Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Winterintermezzo im Kreis: Die Schattenseite der weißen Pracht

Rund 100 Einsätze mussten die Feuerwehren im Landkreis wegen der starken Schneefälle absolvieren.
Rund 100 Einsätze mussten die Feuerwehren im Landkreis wegen der starken Schneefälle absolvieren.

Wer am Samstag bei Sonnenschein einen Spaziergang machte, konnte vor allem am Morgen eine herrliche Winterlandschaft genießen. In der Nacht zuvor allerdings hatte Tief Ortrud mit starkem Schneefall für entwurzelte Bäume und gesperrte Straßen gesorgt. Nach Angaben der Polizei wurde aber niemand verletzt.

Dicke Schneeflocken fielen am Freitagabend vom Himmel über dem Kreis. Schnell bildete sich eine dicke Schneedecke auf Straßen, Wegen, Dächern und Feldern. Baumkronen wurden ob des Gewichts des Schnees nach unten gedrückt. Äste, teilweise sogar Stämme hielten nicht stand und brachen. Die starken Schneefälle hielten in der Nacht zum Samstag Polizei und Feuerwehren in Atem. Stefan Reichhart, der stellvertretende Brand- und Katastophenschutzinspekteur des Kreises, berichtete von rund 100 Einsätzen und „einem enormen Pensum an Arbeit“ für die Wehrleute im Kreis.

Wegen umgestürzter Bäume, abgebrochener Äste und der Gefahr von Schneebruch mussten zahlreiche Straßen gesperrt werden. Der Polizei in Kusel zufolge ist auf der Strecke zwischen Welchweiler und Bedesbach wegen der Auswirkungen des Schneefalls bis mindestens Montag, 11. April, kein Durchkommen. Ebenfalls bis Montag gesperrt bleibt der Lauterecker Polizei zufolge die Kreisstraße zwischen Lauterecken und Hohenöllen sowie die K53 in Höhe des Grumbacher Steinbruchs.

Etliche Orte ohne Strom

In anderen Teilen des Kreises währten die Sperrungen glücklicherweise nicht allzu lange: etwa auf den Strecken zwischen Dunzweiler und Schmittweiler, Frohnhofen und St. Wendel, Matzenbach und dem Theisbergstegener Ortsteil Godelhausen, Glanbrücken und Horschbach, Hefersweiler und Niederkirchen, Reckweilerhof und Wolfstein, Glanbrücken und Offenbach-Hundheim, Becherbach und Ginsweiler sowie Hohenöllen und Heinzenhausen. Reichhart berichtet, dass auch die A62 und die Zufahrt zum Autobahnrasthof Waldmohr durch umgestürzte Bäume zeitweise blockiert waren.

Die Lauterecker Polizei berichtete zudem von einem Unfall in der Habsburger Straße in Wolfstein. Verletzt wurde niemand. Im Nordkreis wurde zudem „ein Jugendlicher, der sich zu Fuß entfernt hatte, vermisst und von Polizei und Feuerwehr gesucht“, ergänzt Reichhart nach Rücksprache mit seinem Kollegen Markus Bröhmer. Der Vermisste sei unversehrt gefunden worden.

Warnung der Kreisverwaltung

Die Kreisverwaltung teilte mit, dass wegen umgestürzter Bäume die Draisinenstrecke am Samstag gesperrt wurde. Zudem warnte der Kreis davor, Rad- und Wanderwege zu nutzen, da die Gefahr besteht, „dass Bäume unter der Schneelast zusammenbrechen“.

Die durch die Schneemassen umgestürzten Bäume hatten noch eine weitere Folge: Viele Gemeinden waren mehrere Stunden – teilweise sogar länger – ohne Strom. Im Netz der Pfalzwerke konnten zahlreiche Haushalte der Gemeinden Altenglan, Bedesbach, Frohnhofen, Hüffler, Rammelsbach, Oberstaufenbach und Schellweiler nicht versorgt werden. RHEINPFALZ-Leser berichteten zudem von Stromausfällen in Breitenbach, Haschbach und Wahnwegen. Wie eine Sprecherin der Pfalzwerke mitteilte, konnten bis Sonntag, 10 Uhr, fast alle Haushalte im Kreis wieder ans Netz gebracht werden.

Zuletzt 1981

Dass es im April in der Region schneit, ist nicht ungewöhnlich. Aber: „In dieser Heftigkeit hatten wir Schneefälle im April letztmals im Jahr 1981. Damals fielen in einer Nacht knapp 17 Zentimeter Neuschnee“, sagte RHEINPFALZ-Wetterexperte Michael Agne. An seiner Messstation in Lambsborn habe er am Samstag eine 20 Zentimeter dicke Schneedecke gemessen. Örtlich seien zwischen 40 und 60 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen – das meiste in Form von Schnee. „Normalerweise fallen im April im Schnitt 50 Liter Regen pro Quadratmeter. Das hatten wir jetzt an einem Tag“, betonte Agne.

Kaum Sicht: In den meisten Fällen mussten die Wehrleute Bäume und Äste von den Straßen entfernen.
Kaum Sicht: In den meisten Fällen mussten die Wehrleute Bäume und Äste von den Straßen entfernen.
Die Strecke zwischen Bedesbach und Welchweiler war auch am Sonntag noch gesperrt.
Die Strecke zwischen Bedesbach und Welchweiler war auch am Sonntag noch gesperrt.
Am Straßenrand liegen vielerorts noch abgebrochene und kleingesägte Äste und Bäume.
Am Straßenrand liegen vielerorts noch abgebrochene und kleingesägte Äste und Bäume.
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