchen Schlammbänke auf – und Unrat. Fluchtauto oder geknackter Safe sind nicht dabei, wohl aber zwei Einkaufswagen, einer offenbar gerade erst in den See geschoben, der andere schon fast komplett im Schlick verschwunden. Auch ein Rennradlenker und ein Fahrradgepäckträger tauchen aus den trüben Fluten auf. Außerdem wäre der See jetzt ein Dorado für Pfandflaschensammler: Unterhalb der beiden Sitzgelegenheiten im Norden und Osten der 10.000 Quadratmeter großen Wasserfläche liegen zahlreiche Flaschen im Schlamm, außerdem Kaffeebecher, Kronkorken, eine Gabel, Getränkedosen und ein Mülleimer.
Auf der Westseite des Sees, nahe beim Parkhotel, warten drei Männer neben einem weißen Sprinter auf das Boot der Fischer. Stefan Lutz öffnet die Tür des Fahrzeugs und weist auf drei große Kübel mit Frischwasser, in denen sich ein paar Fische tummeln. Viel ist es nicht, vielleicht ein Dutzend. Lutz ist der Erste Vorstand des 200 Mitglieder starken Angelsportvereins Ottersheim und hat, zusammen mit seinen Vereinskollegen, Hilfe zugesagt. Sie übernehmen die einheimischen Fische und setzen sie in ihrem Vereinsgewässer, dem Bärensee, wieder aus. Ein paar Rotfedern und Rotaugen sowie ein Barsch sind dabei. Im Bärensee werden sie auf viele weitere einheimische Arten treffen, darunter Wels, Zander, Hecht und Aal.
Fische kommen durch die Luft
Vermutlich waren die meisten Fische im Schwanenweiher bereits in den Sommern 2017 und 2019 verendet, als das aufgeheizte Gewässer „umgekippt“ war und Hunderte Fische an Sauerstoffmangel starben. In einem der Bottiche befinden sich zwei Zierkarpfen, die ebenso wie die winzigen Blaubandbärblinge, die man noch im flachen Uferwasser umherhuschen sieht, nicht zu den einheimischen Fischarten zählen. Sie seien vermutlich mit Enten oder anderen Wasservögeln auf dem Luftweg eingereist, sagt Lutz: als Fischeier, die im Geflügel kleben bleiben und von einem Gewässer auf das nächste übertragen werden.
Die nicht-einheimischen Arten dürfen nicht in natürliche Gewässer umgesetzt werden, sagt Umweltdezernent Lukas Hartmann (Grüne). Sie sind dem Reptilium als Tierfutter angeboten werden. Doch die minimale Ausbeute wird nicht viele hungrige Mäuler stopfen.
Mit Kalk gegen den Muff
Sobald die Schlammbänke am Weihergrund so weit entwässert sind, dass man sie befahren kann, wird ein Kleinbagger Rinnen in den Schmodder graben, damit sich das letzte Wasser an den tiefsten Stellen sammelt. Das soll am Dienstag oder Mittwoch passieren, sagt Sabine Klein, die Leiterin der Grünflächenabteilung der Stadt. Und wenig später soll dann auch schon Brantkalk (auch Brandkalk oder ungelöschter Kalk) ausgestreut werden, der organisches Material im Schlamm zersetzen und den muffigen Geruch vertreiben soll, der jetzt schon vom Weiher aufsteigt.
Bald wird dann auch flächendeckend eine Samenmischung ausgestreut: Kornblumen, Klatschmohn, Fächerblume und andere Blütenpflanzen sollen den Schwanenweiher über Sommer in ein Blumenmeer verwandeln. Das sieht nicht nur schön aus, sagt Klein, sondern zehrt auch weitere Nährstoffe auf. Ausgebaggert wird der Seegrund erst im nächsten Winter. Ein Großteil des Aushubs wird auf die Uferböschungen verteilt, sagt Hartmann. Und dann werden der Weiherboden und die Ufermauern abgedichtet – bevor das Wasser wiederkehren darf.