Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Autofahrer traktiert Velomobil-Radfahrer auf Marienring

Urs Kellermann in seinem Velomobil.
Urs Kellermann in seinem Velomobil.

Fahrradfahrer und Autofahrer sind sich nicht immer grün. „Unfallflucht: Mit Velomobil kollidiert“ lautete die Überschrift über einer RHEINPFALZ-Meldung über eine besonders krasse Begegnung in Landau. Dort hatte ein Audifahrer versucht, ein Velomobil abzudrängen. Am Ende hat es gekracht.

Bisweilen liegen die Nerven blank, wenn sich der motorisierte und der nicht-motorisierte Verkehr eine Straße teilen müssen. Die Verkehrswende macht die Sache nicht unbedingt besser, weil viele Autofahrer derzeit den Eindruck haben, dass der Radverkehr bevorzugt wird und sie selbst ausgebremst werden. Diese Einschätzung kann man zumindest gewinnen, wenn man Facebook-Kommentare zu Verkehrsthemen liest. Die Stadt Landau bemüht sich, die Konkurrenz zu mindern. Sie hat Vorrangrouten für verschiedene Fortbewegungsmittel ausgewiesen. Die große Ringstraße ist Vorrangroute für den motorisierten Verkehr, was allerdings nicht heißt, dass Radfahrer dort nicht fahren dürfen und verpflichtet wären, ausschließlich die parallel verlaufene Glacisstraße zu benutzen.

Auch Urs Kellermann (57) aus Obermoschel hat schon einiges erlebt. Aber nichts, was jenen Vorgängen Anfang September auf dem großen Innenstadtring gleichkäme. Kellermann ist häufiger in der Südpfalz, weil er sein Elternhaus in Minfeld verkauft. Am Montag, 4. September, war er auf dem Heimweg nach Obermoschel, 108 Kilometer, die er, wie meistens, auf dem Rad zurücklegt. Seit Anfang der 1990er-Jahre fährt er Spezialräder, derzeit ein Velomobil der niederländischen Marke DF, also ein vollverkleidetes Liegerad mit Carbonkarosse.

An Choleriker geraten

Kellermann war vom Ebenberg kommend in die Stadt eingefahren. An der Schlösselkreuzung gab es einen kleinen Stau vor der roten Ampel, und er ist daran vorbeigefahren, um sich vorne aufzustellen. Das ist an vielen Kreuzungen in der Stadt ausdrücklich so gewünscht: rot markierte Flächen auf den Fahrbahnen zeigen es deutlich an. „Ich darf das als Radfahrer“, sagt Kellermann. Denn auch wenn sein Velomobil wie ein kleiner Rennwagen aussieht, wird es ausschließlich mit Muskelkraft angetrieben. Nicht einmal eine E-Motor-Unterstützung gebe es. Aber viele Autofahrer kennen solche Fahrzeuge nicht und schätzen sie falsch ein, räumt der Nordpfälzer ein.

„Ich bin an einen Choleriker geraten.“ Offenbar habe er „eine Autofahrerseele verletzt“, und das habe gerächt werden müssen. Kellermann kann heute wieder lachen, oder zumindest spotten, doch das war ihm zunächst gründlich vergangen. Denn ein Audi sprintete los, zog rechts an ihm vorbei, setzte sich vor ihn und bremste ihn aus, fast bis zum Stillstand. Kellermann wich auf die rechte Spur aus, und das Spiel wiederholte sich. Mehrfach sogar.

Auf Linksspur gedrängt

An der Kreuzung Marienring/Friedrich-Ebert-Straße habe ihn der Audi erst auf die Linksabbiegerspur gedrängt und dann noch versucht, ihn gegen die Verkehrsinsel prallen zu lassen, was Kellermann unbedingt vermeiden wollte. So sei es dazu gekommen, dass sich beide Gefährte seitlich berührten. Kellermann kam zitternd zum Stillstand und erwartete, dass der Autofahrer stoppen würde, um den Schaden zu klären. Doch der habe sich einfach aus dem Staub gemacht.

Juristisch ist das Nötigung. Darunter fällt alles, was einen anderen Verkehrsteilnehmer unter Druck setzt und ihn zu Fahrmanövern zwingt, die er nicht machen will. Lichthupe und dichtes Auffahren, beim Überholen schneiden, ausbremsen – aber beispielsweise auch, auf der Autobahn die Überholspur nicht freizugeben. Auf Nötigung im Straßenverkehr stehen drei Punkte in Flensburg, ein Fahrverbot zwischen einem und drei Monaten, in schweren Fällen auch der Entzug der Fahrerlaubnis, eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren.

Fahrer nicht einsichtig

Zeugen fand der Velomobilfahrer nicht, aber er hatte das Kennzeichen abgelesen, weshalb es der Polizei sehr schnell gelungen sei, den Fahrer eines E-Audi-Coupes eines Landauer Unternehmens zu ermitteln. Kratzer in beiden Karosserien passten nach Angaben der Polizei in der Höhe exakt zueinander, sagt Kellermann. Allerdings habe er den Fahrer nicht identifizieren können: Er hatte sein Verdeck geschlossen, was die Sicht zur Seite einschränkt, vor allem aber hatte er alle Hände voll zu tun, sein Gefährt auf der Straße zu halten. Kleine Scharmützel habe er durchaus schon erlebt, aber nichts Vergleichbares.

Leider seien Fahrer oder Unternehmen gar nicht einsichtig gewesen, sondern hätten einen Anwalt eingeschaltet. Er hoffe jetzt auf einen Vorschlag zur Güte. Ansonsten werde er rechtliche Schritte ergreifen. Denn auf dem Schaden an der Karbonkarosse wolle er nicht sitzenbleiben. „Das ist ein Wettbewerbsfahrzeug, wie es auch bei Weltrekordfahrten eingesetzt wird“, sagt er. Soll heißen: Billig wird das nicht.

Natürlich hätte die RHEINPFALZ gerne auch die Sicht des Beschuldigten gehört, wie er den Zwist erlebt hat, doch Kellermann kennt den Namen nicht, und die Polizei kann ihn aus Datenschutzgründen nicht herausgeben.

Info

Falls sich Zeugen an den Vorfall erinnern, werden sie gebeten, sich bei der Polizei in Landau zu melden unter Telefon 06341 2870.

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