Merzalben RHEINPFALZ Plus Artikel Wie sich ein Lied zur „Merzalber Nationalhymne“ entwickelte

Die Erst- und Zweitklässler aus Merzalben im April 1960 mit ihrem Lehrer Gottfried Kling (rechts).
Die Erst- und Zweitklässler aus Merzalben im April 1960 mit ihrem Lehrer Gottfried Kling (rechts).

Heimatgeschichte: Er war kein Merzalber. Aber Gottfried Kling, Schullehrer und Musiker, von dem hier die Rede sein wird, schuf seiner zweiten Heimat ein Gänsehautlied, das von den Bürgern im Dorf nur als „die Merzalber Nationalhymne“ bezeichnet wird.

„Im Merzalbtal, am Gräfenstein, da steht mein liebes Vaterhaus“ – so beginnt das Lied „Merzalbtal“ von Gottfried Kling. Jeder gebürtige Merzalber kennt das Lied. Und die Bürger, die sich im Laufe der Zeit den kleinen pfälzischen Ort zu ihrer neuen Heimat erkoren haben, sich mit Land und Leuten verbunden fühlen, eignen sich die berührende Melodie und den unter die Haut gehenden Text an. Gerade jene, die weit weg von ihrer Heimat gezogen sind, stehen bis heute voll und ganz zur Liedaussage: „.Nie werde ich vergessen dein, zög ich auch in die Welt hinaus.“

Gottfried Kling wurde am 12. Februar 1911 in Mörsch bei Frankenthal geboren. Nach seiner Lehrerausbildung und einer ersten Anstellung in seiner Heimat traf er bei einer Fortbildung in Roxheim 1941 die Merzalberin Ruth Steinhauser. Sie wurde später seine Ehefrau und Mutter der drei gemeinsamen Kinder. Das eigene Heim erbaute das Ehepaar Gottfried und Ruth Kling im Merzalbtal, am Gräfenstein in der Lindenstraße.

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Seit 1948 Leiter der Merzalber Volksschule

Gottfried Kling übernahm am 16. Dezember 1948 die Leitung der örtlichen Volksschule. Die Ernennung zum Hauptlehrer mit Schulleitung folgte im Mai 1950. Kling blieb bis zur Pensionierung im August 1973 ihr Leiter. In diese Zeit fielen der Bau und die Einweihung des neuen Schulhauses 1955. Noch heute erinnern sich seine Schüler daran, dass der vielseitige Musiker oft vor Unterrichtsbeginn seine Geige aus dem Schrank holte und ein Lied spielte. „Und wenn wir das Lied gekannt haben, dann haben wir mitgesungen“, erzählen sie.

Kling beherrschte einige Instrumente. Sein Lieblingsinstrument war die Orgel. Die spielte er als Organist in den Gottesdiensten. Das passte auch gut, weil Kling zwischen 1946 bis Ende 1956 den Taktstock beim katholischen Kirchenchor schwang. Ebenso stand er als Dirigent von 1950 bis 1952 dem Männergesangverein vor. Kling zählte am 11. März 1950 zu den Gründungsmitgliedern des wiederbelebten MGV.

1950 entstand das Merzalbtal-Lied

In dieser Zeit hielt er seine ausgeprägte Verbundenheit zu Merzalben im Lied über das Merzalbtal fest. Mit Datum vom 10. Juni 1950, so ist es auf den urheberrechtlich geschützten Originalnoten festgehalten, schuf der Pädagoge, Vollblutmusiker und Dirigent Kling das Lied „Mein Merzalbtal“. Im Refrain heißt es: „O Merzalbtal, du meine Heimat, oh Merzalbtal, sei mir gegrüßt! O Merzalbtal, du meine Heimat, sei mir gegrüßt, viel tausend mal!“

In der zweiten Strophe beschreibt Kling das Dorf: „Ihr Berge und du grüner Wald, ihr Quellen und der Vögel Sang! Ihr waret mir mein Jugendtraum, und bleibet es, mein Leben lang.“ Der Liedabschluss mit der dritten Strophe: „Wenn ich einmal gestorben bin, dann lebet wohl, ihr Freunde all! Dann singt mir noch einmal das Lied von unserm schönen Merzalbtal!“

Lied reist per Tonband um die Welt

Beim Liedvortrag wird dann genau darauf geachtet, dass gerade die letzte Strophe sehr verhaltend bis hin zum starken Vortrag, zum totalen Bekenntnis zum Merzalbtal, gesungen wird. Es ist dem einheimischen Männergesangverein ausdrücklich zu verdanken, dass dieses so intensive, bewegende Lied seine Bekanntheit erhielt. Der MGV führte es unter Dirigent Kling auch zum ersten Mal auf.

Das Lied verselbstständigte sich. Es ging und geht den Merzalbern ans Herz. Wie von ehemaligen MGV-Sängern zu erfahren war, wurden in den 1960er Jahren, als Chorleiter Ruprecht Bernhard den MGV dirigierte, Tonbänder mit Liedern, mit Glockengeläut der neuen Kirche und mit dem Abschlussgesang „Mein Merzalbtal“ auf besonderen Wunsch zu Karl Härig nach Chicago geschickt. Härig war eng mit dem MGV verbunden und seiner Heimatgemeinde treu geblieben. Ein Tonband ging auch zu einem Gönner nach Essen, zu Max Natter.

Auch als Maler Spuren hinterlassen

In der Ortschronik schrieb Klings Sohn Engelbert unter der Rubrik „Merzalb-Splitter“, dass unter der Regie seines Vaters die Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber zweimal (Merzalben und Leimen) vom MGV aufgeführt wurde. Der Erlös floss dem geplanten Kirchenneubau zu. Auch habe sein Vater erreicht, dass das Brauchtum des Maibaumstellens wiederbelebt wurde.

Nicht zu vergessen ist das zweite Hobby von Gottfried Kling, der als Maler seine Spuren in seinem zweiten Heimatort hinterlassen hat. So schuf er das Bildnis des Sankt Martin und des Sterntaler-Regens im Eingang der Schule. Ebenso hinterließ Kling beim Pfälzerwald-Verein mit einem Wanderer im Merzalbtal am Fuße des Gräfenstein seine künstlerischen Spuren.

Das Heimatlied selbst entwickelte sich zur Merzalber Hymne. Bis zum heutigen Tag bildet das Merzalbtal-Lied den heimatlich bekennenden Abschluss bei größeren Festveranstaltungen, sei es von Vereinen oder der Gemeinde. Und auch bei privaten Feiern ist das Merzalbtal-Lied immer wieder zu hören.

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