Thaleischweiler-Wallhalben RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Patrick Sema in die Stichwahl kam – und nicht Martin Eichert

Am Wahlabend: Thomas Peifer (CDU, links) und Patrick Sema.
Am Wahlabend: Thomas Peifer (CDU, links) und Patrick Sema.

Thaleischweiler-Wallhalben hat am Sonntag gewählt. Warum schaffte es Martin Eichert nicht in die Stichwahl? Warum schneidet Thomas Peifer im Süden und im Nordosten so gut ab? Warum holt Patrick Sema in Herschberg 67 Prozent? Unsere Analyse.

Zwei Fragen waren mit der Wahl zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben verbunden: Holt Amtsinhaber Thomas Peifer (CDU) im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit? Und falls nicht, wer tritt gegen den Amtsinhaber bei der Stichwahl an? Beide Fragen wurden am Sonntag beantwortet: Es reichte für Peifer nicht für die absolute Mehrheit. Am 27. März kommt es zur Stichwahl. Peifers Herausforderer heißt Patrick Sema (SPD).

Es war für alle vier Kandidaten – neben Peifer und Sema hatten sich Martin Eichert (FWG) und Sebastian Schäfer (FDP) um das Amt beworben – eine Wahl unter schwierigen Bedingungen. Corona verhinderte weitgehend direkte Kontakte mit den Bürgern. Zum Beispiel bei Neujahrsempfängen, die nicht stattfinden konnten. Die Wahl stand deshalb nicht so im Fokus. Mit ein Grund, warum die Wahlbeteiligung mit 50,5 Prozent deutlich geringer ausfiel als vor acht Jahren. Nicht der einzige.

Corona und Ukraine – nicht Sache der VG

Es gibt Themen, die die Menschen derzeit stark beschäftigen. Corona ist eines, der Ukraine-Krieg ein anderes. Aber beide Themen sind nicht Sache der Verbandsgemeinde. Vor acht Jahren lag die Wahlbeteiligung bei 69,5 Prozent. Damals wurden allerdings zeitgleich Verbands- und Ortsgemeinderäte und das Europaparlament gewählt. Zudem gab es ein Aufregerthema: die Fusion zur Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben. Die war bei dieser Wahl – erst zum zweiten Mal wird ein Bürgermeister für diese Verbandsgemeinde gewählt – kein Thema mehr. Das spricht sicher für die in den vergangenen acht Jahren von vielen Beteiligten geleistete Arbeit.

Es gab auch sonst keine wirklichen Aufregerthemen wie in den vergangenen Jahren bei Wahlen in anderen Verbandsgemeinden. Es wurden keine Millionen in regenerativen Energieprojekten oder hochriskanten Geldanlagen versenkt. Es gab aus der Verwaltung heraus keine anonymen Schreiben, in denen der Chef diskreditiert wurde. Im Gegenteil. Aus dem Haus heraus hat der Amtsinhaber sicher mehr Unterstützer als Gegner. Und es bewegt sich was in der Verbandsgemeinde, was sich finanziell positiv auswirkt oder auswirken wird für die Gemeinden. Neubaugebiete für junge Familien, zahlreiche Gewerbeansiedlungen. Wer in Thaleischweiler-Fröschen, Höhfröschen, Petersberg, Höheischweiler, Weselberg wohnt, sieht diese wirtschaftlichen Entwicklungen permanent vor der Haustür. Wer von Rieschweiler-Mühlbach aus Richtung Pirmasens fährt, sieht das auch. Wohl mit ein Grund dafür, warum der Amtsinhaber in diesen Gemeinden gut abgeschnitten hat.

80 Prozent Wahlbeteiligung in Schauerberg

Dass ein besonderes Ereignis die Menschen eher an die Wahlurne bringt, zeigte sich in Schauerberg. Mit 150 Wahlberechtigten die zweitkleinste Gemeinde, in der gewählt wurde, aber die Gemeinde mit der höchsten Wahlbeteiligung: 80 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Dass zwei der vier Bewerber hier zu Hause sind, spielte dabei sicher eine große Rolle. Martin Eichert (FWG), zugleich Bürgermeister von Schauerberg, siegte deutlich in seinem Heimatdorf, holte 63 Stimmen, macht 53 Prozent.

Eichert oder Sema, das war nicht nur ein Schauerberger Duell. Wobei sich ganz klar zeigte, dass Patrick Sema, der in Herschberg aufgewachsen ist, dort noch stark verwurzelt ist. In Herschberg holte er zwei Drittel der Stimmen. Eichert oder Sema, das waren die Kandidaten, die gehandelt wurden, wenn es um die Frage ging, wer als zweiter Bewerber in die Stichwahl einzieht. Sema setzte sich deutlicher durch, als viele das erwartet hätten.

Die FWG tut sich beim Zusammenwachsen schwer

Das hat mehrere Gründe. Die FWG in der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben tut sich aufgrund ihrer Struktur deutlich schwerer beim Zusammenwachsen, als das bei den etablierten Parteien der Fall war. Die fehlende Geschlossenheit wird auch im Verbandsgemeinderat immer mal wieder sichtbar. Eine sichere FWG-Wählerbasis über die Verbandsgemeinde hinweg hatte Eichert nicht. Im Gegensatz zu Sema, der auch auf sichere SPD-Stimmen setzen konnte. Aber auch der Wahlkampf der beiden war sehr unterschiedlich. Sema war – trotz Corona – in den Dörfern unterwegs, warf seine Prospekte persönlich in die Briefkästen und kam so auch zum ein oder anderen Gespräch am Gartenzaun. Dass der Haustürwahlkampf wichtig ist, hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt. Sema war auch im Internet sehr aktiv. In der Summe machte das knapp 1500 Stimmen mehr als Eichert. Er holte unter anderem in Dörfern mit FWG-Tradition wie Wallhalben Stimmen. Der vierte Kandidat hat das getan, was er sich vorgenommen hat: Sebastian Schäfer zeigte Präsenz für die FDP in der Verbandsgemeinde.

Corona macht den Wahlhelfern zu schaffen

Am 27. März geht es in die Stichwahl. „Das wird eine Herausforderung“, sagt Wahlleiter Heino Schuck. Viele Mitglieder des Mitarbeiterteams der Verbandsgemeinde, das die Wahlen stemmt, meldete sich seit Freitag nach und nach mit positiven Corona-Tests ab, arbeitete am Sonntag aus dem Home-Office. Auch Wahlhelfer mussten am Sonntag kurzfristig wegen positiver Tests ersetzt werden. „Aber die schaffen das“, ist sich Schuck sicher. Das Team arbeitete beim ersten Wahlgang – wo erforderlich auch aus dem Home-Office – sehr schnell, sehr organisiert. Auch der Internetauftritt funktionierte vorbildlich. Und schließlich gab es keine größeren Pannen. Eine Stunde, nachdem die Wahllokale geschlossen hatten, waren alle Stimmen ausgezählt.

Für die beiden Kandidaten lautet ein Fazit aus dem bisherigen Wahlkampf – zumal die Corona-Beschränkungen weiter fallen: Präsenz zeigen. Peifer hofft, dass er am Mittwoch die Corona-Quarantäne verlassen kann. Mit der Stichwahl – zu erwarten ist, dass die Wahlbeteiligung noch mal sinkt – sind neue Fragen verknüpft: Wer schafft es, seine Wähler erneut zu mobilisieren? Wer holt noch Stimmen aus den Lagern der ausgeschiedenen Bewerber. Geben FWG und FDP Wahlempfehlungen ab? Wenn ja, wie lauten die? Und folgen die Wähler diesen Empfehlungen?

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