Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Vor diesen Problemen steht die Gastronomie im Landkreis

Der wieder erhöhte Mehrwertsteuersatz, gestiegene Kosten für Personal, Energie und Lebensmittel – die Gastronomen im Landkreis s
Der wieder erhöhte Mehrwertsteuersatz, gestiegene Kosten für Personal, Energie und Lebensmittel – die Gastronomen im Landkreis sind um Preiserhöhungen nicht umhin gekommen.

Die ersten Monate des Jahres gelten nicht als umsatzstärkste Zeit in der Gastronomie, doch mancher Gastwirt bemerkt ungewohnte Zurückhaltung bei den Kunden. Allgemeine Konsumzurückhaltung oder Folge der Preiserhöhungen, die aus Sicht der Gastronomen aus mehreren Gründen notwendig waren?

Steigende Preise sind in allen Lebensbereichen zu bemerken. Auch im Restaurant bleiben sie nicht aus, zumal seit Jahresbeginn wieder der reguläre Mehrwertsteuersatz auf Speisen zu zahlen ist. In der Pandemiezeit war zur Entlastung der Gastrobranche der Mehrwertsteuersatz für Speisen vorübergehend von 19 auf sieben Prozent gesenkt worden. Die Regelung wurde wegen der Energiekrise verlängert, endete jedoch zum Jahreswechsel. Neben dem höheren Mehrwertsteuersatz haben Gastronomen mit steigenden Kosten etwa für Energie, Lebensmittel und Personal zu kämpfen.

Oliver Jakob, der in Lauterecken mit seiner Schwester Anja die Leitung des Pfälzer Hofes innehat und zudem die Pizzeria Firenze betreibt, will nicht Klagen. „Die Lage ist nicht dramatisch“, vermeldet er. Vielmehr sei er „von der Resonanz überrascht, denn wenn früher das Bier um zehn Cent aufschlug, wurde das thematisiert“. Heute seien die Gäste sensibilisiert, wüssten um die Gründe für die Preiserhöhungen. In der Gastronomie müsse überlegt kalkuliert werden, die Mehrkosten durch den angehobenen Steuersatz würden an die Gäste weitergegeben – aber nur dort, wo Jakob diesen auch zahlen muss. Vor allem in der Pizzeria werde viel außer Haus bestellt, und da der Mehrwertsteuersatz bei diesen Bestellungen weiterhin bei sieben Prozent liegt, gebe es dort Rabatt. „Das ist dann quasi der gleiche Preis wie zuvor, aber wir haben ja auch keine Mehrausgaben. Die Preise werden dadurch krumm, aber das wird gut angenommen.“

Weitere Preiserhöhung notwendig?

Auch im Restaurant seien die Tische immer gut besetzt, allerdings: „Ob und wie sich der Umsatz entwickelt, ist erst am Jahresende genau festzustellen.“ Zudem will Jakob nicht ausschließen, dass „eventuell Nachregulierungen Mitte des Jahres“ nötig werden. Denn auch die Gastronomen müssen für Rohstoffe, Personal und Co. immer tiefer in die Tasche greifen.

„Momentan noch durchwachsen“ ist hingegen die Lage bei „Daniels am Markt“ in Kusel, wie Inhaber Daniel Böshar nach Ostern berichtete. Das Jahr sei etwas schleppend angelaufen. Generell werde alles teurer, und sein Eindruck ist, dass die Menschen beim Konsum insgesamt zurückhaltend sind. „Wir verkaufen Luxusartikel, da überlegen die Leute schon“, sagt Böshar, der mit seiner Frau Ulrike seit April 2022 das Restaurant leitet. Ob die Zurückhaltung der Kunden mit dem neuen, alten Mehrwertsteuersatz zusammenhänge, könne er nicht klar ausmachen.

Vor allem für Privatpersonen ein Problem

Gestiegen seien auch die Preise von Lieferanten und Partnern, sodass „wir um 20 Prozent hätten erhöhen müssen, aber das wäre zu viel gewesen. Jetzt haben wir die Preise eher defensiv um zehn Prozent angehoben“. Dennoch sei insgesamt weniger los. Auffällig sei auch, dass vermehrt Drei- und Vier-Gang-Menüs bestellt würden, wo früher mehr Gänge geordert worden seien, berichtet Böshar. „Viele Faktoren haben sich gleichzeitig geändert“ – woran es genau liegt, ist daher nicht klar. Deutlich spürbar seien jedoch die Schulferien gewesen. An ihrer früheren Wirkungsstätte am Tegernsee sei gerade dann enorm viel los gewesen, dagegen sei es „in Kusel antizyklisch“ und in den Ferien wenig los.

„Bei Tagungen und Firmenkunden hat sich nichts geändert, aber weh tut es den normalen Bürgern“, berichtet Stefan Klinck vom Waldhotel Felschbachhof in Ulmet. Bei Firmen ist die Mehrwertsteuer quasi ein durchlaufender Posten, aber bei Privatleuten sieht das anders aus. Und da falle es ins Gewicht, wenn eine Konfirmationsfeier, die 1000 Euro netto kostet, nun mit 120 Euro mehr als im Vorjahr zu Buche schlägt, sagt der Dehoga-Kreisvorsitzende. Denn diese Mehrkosten könne der Betrieb nicht tragen und gebe sie weiter. Und aufgrund gestiegener Personal- und Energiekosten hätte er die Preise eigentlich noch mehr erhöhen müssen, betont Klinck.

„Mehrwertsteuersatz war Zuckerbonbon“

Es sei spürbar, dass die Menschen seltener essen gehen. „Stammkunden, die normal ein- bis zweimal wöchentlich kommen, kommen einmal weniger.“ Wenn die Gäste jedoch da sind, würden sie in gewohntem Maße konsumieren. Wichtig sei es, nicht an der Qualität zu sparen. In Ulmet sei es nicht notwendig, Öffnungszeiten zu reduzieren, jedoch weiß Klinck, dass einige Restaurants solche Maßnahmen ergreifen. Zumal beim Thema Personal nicht nur die gestiegenen Kosten ein Problem seien: Erschwerend komme hinzu, dass gutes Personal noch immer rar gesät sei. Insgesamt sei es „keine gute Entwicklung, und viele kleine Betriebe werden leiden“, ist sich Klinck sicher. „Das ist kein Kuseler Problem, sondern geht quer durch die Gastrobranche.“ Er befürchtet, dass der Kreis Betriebe verlieren wird.

„Für die Gäste hat sich kaum etwas geändert“, sagt Janko Balog, der seit Ende 2023 den Waldmohrer Hof führt – und zuvor schon das Restaurant auf Burg Lichtenberg. Im zeitweise verringerten Mehrwertsteuersatz sah er „ein Zuckerbonbon vom Land“. Natürlich hätte er sich gefreut, wenn es bei diesem geblieben wäre, aber auch so müsse man in Waldmohr nicht jammern. Dennoch bemerkt auch Balog momentan eine gewisse Zurückhaltung. „Die Gäste konsumieren weniger.“ Aber er ist zuversichtlich, dass mit lösungsorientiertem Arbeiten und einer gewissen Anpassung der Menschen an die Bedingungen alles gut laufen wird. Auch für die Herausforderung, dass zu wenige Fachleute in der Gastronomie zu finden seien, hat er einen pragmatischen Ansatz: Da müsse man „Leute, die ihr Studium finanzieren, eben gut anlernen“.

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