Hauenstein
Alles Käse? Wenn Schäfer von der „feurigen Bärbel“ träumen
Seit vielen Jahren betreibt Claus Debnar in der Mühle am Ortsrand eine Landwirtschaft – zunächst im Nebenerwerb. „Jetzt hab’ ich keine Zeit mehr zum Arbeiten“, sagt der staatlich anerkannte Landwirt, der auch schon als Erlebnispädagoge und als Mentor in der Ausbildung des landwirtschaftlichen Nachwuchses gearbeitet hat, und lacht. Denn: Jetzt verlangt die Landwirtschaft den ganzen Mann – und auch die Arbeitskraft seiner Frau Diana, die zuvor als Krankenschwester tätig war. Die Landwirtschaft, das sind derzeit 110 Schafe, darunter 40 Milchschafe mit ihren Lämmern, sechs Milchkühe samt Kälbern und 25 Hochlandrinder, die auf einem Gelände zwischen Spirkelbach und Wilgartswiesen grasen und das Tal offenhalten.
Die Debnars, die sich mit drei Kindern in dem uralten Gebäude ein wohnliches Zuhause eingerichtet haben, pflegen die „muttergebundene“ Kälber- und Lämmeraufzucht. Das heißt: „Die Kälbchen und die Lämmer bleiben gut drei Monate bei ihrem Muttertier und werden gesäugt. Was die Kleinen an Milch übrig lassen, reicht uns aus“, beschreibt der 52-jährige Debnar diese artgerechte Haltungsform. „Ich will das so haben, dass es den Tieren – den Großen und den Kleinen – gut geht“, betont Diana Debnar ihr besonderes Augenmerk auf das Tierwohl. „Geht’s den Tieren gut, ist auch die Qualität, die sie liefern, gut“, ergänzt ihr Ehemann. Ein „Traum“ wäre es für die Debnars, wenn sich ein neuer Stall realisieren ließe. Dazu fehle es aber derzeit an geeignetem Gelände.
Frisch- und Weichkäse mit Geschmack
Gemolken wird früh am Morgen und am frühen Abend – rund 30 Liter Schafsmilch und 40 Liter Kuhmilch sind’s pro Tag, die verarbeitet werden wollen. Und das geschieht in der Hofkäserei, die die Debnars in einem Nebengebäude der Mühle eingerichtet haben. Tag für Tag und stets frisch entstehen hier diverse Sorten Frisch- und Weichkäse. Die frische Milch wird pasteurisiert, mit Milchsäurebakterien „geimpft“, sodass sich das „Lab“ bildet, das nach einer guten Stunde mit der „Harfe“ bearbeitet wird, sodass sich der Käsebruch von der Molke trennt. Nach einem erneuten „Verziehen“ wird der Käsebruch in Formen gefüllt. Die abgesonderte Molke wird nahrhaftes Futter…
Je nachdem, was die Debnars während dieses Vorgangs dem Käse beimischen, gibt’s eben die „Feurige Bärbel“, ein Weichkäse mit Chili, „Mama Mia“, ein Käse mit italienischen Gewürzen, es gibt einen Käse mit Bockshornklee, den „Nussknacker“ mit Walnüssen, einen Pfefferkäse und viele andere Köstlichkeiten mehr. Auch ein Camembert entsteht in der Mühle und der „Schäfertraum“, ein wie der Name verrät klassischer Schafskäse. Neu im Angebot ist der „Blaue Hääschdner“, ein Blauschimmelkäse. Auch ein Joghurt ist im Angebot. Und alles „selbstverständlich ohne Zusatzstoffe, ohne Konservierungsmittel“, wie Diana und Claus Debnar betonen, deren Käserei zur Initiative hofkaese.de zählt und Teil der Rheinland-Pfälzischen Milch- & Käsestraße ist.
Eigene Produkte im Hofladen
Angeboten und verkauft wird das Käsesortiment im Hofladen „Hauensteiner Mühle“ im Untergeschoss des Hauptgebäudes: Zwei Mühlstein-Stufen führen in den rustikalen Verkaufsraum, dessen Boden mit uralten Sandsteinplatten belegt ist. Dort gibt es neben den Milchprodukten auch Eier und Fleisch aus der eigenen Produktion: In der Verkaufstruhe liegen Masthähnchen, Rindfleisch je nach Verfügbarkeit, ab Ende Juni wird es auch Lammfleisch geben. Zu diesem Angebot aus der eigenen Bio-zertifizierten Produktion soll sich ein Sortiment an Saisongemüse von regionalen Biobauern gesellen.
Rinder und Schafe – das ist freilich noch nicht die ganze Tierwelt, die sich rund um die Mühle zu Hause fühlt: Da gibt es auch noch Pfauen, die im Hof ihre Pracht zeigen, in einem großen Stall wirbeln kleine Häschen umher, eine Henne führt ihre Küken aus und wird verfolgt von Camilla, der Hofkatze, der die Henne sehr bestimmt die Grenzen aufzeigt, wenn sie dem Nachwuchs zu nahekommt. Und im zeitigen Frühjahr, wenn gelammt wird, werden in einem separaten Stall auch noch jene Lämmchen aufgepäppelt, von denen ihre Schafmama nichts wissen wollte und die deswegen mit der Flasche aufgezogen werden müssen.
Aktivitäten werden wieder aufgenommen
Das hat schon was von einem Idyll und zieht immer wieder auch Kinder zur Mühle: Schon vor Corona waren Kita-Kinder regelmäßig in der Mühle, einmal gab’s sogar eine Nikolausfeier mit dem Heiligen aus Myra im Stall, auch eine Adventsfeier im Stall machte Freude. „Diese Aktivitäten hat Corona gestoppt. Aber sie werden wiederbelebt werden“, berichtet Diana Debnar. Eine Gruppe aus dem Ganztagsbereich der Grundschule hat sich bereits angemeldet.
Info
Hofladen „Hauensteiner Mühle“, Landauer Straße 98 (Ortsausgang Richtung Wilgartswiesen), Telefon 06392 994785, Öffnungszeit: samstags von 9.30 Uhr bis 14 Uhr