Merzalben RHEINPFALZ Plus Artikel Großer Holzeinschlag im Biosphärenreservat schreckt Bürger auf

Der Hang östlich von Gräfenstein und Winschertfelsen ist kahl. Vorher war er mit Douglasien dicht bewachsen.
Der Hang östlich von Gräfenstein und Winschertfelsen ist kahl. Vorher war er mit Douglasien dicht bewachsen.

Was für eine Aufregung in Merzalben. Dass in der Kernzone des Biosphärenreservates ein Hang gerodet wurde, rief viele Bürger, auch Ortsbürgermeister Michael Köhler, auf den Plan. Wie ist es möglich, dass in der Kernzone, die doch zum Urwald werden soll, ein so massiver Holzeinschlag vorgenommen werden kann?

Michael Grünfelder, Leiter des Forstamts Hinterweidenthal, betonte, dass der jüngste Holzeinschlag in der Kernzone der künftigen Entwicklung des Waldes diene. Entfernt wurden Douglasien, die als naturfern gelten. Ziel sei es, dass in der Kernzone des Pfälzerwaldes ein laubholzgeprägter Mischwald sich selbst überlassen wird.

Laut Grünfelder fand der Einschlag im Bereich „Trommelschläger“ unter Regie des Forstamtes statt. Weil die Wellen der Entrüstung so hoch schlugen, verwies Grünfelder auf die rechtlichen Grundlagen, die in der Landesverordnung über das Biosphärenreservat geregelt sind. Darin sei vorgesehen, dass bis spätestens zum Jahresende 2035 die Rückführung und Einstellung der Bewirtschaftung „zu planen und zu organisieren“ sei. Die Landesverordnung über das Biosphärenreservat gestatte, in Nadelholzbeständen aus naturschutzfachlichen Gründen einen Startimpuls für Entwicklungsmaßnahmen zu setzen, um „die Waldbestände im größtmöglichen Umfang und frühestmöglich der natürlichen Entwicklung ohne steuernde Maßnahmen zu überlassen“.

Ziel: Laubholzgeprägter Mischwald

Das Forstamt folgte einer Vereinbarung zwischen der Oberen Naturschutzbehörde und der Zentralstelle der Forstverwaltung aus dem Jahr 2003, naturferne Douglasien-, Fichten- und Lärchenreinbestände umzubauen, sodass in der nächsten Waldgeneration ein naturnäherer, zumindest laubholzgeprägter Mischwald entstehen könne.

Als Leitbild dient der bodensaure Buchenwald, ein Laubmischwald unter Führung von Buchen und Eichen. Im Einzelfall werde der anzusteuernde Waldumbau der noch dichten, etwa 30- bis 40-jährigen Douglasien- und Fichtenreinbestände über eine deutliche Baumzahlreduktion angestoßen, um den Dichtschluss und das Kronendach aufzulockern, sagte Michael Grünfelder. In dieser Bestandsstruktur könne das Licht dann bis zum Waldboden vordringen.

In 15 Jahren Prozessschutz

In einem weiteren Arbeitsschritt werde die Buche beigepflanzt, die sich ohne weitere steuernde Hilfen im natürlichen Konkurrenzgeschehen etablieren müsse. „Nach etwa zehn bis 15 Jahren, soweit sich die Buche und natürlich angesamte Birke verfestigt haben, werden die noch vorhandenen Douglasien entnommen und der Wald wird in die natürliche Entwicklung, den Prozessschutz, entlassen“, erläuterte der Forstamtsleiter die weiteren Schritte.

Grünfelder wies darauf hin, dass das Forstamt in den letzten 20 Jahren rund 1000 Hektar Wirtschaftswald in den Prozessschutz überführt habe, womit heute schon insgesamt 2200 Hektar, also gut 90 Prozent des Gesamtziels, erreicht seien.

Keine Bewirtschaftungsmaßnahme

Auf die Frage, dass sichtbar „ein ganzer Hang“ abgeholzt wurde und Leute von einem „Ausbluten des Waldes“ sprachen, verteidigte Grünfelder die Maßnahme. Der Hieb im Bereich „Trommelschläger“ sei ausdrücklich nicht als forstbetriebliche Bewirtschaftungsmaßnahme zu werten, sondern sie leite vielmehr, im Auftrag des Naturschutzes, die Entwicklung des Douglasienreinbestandes zu einem Laubmischwald ein, „wie übrigens alle Maßnahmen in der Kernzone“, ergänzte Grünfelder. Die Maßnahme habe sich auf das gesamte örtliche Douglasienvorkommen auf einer Fläche von 2,7 Hektar konzentriert. Dies sei tatsächlich eine überdurchschnittlich große Arbeitsfläche, räumte Grünfelder ein. Im Bestand habe es sehr viele zirka 35- bis 40-jährige Nadelbäume gegeben, die entsprechend gering dimensioniert gewesen seien.

Das Forstamt hatte sich beim Einschlag für das aufwendige Seilkranverfahren entschieden. So konnte das Holz geerntet werden, ohne den Bereich befahren zu müssen. Es sei ein Höchstmaß an Bodenschutz gewährleistet, versicherte der Forstamtsleiter. Allerdings musste das Rohholz an die nächstgelegene Lkw-befahrbare Waldstraße gebracht werden. Das sei mit Hilfe eines Tragschleppers über einen vorhandenen Maschinenweg geschehen, unterrichtete der Forstamtsleiter. Die Erntemaßnahme sei mittlerweile abgeschlossen. Das an der Asphaltstraße im Zieglertal und unterhalb der Schäferei gelagerte Holz sei für den Verkauf an regionale Verarbeitungsbetriebe bestimmt, so Grünfelder.

Ende 2022 wird neu gepflanzt

Im Spätjahr 2022 soll unter dem vorhandenen Douglasienschirm extensiv und punktwirksam eine Bepflanzung (Vorausverjüngung) mit Buche vorgenommen werde. Dabei sei der hiebtechnisch entstandene Schatten (Halbschatten) lichtökologisch ideal und konkurrenzstärkend für die Baumart Buche. Im Nordteil der Hiebfläche werde neben der Vorausverjüngung noch kleinräumig eine ehemalige Borkenkäfer-Schadfläche aufgeforstet. Nach etwa drei bis vier Jahren fänden sich dann auf der gesamten Fläche neben der Buche auch andere Baumarten wie Birke, Fichte, Douglasie und Kiefer ein, die allerdings für die bereits vorwüchsigen Buchen nur eine nachrangige Konkurrenz darstellen sollten, sagte Grünfelder.

„Ob bis zum Jahr 2035 die verbliebenen Reste des Douglasienbestandes abgeerntet werden können, ist abhängig von der Ausprägung und Vitalität des künstlich eingebrachten Buchenunterstandes. Ausschlaggebend hierfür sind natürliche Einflussgrößen: Klimabedingungen, Konkurrenzkraft der Buche und Verbissbelastung durch Rot- und Rehwild (in der Kernzone ruht die Jagd). Auf jeden Fall zeigen unsere Erfahrungen, dass sich die Buche in der Regel behauptet und die beabsichtigte Waldentwicklung in Richtung eines laubholzgeprägten Prozessschutzes starten wird“, versicherte Grünfelder.

Darüber, dass der CDU-Landtagsabgeordnete Christof Reichert (Hauenstein) eine Kleine Anfrage bezüglich der Abholzung im Quellgebiet der Wieslauter an die Landesregierung gestellt habe, sei er in Kenntnis gesetzt worden, erklärte Forstamtsleiter Michael Grünfelder.

Das Stammholz wurde zur Forststraße bei der Schäferei gebracht, dort wird es von Holzlastern abgeholt.
Das Stammholz wurde zur Forststraße bei der Schäferei gebracht, dort wird es von Holzlastern abgeholt.
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