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Nato-Offizier in Flecktarn spricht vor IGS-Schülern
Im Mehrzwecksaal lernten die Oberstufenschüler eine Menge über die Nato – auch über deren Gründungszeit und die Entstehung des früheren Gegenspielers, des Warschauer Pakts. Später durften sie Fragen stellen zur weltpolitischen Lage.
Der Kontakt zum Nato-Offizier wurde privat geknüpft. Oberstufenlehrer Florian Cordier, der die elfte und die 13. Jahrgangsstufe in den Leistungskursen unterrichtet, hat die Veranstaltung organisiert. Und zwar über Nachbarn, die den Kontakt zu Kevin Nieberg hergestellt hatten. Das war bereits vor den Herbstferien. „Das hat sofort funktioniert, der Kontakt war sehr angenehm und Herr Nieberg hat direkt zugesagt, zu uns zu kommen“, sagte Cordier. Das Thema sei aktuell. Im Leistungskurs werde es sowieso im Unterricht behandelt, da kam die Gelegenheit wie gerufen. Allerdings, so Cordier, werden keine Details aus der eineinhalbstündigen Veranstaltung abgefragt oder gar in einem schriftlichen Test abgeprüft. Dafür wären die zahllosen Fakten, die Kevin Nieberg aufzählte, auch einfach zu viel gewesen. Wofür er sich nach einer Stunde im Schweinsgalopp durch Weltpolitik, Nato-Historie sowie die Organisation des Verteidigungsbündnisses, dessen Aufgaben, Standorte und Einheiten, ihre Abhängigkeit von politischen Entscheidungen und so weiter bei den Schülern später entschuldigte. „Das war ein Brett, ich weiß. Und das tut mir leid“, sagte der Offizier in Flecktarn-Uniform in einer vierminütigen Pause vor der Fragerunde.
Wo die Nato steht
Konkrete Aussagen zum Krieg in der Ukraine vermied er, wofür er um Verständnis bat. Aber Nieberg machte deutlich, wo die Nato steht. „Wir als Nato befinden uns nicht im Krieg. Daher können wir auch keinen Krieg gewinnen. Unser Ziel ist die Wiederherstellung des Status quo vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine“, stellte er klar. Und referierte unter anderem über den Artikel 5 des Nordatlantikvertrages, der den sogenannten Bündnisfall der Mitgliedsstaaten regelt. Dort ist unter anderem festgelegt, dass „die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird; sie vereinbaren daher, dass im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen werden, Beistand leistet.“
Der Nato-Sprecher erwähnte auch Überwachungstechniken mit Drohnen sowie Flugzeuge wie die 15 Awacs-Horchflugzeuge, die in Geilenkirchen stationiert sind. Er berichtete, dass deutsche Militärflugzeuge in Estland, Lettland und Litauen stationiert sind, weil die drei baltischen Staaten keine eigenen Luftstreitkräfte haben. Auch über den Ablauf von Militärübungen informierte Kevin Nieberg in zackigem Armee-Sprech die Jugendlichen an der IGS. Ebenso über die medialen Wege, auf denen die Nato versucht, bestimmte Ziele zu erreichen. Über Presseauswertung und Bedienung verschiedener Medienkanäle erreiche man zum Beispiel, dass die Gegenseite wisse, was die Nato gerade tut, und wofür man gerade übe und trainiere. „Wir lügen nicht. Wir verfahren nach dem Motto ,Tu Gutes und sprich darüber’“, fasste Nieberg zusammen, ohne explizit zu sagen, dass die Gegenseite genau dies nicht tue.
Keine Fragen mehr nach Ukraine und Krieg
In der anschließenden Fragerunde blieben kaum noch Themen übrig, nach denen die Schüler hätten fragen können. Ein Junge fragte aber nach der Nato-Kostenverteilung und speziell nach dem Stützpunkt Ramstein, worauf Nieberg die Proporz-Zahlungen der Mitgliedsländer erklärte. Fragen nach der Ukraine und dem Krieg dort blieben aus. Aber darauf hätte der Offizier kaum antworten können.
