Flemlingen
Sanierung von Neuscharfeneck kostet fünf Millionen Euro
Viele Wanderer, Historienfreunde und Burgenfans sind derzeit traurig, wenn sie durch den Flemlinger Wald laufen und vor Burg Neuscharfeneck stehen. Denn diese ist seit rund einem Jahr gesperrt. Der Scharfeneck-Verein hatte sich zu dem Schritt aus Sicherheitsgründen entschieden, da das Mauerwerk der Ruine mittlerweile so marode ist, dass immer wieder Steine abgehen. Umfangreiche Sanierungsarbeiten sind nötig. Um diese ausschreiben zu können, musste erst einmal ein Gutachten erstellt werden. Das Maxdorfer Architekturbüro Sattel, das Erfahrung in der Sanierung alter Gemäuer hat, hat nun ein Gesamtsanierungskonzept vorgelegt.
Das sieht fünf Sanierungsabschnitte vor und geht von Gesamtkosten von fünf Millionen Euro aus, wie erster Vereinsvorsitzender Volker Lahr berichtet. Solch eine Summe ist für den Förderverein und die kleine Gemeinde, der die Burg gehört, natürlich nicht alleine stemmbar. Der Verein ist zwar auf Spendensuche, aber ohne Landes-, Bundes- und EU-Mittel wird das Vorhaben nicht umsetzbar sein. Diese können nun auf Grundlage des Gutachtens beantragt werden.
Sanierung Schritt für Schritt
Der Verein will nun Schritt für Schritt vorgehen. „Zunächst ist die Akutmaßnahme und eine erste Verkehrssicherung dringlich, um nicht die Absperrung der Anlage in großräumigem Umfang zu riskieren“, erklärt Lahr. Als Akutschritte sollen die losen Mauersteine entfernt oder gesichert werden. Der Bewuchs auf der Schildmauer soll beseitigt werden. „So soll verhindert werden, dass weitere teils große Steine auf die Zugangswege und in den Halsgraben abstürzen“, sagt Lahr. Da auch das Kernmauerwerk des Torturms akut einsturzgefährdet ist, soll vor dem Haupttor eine weitere Absperrung errichtet werden. „Jüngst ging ein basketballgroßer Verbund aus Sandstein und Mörtel ab, der es den gesamten Zugangsweg hinunter bis zur Hangkante in Richtung Dernbach schaffte, bevor er zum Liegen kam“, berichtet der Vorsitzende. Immer wieder kletterten Leute über den Bauzaun, ärgert sich Lahr. Deswegen soll nun ein Eisentor im Torbogen fest eingebaut werden, damit niemand mehr eindringen könne. 9000 Euro werden diese ersten Schritte kosten. Ein dauerhaftes Sicherungstor wird mit 5000 Euro kalkuliert.
Für die weitere Verkehrssicherung soll das Gelände freigeschnitten und Mauerbewuchs entfernt werden. Das Mauerwerk am Haupttor und am Torturm muss gesichert, abgetragen und neu aufgebaut werden. Zudem gilt es, die Turmkammer zu verfugen und zu sanieren. Die Treppenstufen sollen saniert und die Handläufe ergänzt werden. Auch der Felsenturm der Oberburg muss von Bewuchs befreit und das Mauerwerk gesichert und saniert werden. Auch bei den Zwingern am Süd- und Zentralfelsen muss das Mauerwerk saniert werden. Die Kosten für diesen Bauabschnitt: 670.000 Euro.
Führungen demnächst wieder möglich
Die freudige Nachricht: „Nach Abschluss dieser Maßnahme kann die Burg wieder für Besucher kontrolliert geöffnet werden“, kündigt Lahr an. Dann seien Führungen in der Vorburg und auf der Schildmauer wieder gefahrlos möglich. Auch während der Bauabschnitte drei bis fünf, die die Sicherung der gesamten übrigen Anlage vorsehen, könne die Burg bei Führungen besichtigt werden.
Damit es mit den Arbeiten losgehen kann, muss Geld herangeschafft werden. Weil die Beantragung und Bewilligung von Zuschüssen viel Zeit in Anspruch nimmt, will der Verein über einen Spendenaufruf bei Facebook, eine Crowdfunding-Aktion und Sponsorensuche bei Firmen und Stiftungen schneller an Geld kommen. „Denn vor der Auszahlung der Zuschüsse müssen rund 50 Prozent des Restbetrages verfügbar sein“, erklärt Lahr und fügt hinzu: „Verein und Gemeinde sind nicht in der Lage, derartige Beträge auch nur im Ansatz aufzubringen. Die Einnahmen des Vereins sind aufgrund der Sperrung und der Corona-Pandemie auf dem tiefsten Stand der Vereinsgeschichte.“