Hauenstein / Schindhard RHEINPFALZ Plus Artikel Modellbauer Burkhart: Das Sägewerk seines Vaters hat ihn nie losgelassen

Herbert Burkhart justiert das Vertikalgatter an seinem Modell-Sägewerk, das derzeit im Deutschen Schuhmuseum in Hauenstein ausge
Herbert Burkhart justiert das Vertikalgatter an seinem Modell-Sägewerk, das derzeit im Deutschen Schuhmuseum in Hauenstein ausgestellt ist.

Schon als Herbert Burkhart seine Anlage im Deutschen Schuhmuseum in Hauenstein aufbaute, war da nichts als Staunen: „Wahnsinn“, „unglaublich“, „phantastisch“ – diese Kommentare galten Burkharts detailgetreuem Nachbau eines Sägewerks, das in den nächsten Monaten im Rahmen einer Sonderausstellung zu sehen ist. Es ist ein Prachtstück kunstvoller handwerklicher Arbeit – im Maßstab 1:12.

Herbert Burkhart hatte ein Vorbild für sein Miniatur-Sägewerk, das jetzt im Deutschen Schuhmuseum in Hauenstein zu sehen ist. Modell stand das Sägewerk Thomasser, das einst in Sichtweite der B427 auf der Reichenbach bei Dahn ratterte und später in die Deutsche Tailleur überging. Burkharts Großvater war 52 Jahre lang Betriebsleiter in diesem Sägewerk gewesen. Vater und Mutter lernten sich dort nach dem Krieg kennen und lieben. Vater Burkhart hat dort als Sägewerker und Betriebsschlosser gearbeitet, die Mutter war im Büro angestellt. „Das Sägewerk hat auch mich nie losgelassen“, sagt der Schindharder, der gelernter Werkzeugmacher ist, 47 Jahre mit eigener Werkstatt in diesem Beruf tätig war und in dieser Profession regelmäßig für Wartungsarbeiten im Reichenbacher Sägewerk aktiv war.

Eine Messe als Anstoß

Als dann der Ruhestand nahte, überlegte der 69-Jährige, wie er die Zeit nach dem Erwerbsleben sinnvoll füllen könnte. Ein Schlüsselerlebnis war der Besuch der „Echtdampf“-Messe in Karlsruhe, einem Mekka für Modellbauer. Was er dort en miniature sah – die Dampfmaschinen und die von ihnen angetriebenen Maschinen und Fahrzeuge aller Art –, und was er dort roch – „der Geruch von verbranntem Öl und Dampf weckte Erinnerungen“, sagt er – ließ die Entscheidung reifen, ähnliche Modelle zu entwerfen und zu bauen.

Das erste Modell war, wie er sich erinnert, ein Zwei-Zylinder-Vakuum-Motor. „Als ich den zum ersten Mal zum Laufen brachte, fühlte ich mich wie ein Erfinder“, erinnert sich Burkhart, den längst das Virus Modellbau infiziert hatte. „Und dann wollte ich als Nächstes eine Dampfmaschine bauen.“ Tage- und nächtelang wurde gegrübelt, wurden Skizzen entworfen, Zeichnungen zu Papier gebracht, Baupläne angefertigt und umgesetzt. Und nach dem Besuch einer weiteren Messe und in Erinnerung an die Familiengeschichte im Sägewerk reifte der Plan: „Die Dampfmaschine wird Teil eines Sägewerks.“

Drei Jahre am Modell gebaut

Das war vor fünf Jahren. Drei Jahre lang wurde en détail geplant und gebaut, zwischen 10.000 und 12.000 Hobbystunden flossen in das Projekt. „Die verbauten Teile haben wohl viel Geld gekostet“, fragte im Museum ein interessierter Betrachter. Burkharts Antwort verblüfft: „Entstanden sind nur Materialkosten. Alle konstruktiven Teile, ob aus Holz oder Metall, habe ich selbst hergestellt.“ Das verlangte meisterliches handwerkliches Können und Zeit. Ein Beispiel: Alleine für die etwa zwei Zentimeter große Türklinke des Bürogebäudes wendete der Modellbauer zwei Tage auf.

Und das Bürogebäude, aus dem bei Bedarf Schreibmaschinengeklapper zu hören ist, ist eigentlich ein eher unbedeutender Teil des rund sieben Quadratmeter großen Sägewerk-Modells, das genau so funktioniert wie das große Vorbild. Kernstück ist die Dampfmaschine, in der allein rund 360 Schrauben mit einem Durchmesser von 2,5 Millimetern verbaut sind. Sie erzeugt – in der Realität wie im Modell – über einen Generator den Strom, der all die Maschinen des Sägewerks antreibt. Und sie arbeiten – „das ist der Hammer“, meinte ein Besucher – en détail ganz genau wie die Maschinen im Reichenbacher Sägewerk.

Mini-Bulldog liefert Holzstämme

Der Nachbau eines Lanz-Bulldog, der wie das Original mit einem Differentialgetriebe und einer Seilwinde ausgestattet ist und dessen Auspuff selbstverständlich raucht, liefert Holzstämme – im Modell sind das Abschnitte von Haselzweigen – an. Sie werden über einen Querförderer eine Etage höher transportiert, dorthin, wo die Sägen arbeiten. Ein Vertikalgatter zersägt sie in Bretter, ein Horizontalgatter besorgt das Bauholz, eine Besäumer-Kreissäge arbeitet da und eine Ablängsäge, für das Kurzholz sorgt eine Blockbandsäge… Sägespäne und Sägemehl werden über ein Förderband zur Dampfmaschine transportiert und dient dort als Brennstoff. Es muss wiederholt werden: Alles funktioniert im Kleinen wie „uff de Reichebach“.

Und alle Teile – Walzen und Wellen, Kurbeln und Sägeblätter etwa – hat Burkhart in filigraner Feinarbeit selbst hergestellt, hat Maschinen und Gebäude zusammengefügt zum großen Ganzen, das bei den Betrachtern ungläubiges Staunen auslöst. Und bei dem Erbauer strahlen die Augen, wenn er sieht, wie sich die Betrachter an seinem Werk freuen können: „Und das Schönste ist für mich, wenn ich sehe, wie sich Kinder begeistern lassen.“

Ein Modell aus Modulen

Längst ist Burkhart nicht mehr auf Messen unterwegs, um sich Anregungen zu holen. Längst stellt er sein Sägewerk selbst aus und löst bei den Besuchern Begeisterung aus. Damit sich das Kunstwerk gut transportieren lässt, hat er es in Module aufgeteilt, die sich einfach zum Gesamten zusammenfügen lassen. Auch das: eine Meisterleistung.

Neue Projekte sind in Planung: Eine mechanische Werkstatt aus dem 19. Jahrhundert mit Transmissionsantrieb ist im Werden. Und im Zusammenwirken mit dem Dahner Mühlenforscher Karl Kissel soll ein detailgetreues und funktionsfähiges Modell der Fischwooger Mühle entstehen, deren Original zwischen Erfweiler und der Reichenbach steht.

Info

Das Modell-Sägewerk ist zu den Öffnungszeiten des Schuhmuseums kostenlos zu besichtigen. Vorführungen sind nach Vereinbarung möglich. Auf YouTube ist unter dem Stichwort „Modellbau Herbert Burkhart“ ein kleiner Film zum Modell-Sägewerk zu sehen.

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