Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Das Holz wird knapp

Mitarbeiter der Schreinerei Rinke arbeiten an einem Neubau in Hofstätten – das gehe noch, weil der Betrieb Holz eingelagert hat,
Mitarbeiter der Schreinerei Rinke arbeiten an einem Neubau in Hofstätten – das gehe noch, weil der Betrieb Holz eingelagert hat, sagt Chef Jonas Rinke. Für das zweite Halbjahr sieht er schwarz. Das Problem lösen könne nur die Politik.

Derzeit können Sanierungen oder Anbauten richtig teuer werden: Das Holz wird knapp, die Preise explodieren. Der Grund: Der Rohstoff wird in die USA oder nach Asien exportiert. Die Handwerksbetriebe leiden – das wirkt sich auch auf die Südpfälzer Hausbauer aus.

Viele Menschen brauchen derzeit Holz. Nicht nur Schreinereien und Zimmereibetriebe, auch Privatpersonen. Warum? „Das hat auch mit Corona zu tun, die Leute können nicht in Urlaub fahren, deshalb wird seit gut einem Jahr verstärkt in das Zuhause investiert, auch deshalb ist die Nachfrage nach Holz gestiegen“, sagt Thomas Kopp von Landesforsten Rheinland-Pfalz. Er ist bei der Zentralstelle der Forstverwaltungen in der Abteilung Holzvermarktung beschäftigt.

Die Engpässe bei der Holzversorgung seien kein südpfälzisches Problem, sondern ein globales, berichtet der Fachmann. „Die weltweite Nachfrage nach Schnittholz ist gestiegen. Vor allem in den USA und China werden enorme Summen für Schnittholz gezahlt“, sagt Kopp. Folglich wird viel Holz exportiert – so funktioniert Marktwirtschaft. Dass mehr Holz in den Wäldern in Rheinland-Pfalz eingeschlagen werden kann, ist ausgeschlossen. „Wir haben in den vergangenen Jahren so viel Holz geliefert, dass die Sägewerke an ihre Grenzen gestoßen sind. Die können gar nicht mehr Holz verarbeiten“, sagt Kopp.

Borkenkäfer ist schuld am hohen Holzeinschlag

Ein Grund für das viele geschlagene Holz: der Borkenkäfer. Er hat den Wäldern zugesetzt. „Wir haben keine gesunden Bäume gefällt“, sagt Charlotte Karrié. Auch sie arbeitet bei Landesforsten im Bereich Holzvermarktung, sie ist in erster Linie für die Vermarktung von Holz zuständig, das zerkleinert wird, um Zellstoff oder Papier herzustellen. Schon aus ökologischen Gründen fluteten die Forstämter den Markt nicht mit Holz. Aber in den vergangenen Jahren habe es sich nicht vermeiden lassen. Unzählige Nadelbäume, vor allem Fichten, wurde auf den Markt geworfen. Sie sind die bevorzugten Nahrungspflanzen der Borkenkäfer. „In den letzten zwei Jahren waren wir gezwungen, gigantische Mengen an Holz auf den Markt zu werfen, das hat sich für die Waldbesitzer nicht mehr gelohnt“, sagt Karrié.

Wird das auch in diesem Jahr so sein? Es sei bisher sehr kühl und nass gewesen, das gefalle den Schädlingen nicht. Noch sitzen die Tierchen unter der Rinde und warten auf höhere Temperaturen. Mindestens 20 Grad brauchen sie. „Es ist allerdings noch zu früh zu sagen, ob dieses Jahr besser wird. Um das beurteilen zu können, müssen wir noch ein paar Wochen warten“, meint Karrié.

Wird das auch in diesem Jahr so sein? Es sei bisher sehr kühl und nass gewesen, das gefalle den Schädlingen nicht. Noch sitzen die Tierchen unter der Rinde und warten auf höhere Temperaturen. Mindestens 20 Grad brauchen sie. „Es ist allerdings noch zu früh zu sagen, ob dieses Jahr besser wird. Um das beurteilen zu können, müssen wir noch ein paar Wochen warten“, meint Karrié.

„Sägewerke werden auch 2021 maximal bedient“

Auf dem Weltmarkt und natürlich auch auf dem deutschen Markt wird derzeit das Holz aus dem Vorjahr verkauft. „Aber auch in diesem Jahr werden die Sägewerke maximal bedient“, verspricht Kopp. Dass sich die Situation auf dem Holzmarkt entspannt, erwartet er nicht. „Aber das liegt nicht an den Forstämtern, das können wir nicht beeinflussen“, stellt er klar. Sondern am Weltmarkt.

Der Chef des Landauer Zimmerei- und Holzbau-Betriebs Rinke, Jonas Rinke, nimmt die Preissteigerungen deutlich wahr – vor allem bei der Fichte. Die Preise seien schon seit Jahresbeginn sehr deutlich gestiegen. „Aber das betrifft alle Produkte, über Bauholz bis Holzfaserdämmung.“ In Zahlen: Für den laufenden Meter Dachlatten zahlt Rinke derzeit statt 55 Cent zwei Euro, eine Dachsanierung bei einem normalen Einfamilienhaus werde im Vergleich zu 2020 für den Südpfälzer allein wegen des Materials bis zu 3500 Euro teurer. Dazu kommt die Lieferverzögerung durch die hohe Nachfrage.

Betreibe müssen extrem weit vorplanen

Diese Erfahrung teilt auch Nicolas Kropfinger. Der Co-Chef von Kropfinger Hochbau in Kapellen-Drusweiler schildert ebenfalls, wie schwer es derzeit ist, an Holz zu kommen und wie die Preise in der jüngeren Vergangenheit explodieren. Seine Firma löse dies auch durch frühere Bestellungen – „wir müssen extrem weit vorplanen und dann hoffen, dass das Material kommt“, berichtet er. Die nächste Großbestellung erhalte er wohl Mitte Juli, in normalen Zeiten hätte das „maximal zwei Wochen“ gedauert. Mit den Kunden müsse er dann das Gespräch suchen – oft mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. „Die Kunden sind nicht begeistert, wenn ich ihnen hohe Mehrkosten ankündigen muss. Das ist eine doofe Situation momentan.“

Auch Rinke hat früh gehandelt und Holz eingelagert. Das werde wohl bis Juli reichen, wie es dann weitergeht, sei fraglich. Nur deshalb könne er die vereinbarten Termine und Preise überhaupt halten. Derzeit seien er und seine Kollegen an einem kritischen Punkt angekommen. „Es gibt so gut wie keine Ware mehr“. Er befürchtet, dass sein Betrieb die Mitarbeiter in der zweiten Jahreshälfte in Kurzarbeit schicken muss. Neben den Preissteigerungen für Holz sei aktuell eine Lieferzeit von mindestens drei Monaten zu erwarten. Befürchtung: Es wird noch schlimmer. „Ich brauche derzeit keine Angebote zu machen.“ Auch Kropfinger befürchtet Kurzarbeit für die elf Mitarbeiter, wenn es schlimmer wird.

„Die Lösung muss politisch sein“

Das Problem seien auch die Säge- und Hobelwerke, die an den Höchstbietenden verkauften, statt das hierzulande geerntete Holz an die Verarbeiter vor Ort abzutreten, sagt Rinke. „Das höhere Angebot gewinnt.“ Das Problem ist seiner Ansicht nach nur politisch lösbar – über Exportzölle. Kropfinger stimmt zu: Die Lösung müsse politisch sein – er spricht sich für einen Exportstopp des heimischen Rohstoffs aus. „Ich verstehe nicht, dass die Politik da nichts macht. Es gibt noch andere Themen als Corona. Dem Mittelstand und dem Handwerk geht’s schlecht.“

Und den Kunden? Die Südpfälzer, die derzeit bauen oder sanieren wollen, bleibe „nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren“, sagt Rinke. „Besonders hart trifft es diejenigen, die einen Hausbau finanzieren.“

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