Hochstadt / München
Rote Rosen für Beckenbauer: Südpfälzer gestaltet Abschied mit
Wer die Münchener Blumenbinderei Bahlmann kennt, dürfte wissen, in welchen Sphären sich das seit 1905 bestehende Haus bewegt. Zu ihren Kunden zählen nach eigenen Angaben Fünf-Sterne-Hotels in München, Luxusgeschäfte in der Maximilianstraße, der Prachtstraße der Stadt, Dax-Konzerne – und der FC Bayern München, der den traditionsreichen Einzelhandel bereits für diverse Anlässe buchte. Insofern wundert es nicht unbedingt, dass bei der Trauerfeier für Franz Beckenbauer am vergangenen Freitag das Organisieren des Blumenarrangements in die Hände des Bahlmann-Teams gelegt wurde – und damit auch in jene von Geschäftsführer Steffen Laible.
Der gebürtige Hochstadter ist vor 20 Jahren bei Bahlmann in München eingestiegen. 25 Angestellte beschäftigt er inzwischen, teilweise auch in seiner Heimatgemeinde. Weil seine Mutter aus Altersgründen etwas kürzer treten wolle, habe er nämlich ein stärkeres Auge auf das Blumenhaus Märdian-Laible. Allein schon deshalb sei er mindestens einmal im Monat in Hochstadt. Der Familienbetrieb, der seit über 50 Jahren im Dorf besteht, wurde kürzlich um ein Bahlmann-Outlet erweitert. Alle Kräfte aus Hochstadt beorderte Laible vergangene Woche aber nach München.
„So ein Ereignis nur einmal im Leben“
Das Team habe unter enormem Zeitdruck gestanden, erzählt Steffen Laible. So gingen die Informationen für die Koordination der Kranzbestellungen erst am Freitagabend raus, Rückmeldungen kamen selbst noch am Donnerstagnachmittag, also am Tag vor der Gedenkfeier. Und alles musste perfekt sein. „Weil klar: Solch ein bedeutsames Ereignis mitzugestalten, das kann man wohl nur einmal im Leben“, sagt Steffen Laible.
Trotz allem habe er nicht mit solch einer großen Resonanz gerechnet, sagt Laible. Mit den über 30 Kränzen auf der Bühne beziehungsweise am Mittelkreis des Spielfeldes in der Allianz Arena habe er durchaus Aufsehen erregt, welche durch die Fernsehübertragung der Gedenkfeier verstärkt wurde. „Schon während der Zeremonie erhielt ich ständig Anrufe von Blumenfachverbänden, die wissen wollten, wie wir die Blumen verarbeitet haben.“ Dieses Interesse für sein Handwerk habe ihn erfreut und geplättet.
Wieso es keinen rot-weißen Kranz gab
Den „Kaiser“ habe er bedauerlicherweise nie persönlich kennengelernt, erzählt Steffen Laible. Denn auch wenn sein Blumenhandel geschäftliche Beziehungen zum FC Bayern habe, bedeute das nicht, dass er bei besonderen Anlässen neben solchen Persönlichkeiten sitze. Doch bekannt ist, dass Beckenbauer Rosen liebte und Rot seine Lieblingsfarbe war. Deshalb wurde der wichtigste Kranz an diesem Nachmittag – jener auf der Bühne, für den ein Metallbauer einen speziellen Ständer geschweißt hatte, um ihn gebührend präsentieren zu können – ganz schlicht mit roten Rosen gehalten. Eine rot-weiße Kombination, passend zu den Vereinsfarben des Gastgebers, war nicht möglich. Ab einem bestimmten Niveau sei das in der Branche aus geschmacklicher Sicht unüblich, verrät der Südpfälzer.
Die fast 30 rund gesteckten Trauerkränze am Mittelkreis wurden nach den Vorlieben der jeweiligen Spender gestaltet, sagt Steffen Laible. Bestellt hatten diese neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz auch Fußball-Vereine aus dem In- und Ausland, darunter etwa der FC Barcelona und der FC Schalke 04. „Alle Vereine hatten natürlich spezielle, auf die Vereinsfarben abgestimmte Wünsche hinsichtlich der Blumenfarbe.“
Woher die Rosen stammen
Hinzu kamen die technischen Herausforderungen: Gewünscht war ein geradezu schwebender Kranz aus roten Rosen, dessen Gewicht sich auf über 130 Kilogramm belief. Auch musste sich das Team in der Nacht vor der Veranstaltung Gedanken über die „richtige Reihenfolge“ der niederzulegenden Kränze machen. „Es musste ,politisch korrekt’ sein, und natürlich war es uns auch ein besonderes Anliegen, die Farb-Choreografie so abzustimmen, dass sich ein würdiges Gesamtbild ergibt.“ Die Rosen-5 in Anlehnung an die einstige Rückennummer auf dem Trikot von Beckenbauer sei teilweise nur mit dem Gabelstapler zu bewegen gewesen.
Bei der Bestellung des Blumenschmucks habe er aufgrund der Nachhaltigkeit darauf Wert gelegt, diese von Gärtnern aus dem Bundesgebiet zu beziehen. Wie viele Rosen nach München transportiert wurden, dürfe er nicht mitteilen. Insofern könne er auch zu den entstandenen Kosten nichts sagen. „Es waren aber Container-Ladungen“, deutet Steffen Laible Steffen die Menge zumindest an.