WALDFISCHBACH-BURGALBEN
Nach Großbrand ist die Hauptstraße gesperrt
Die Folgen sind gravierend. Weil das ausgebrannte Gebäude als einsturzgefährdet gilt, wurde zur Absicherung der Brandstelle über die gesamte Straßenbreite ein Bauzaun aufgestellt. Die Hauptstraße ist zwischen der Einfahrt zum Bahnhof und der früheren Post gesperrt. Damit ist auch die direkte Verbindung zwischen Pirmasens und Kaiserslautern gekappt, denn durch die Hauptstraße floss der Verkehr der derzeit gesperrten B270. Auf den innerörtlichen Umleitungsstraßen, zum Beispiel in der Lindenstraße, herrschte zeitweise Chaos.
Geschäfte am Mittwoch ohne Strom
Viele Geschäfte auf der Straßenseite des ausgebrannten Gebäudes hatten am Vormittag noch keinen Strom. „Wir versuchen, es so gut wie möglich zu regeln“, sagte Heike Schmalenberger, Inhaberin der Apotheke am Markt. Die Apotheke grenzt auf der rückwärtigen Seite an das Gelände, auf dem das ehemalige Hotel steht. Gegen 19.45 Uhr am Dienstagabend – die Apotheke am Markt hatte Notdienst – „habe ich gesehen, dass Qualm aus dem Hotel Martin kommt“, erzählt Schmalenberger. Sie habe sofort den Notruf abgesetzt, „aber die waren bereits informiert“, berichtet sie.
Um 19.39 Uhr wurden die Löscheinheiten der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben alarmiert, berichtet Arno Bohl, der Pressebeauftragte der Wehr. Eine riesige, weithin sichtbare Rauchwolke stand über dem Ortskern. Zunächst qualmte es weiß, später tiefschwarz. Als die Feuerwehr eintraf, hat der Dachstuhl bereits in voller Ausdehnung gebrannt, schildert Bohl. Das Feuer griff rasend schnell auf die Dachstühle der Anbauten des alten Hotels über. Es knallte unaufhörlich, weil Ziegel abplatzten und durch die Luft flogen.
Kirche entgeht nur knapp einem Inferno
„Ich habe die Knallerei gehört und gedacht, hier feiert jemand Hochzeit“, erzählt Lidia Knaub, die im Haus hinter der ehemaligen katholischen Kirche lebt, in der seit über zwei Jahrzehnten das Friseurgeschäft Hairdom untergebracht ist. Was sich wirklich hinter den Geräuschen verbarg, wie gefährlich die Situation für sie war, „habe ich erst kurz darauf realisiert“, sagt sie in Erinnerung an die lodernden Flammen auf dem Dach des Nachbargebäudes.
Das unter Denkmalschutz stehende Kirchengebäude und das ehemalige Hotel sind durch eine gemeinsame Wand verbunden. Wie knapp die Kirche einem Inferno entging, verdeutlicht Harald Bohl, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben: „Bei der Kirche ging es um Minuten.“ Die Wand sei schon extrem heiß gewesen. Die Feuerwehr errichtete einen Sperrriegel. Abertausende Liter Wasser wurden eingesetzt, um zu verhindern, dass das Feuer auf die Kirche oder Nachbarhäuser übergreift. „In der Spitzenzeit wurden gleichzeitig mehr als 6000 Liter Löschwasser pro Minute aus dem Ortsnetz und der Moosalb entnommen“, verdeutlicht Arno Bohl die Dimension. Neben allen Löscheinheiten aus der VG Waldfischbach-Burgalben waren auch Einheiten der Nachbarwehren im Einsatz. Zusätzlich zur Drehleiter der VG-Feuerwehr Waldfischbach-Burgalben waren die Drehleitern aus Rodalben und Pirmasens angefordert worden. „Durch einen massiven Löschangriff über die Drehleiter und aus mehreren Strahlrohren konnten die Nachbargebäude geschützt werden“, erläutert Arno Bohl.
Drohne ermittelt Glutnester
„Es war absolut unmöglich, noch ins Gebäude zu kommen“, schilderten am Mittwoch Harald Bohl und Christian Küntzler, Wehrführer der Löscheinheit Waldfischbach-Burgalben, die Situation vom Vorabend. Das Dach und die Geschossdecken stürzten schnell ein. Nachdem großflächig gelöscht worden war, wurde mit einer Drohne ermittelt, wo noch Glutnester waren. Gegen 2 Uhr war der Brand gelöscht, Abbau und Aufräumarbeiten schlossen sich an. Um 3 Uhr war der Einsatz beendet. Insgesamt 90 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz, Technischem Hilfswerk, Polizei und Gemeindewerken waren mit 27 Fahrzeugen vor Ort. Die Zusammenarbeit habe sehr gut funktioniert, so die Feuerwehr Waldfischbach-Burgalben, die dankbar für die Unterstützung ist.
Dadurch konnte wohl eine größere Katastrophe verhindert werden. „Das hat ordentlich gebrannt“, so Carlo Vendrame vom Eiscafé Venezia, das genau gegenüber dem Brandhaus steht. Es zog viele Schaulustige in die Ortsmitte. „Ich habe viele Leute gesehen, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe“, sagte Vendrame schmunzelnd. Auch am Mittwoch schauten sich viele die Brandruine an, etliche verbunden mit einem Eis. Die Bewohner der umliegenden Häuser waren am Abend evakuiert worden. Die direkten Nachbarn des ehemaligen Hotels verbrachten die Nacht bei Verwandten.
Kurt Kettenring vom Hairdom besah sich mit seinen Mitarbeiterinnen am Mittwochmorgen den Schaden. Arbeiten – unmöglich. Da es keinen Strom gab, musste die Termine verschoben werden. „Im hinteren Teil des Gebäudes riecht es noch stark nach Feuer“, schilderte Mitarbeiterin Michelle Huber die Lage. Zudem ist Wasser eingedrungen. Huber und ihre Kollegin Michelle Brämer waren am Dienstagabend auf dem Weg von Pirmasens nach Waldfischbach-Burgalben. „Von Weitem haben wir die Rauchsäule schon gesehen und sofort gewusst, das ist irgendwo bei uns am Geschäft.“ Schließlich hatten sie den Kirchturm in der Rauchwolke erkannt. „Ich arbeite seit acht Jahren da, das war schon ein mulmiges Gefühl“, bekannte Brämer.
Brandgutachter nutzt Drehleiter der Wehr
Die Drehleiter der Feuerwehr Waldfischbach-Burgalben war am Mittwoch erneut am Gebäude im Einsatz. Die Kriminalpolizei nahm in luftiger Höhe die Ermittlungen auf, verschaffte sich einen Überblick über den Brandherd. Zeugen wurden befragt. Das seit Jahren leer stehende Gebäude diente wohnungslosen Menschen immer wieder als Schlafstätte, wurde berichtetet. Im Gebäude selbst soll sich laut Kennern des Hauses die Natur bereits wieder Raum zurückerobert haben. Das seien fast schon Bäume gewesen, die da unterm Dach gewachsen seien, hieß es. Dass fahrlässige Brandstiftung Ursache für das Feuer gewesen sein könnte, ist nicht auszuschließen.
Die Nahwerk GmbH, die für die Stromversorgung in Waldfischbach-Burgalben zuständig ist, hatte am Mittwoch kurz nach 8 Uhr bereits Elektriker und Baufirma im Einsatz, um in der Hauptstraße für Strom zu sorgen. Da die Straße derzeit als Umleitungsstrecke für die gesperrte B270 dient, die im Bereich der Ortsumfahrung Waldfischbach-Burgalben saniert wird, kam es zum Verkehrschaos. Lastwagen fuhren sich am Abend während des Einsatzes fest, wussten nicht mehr, wohin. „Ein Lastwagen mit Anhänger wollte zur Tehalit, kam nicht mehr weiter“, berichtete Alfons Entenmann, der unweit des Brandortes wohnt. Um zu helfen, zog sich Entenmann kurzerhand Schuhe an, setzte sich ins Auto und lotste den Lastwagen auf die richtige Spur.
Ende der Sperrung noch offen
Die Polizei hatte am Dienstagabend begonnen, den Verkehr weiträumig ab der Biebermühle und Steinalben über die A62 umzuleiten. „Aber es gibt natürlich eine Menge Verkehr, der in und durch den Ort muss“, sagte Udo Rapp, Leiter des Ordnungsamtes der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben, der sich vor Ort ein Bild machte. Autofahrern, die nicht weiter wussten, half er mit Wegbeschreibungen für die Umleitungsstrecke aus. „Heute wird das sicher nichts mehr“, sagte Rapp am Mittwoch auf die Frage, wann die Sperrung beendet werden kann. Auch am Donnerstag sei eine Aufhebung noch unwahrscheinlich. „Aber wir wären froh, wenn es schnell klappen würde. Die Straße ist wichtig“, so Rapp. Wann die Straße wieder geöffnet werden kann, hängt unter anderem von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ab und der Frage, was passieren muss, um den Verkehr sicher am Gebäude vorbei lotsen zu können. Behördenleiterin Iris Weingardt erklärte: „Die Brandursache ist nicht bekannt. Wegen der bestehenden Einsturzgefahr war ein Betreten der Brandruine noch nicht möglich.“
Zur Sache: Hotel Martin
Das Gebäude, das am Dienstag in Flammen aufging, stand in den vergangenen Jahren immer wieder im Fokus. Vom einst ersten Haus am Platz, einem großen Hotel mit hauseigener Metzgerei, verwandelte es sich zum unansehnlichen Schandfleck in zentraler Ortslage. So die Kurzform der Geschichte. Das ehemalige Hotel Martin muss weg, respektive für eine andere Nutzung hergerichtet werden, lautet seit Jahren ein Wunsch der Bürger in Waldfischbach-Burgalben. Mehrfach wechselten die Eigentümer. Mehrmals wurde das Gebäude versteigert. Jetzt hat sich der Pirmasenser Investor Manfred Schenk das ehemalige Hotel sowie das angrenzende Haus gesichert, um dort in Verbindung mit weiteren Flächen im Ort ein Seniorenzentrum und Betreutes Wohnen zu realisieren. Voraussetzung ist, dass der Gemeinderat Ja zu Schenks Planung sagt, die er am 1. September vorstellen wird. Mit der Marienhaus GmbH hat er bereits einen Betreiber für das Haus gefunden.