Edenkoben
Problem Leerstand: Wie die Innenstadt neu belebt werden soll
Der Stadtberg von Edenkoben bildet das Tor zur Innenstadt. Zu einer, der es anscheinend an Attraktivität fehlt. Wer vom Goldenen Eck kommend den Weg herunterläuft, vorbei am Ludwigsplatz in Richtung Tanzstraße oder Werner-Kastner-Platz, wird das rasch feststellen.
Bergstübl, Stuttgarter Versicherung, Eiscafé Mimorza und Co. sind links und rechts an den Immobilien zu lesen, sei es auf den Schaufenstern oder auf Schildern, welche teilweise schon verblassen. Kein Wunder: Die Namen wecken Erwartungen, die nicht mehr erfüllt werden. In den Räumen lassen sich weder Bier noch ein Eis genießen, und eine Versicherung lässt sich auch nicht abschließen. Das war einmal. Es herrscht gähnende Leere, und zwar in solcher Vielzahl, dass sich die politischen Akteure zum Handeln gezwungen sehen. Sie sind auch schon dabei und profitieren dabei von einem Landesprogramm und auch von Fördermitteln.
Kein Edenkobener Phänomen
„Innenstadt-Impulse“ lautet der Titel des moderierten Prozesses, der darauf abzielt, Innenstädte zukunftsfähiger und lebendiger zu machen. Längst bekannt ist, dass der zunehmende Online-Handel seine Spuren hinterlässt. Ungeachtet dessen bezeichnet es Stadtbürgermeister Ludwig Lintz (CDU) als einen fortwährenden Kampf, den lokalen Handel zu stärken beziehungsweise zu erhalten. Immer wieder müssten Gespräche mit Eigentümern der Gebäude geführt werden. Gerade dann, wenn ein Generationenwechsel ansteht oder vollzogen ist und die Nachfolger andere Pläne haben.
Der Leerstand ist kein Edenkobener Phänomen. Vor allem der Stadt Bad Bergzabern wird angesichts der jüngst verstärkt auftretenden Geschäftsschließungen nachgesagt, nicht mehr attraktiv zu sein. Auch in der Landauer Fußgängerzone machen sich Lücken bemerkbar. Wobei Edenkoben schon auf einem guten Weg war, um das Problem zu lösen. 2015 sollte eine Stadtmarketing-Initiative für neuen Schwung sorgen. Aber nun gibt es wieder Handlungsbedarf, was Ludwig Lintz auf verschiedene Gründe zurückführt: Mal gebe es keine interne Nachfolge, mal stellt sich ein Betrieb anders auf. So wird beispielsweise der Biergarten beim König-Ludwig-Keller schmerzlich vermisst, weil sich der Betreiber seit einiger Zeit nur noch auf anlassbezogene Feiern beschränkt. Groß war der Aufschrei Anfang des vergangenen Jahres, als die Post ihre Filiale in der Bahnhofstraße dichtmachte.
Zudem gebe es Eigentümer, die so hohe Mietkosten aufrufen, dass sich das keiner mehr leisten kann. „Da muss es auch ein Entgegenkommen vonseiten der Inhaber geben, damit es weitergehen kann“, betont der Stadtchef. Das erinnert ein wenig an die Idee von Johannes Benken, der einst in Edenkoben wohnte und sich erfolgreich darum kümmerte, dass es nach dem Ende eines Geschäfts durch einen Pächterwechsel einen Neuanfang gab. Damals wurden auch Anreize geschaffen: So wurden Immobilien für eine gewisse Zeit kostenlos Mietern überlassen, die lediglich für die Nebenkosten aufkommen mussten.
Ludwig Lintz fand den Schritt wichtig und sinnvoll, den Wochenmarkt auf den Werner-Kastner-Platz zu verlagern. Das belebe die Innenstadt. Jüngst wurde diskutiert, sie für Fußgänger und Radfahrer durch eine Einschränkung des Durchgangsverkehrs attraktiver zu machen. Eine Elterninitiative möchte ein nicht-kommerzielles Kino auf die Beine stellen, um etwas für die Kultur zu machen. Es ist also Bewegung in der Sache. Weitere Denkanstöße versprechen sich Lintz und der Stadtrat von einem Modellvorhaben des Landes.
Mittel für Eröffnung von Pop-ups
Mehr als 200.000 Euro stehen der Stadt zur Verfügung, die insbesondere in Beratungsleistungen investiert werden. Ein Teil des Geldes sei auch dafür gedacht, Immobilien kurzzeitig anzumieten und mit Leben zu füllen. Neudeutsch wird es Pop-up genannt, wenn sich Unternehmer auf Zeit präsentieren können. Lintz kündigt im Gespräch mit der RHEINPFALZ einen Leerstandskataster an, der dazu dienen soll, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Geht es nach dem Christdemokraten, könnte mehr Gastronomie der Stadt gut zu Gesicht stehen. Manche Bürger wünschen sich eine Kneipe. Jedenfalls bekamen diesen Wunsch die Herren zu hören, die vergangenes Jahr für das Amt des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Edenkoben kandidierten.
Politische Akteure, Planer und Gewerbetreibende haben sich bereits zwecks eines Gesprächs zur Stadtentwicklung getroffen. Der Veranstaltung wohnte auch Helmut Schwehm bei. Für den Sprecher der Grünen-Stadtratsfraktion müssen die Beteiligten jetzt nach dem Reden zum Tun kommen. Er fordert, einen Dialog anzustoßen mit den Eigentümern von leerstehenden Immobilien. Bürger könnten sich mit ihren Ideen in der Zukunftswerkstatt Edenkoben 2035 einbringen, in den Workshops, in denen auch über die Stadtentwicklung ausgetauscht wird.
Hilft ein City-Manager?
Der Leerstand ist aber nun da und wird noch eine Weile die Innenstadt prägen. Helmut Schwehm schwebt deshalb eine Zwischenlösung vor: Passanten sollen ins Gespräch kommen, wenn sie durch die Innenstadt laufen, und sich nicht aus Frust die Augen zuhalten. Beispielsweise könnten die Schaufenster der leerstehenden Immobilien versehen werden mit Fotos von der Stadt und deren Attraktionen, bevor sie, wenn überhaupt, mit Zeitungspapier zugeklebt werden.
In der Stadt haben sich aber trotz dieser widrigen Bedingungen vor nicht allzulanger Zeit junge Gewerbetreibende niedergelassen. Neben einer Käserin hat sich Florian Hahn in der Innenstadt verwirklicht. Der 37-Jährige betreibt einen Weinhandel am Stadtberg und fungiert zudem als Vorsitzender des Werbekreises. Er freut sich, dass ein Prozess zur Belebung der Innenstadt angestoßen wurde. Möglicherweise könne auch ein City-Manager in dieser Situation helfen. Jedenfalls wurde über solch eine Personalie bei der Auftaktveranstaltung gesprochen. Es sei aber auf jeden Fall wichtig, dass alle an einen Strang ziehen und Lösungen entwickeln.
