Frohnhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Projekt Dorfladen gescheitert

Die Regale sind halb leer. Nudeln, Bier und Shampoo ist aber noch zu Genüge zu haben. Am Donnerstag ist das Geschäft von 6 bis 1
Die Regale sind halb leer. Nudeln, Bier und Shampoo ist aber noch zu Genüge zu haben. Am Donnerstag ist das Geschäft von 6 bis 13 Uhr geöffnet.

Fast jeder fand ihn toll, doch er war einfach nicht rentabel: Der Dorfladen von Frohnhofen ist nach nicht einmal drei Jahren schon wieder Geschichte. Am Donnerstag um 13 Uhr wird die Ladentür endgültig abgesperrt. Die Einleger werden ihr Geld wohl nicht wiedersehen.

Nur einmal versagt Christine Nagel die Stimme. Die Geschäftsführerin des Dorfladens nimmt sich über eine Stunde Zeit, um mit der RHEINPFALZ über den Dorfladen zu sprechen. „Es ist ja auch ein ideelles Projekt“, sagt sie – und dann kann sie nicht mehr weitersprechen. Christine Nagel hat viel Zeit, viel Arbeit, viel Liebe in das Projekt gesteckt. Am zweitletzten Tag aber muss sie auch sich eingestehen: Es hat nicht funktioniert. Es besteht keine Aussicht, den Dorfladen in die schwarzen Zahlen zu führen.

Dabei hatte das Vorhaben so hoffnungsvoll begonnen: Ein großes, helles Lebensmittelgeschäft im 560-Einwohner-Dorf Frohnhofen, mit Post, Café, frischen Backwaren, Fleisch und Wurst von der Theke, regionalen Produkten, mit Sonderaktionen wie dem Verkauf frischgekochter Suppe. Großzügig waren die Öffnungszeiten bemessen: Schon ab 5 Uhr konnte man sich auf dem Weg zur Arbeit einen Weck mit warmem Fleischkäse kaufen. Geöffnet war bis abends um 18 Uhr. Sogar sonntags war morgens offen.

Nicht rentabel

Aus und vorbei. Der Dorfladen hat es nie geschafft, in die Nähe der Rentabilität zu kommen. Hinzu kamen erst Corona und zuletzt die Kaufzurückhaltung wegen des Kriegs in der Ukraine und der allgemeinen Teuerung. Da schon vor der Eröffnung klar war, dass aller Anfang schwer ist, hatte die Gemeinde den Dorfladen für die ersten drei Jahre mietfrei gestellt und auch die Kosten für Strom und Wasser übernommen. Heizkosten fielen wegen der modernen Klimaanlage nicht an.

Der Gemeinderat hat zwar noch nicht entschieden, hätte ab dem nächsten Jahr aber wohl Miete verlangen müssen und auch die Stromkosten nicht mehr übernehmen dürfen, weil die Gemeinde nicht in Geld schwimmt. Im Gegenteil: Die Aufsichtsbehörde hätte es, wenn nicht verlangt, dann wohl dringend empfohlen.

Viele Regale schon leer

Auch am vorletzten Tag ist Christine Nagel vom Konzept des Dorfladens überzeugt. Nach ihrer fast dreijährigen Erfahrung ist eine solche Einrichtung in Frohnhofen aber nur als Einmannbetrieb rentabel zu betreiben – mit einer Aushilfskraft in der Stoßzeit. Denn die Personalkosten sind nun mal der Hauptausgabenposten. Einmannbetrieb hieße auch: Verkürzung der Öffnungszeiten, Fleisch, Wurst und Käse nur noch abgepackt und nicht mehr aufgeschnitten – und Café-Betrieb nur noch in einer Art Selbstbedienung. Auch die Post mache sehr viel Arbeit und bringe nichts ein. Setze man bei den Postdienstleistungen Aufwand und Ertrag ins Verhältnis, so ergebe sich eine Stundenvergütung von weniger als ein Euro. Am Donnerstag wird Christine Nagel den Dorfladen ein letztes Mal um 6 Uhr auf- und um 13 Uhr zusperren. Viele Regale sind schon leer, für die meisten verbliebenen Waren wird ein hoher Rabatt gewährt.

Was bleibt, sind die nüchternen Fakten: Das Amtsgericht Zweibrücken hat auf Antrag des Dorfladens am 1. November das Insolvenzverfahren eröffnet und den Rechtsanwalt Jürgen Roth aus Kusel als Insolvenzverwalter eingesetzt. Dieser hat Christine Nagel nahegelegt, das Geschäft baldmöglichst zu schließen. Er wird den verbliebenen zwei Mitarbeiterinnen und zwei Mini-Jobbern kündigen und den restlichen Warenbestand an einen Verwerter verkaufen. Die Eigentümer des Dorfladens – über hundert Personen, die Anteile zu je 250 Euro gekauft hatten – werden auch im dritten Jahr keine Rendite erhalten. Es ist abzusehen, dass sie auch ihre gesamte Einlage verlieren.

Die Gemeinde Frohnhofen hatte im vergangenen Jahrzehnt beschlossen, für den Dorfladen einen Neubau am Bürgerhaus zu errichten. Dieser kostete rund 700.000 Euro. Davon übernahm das Land Rheinland-Pfalz 450.000 Euro. Die Europäische Union bezahlte 55.000 Euro für die Einrichtung des Ladens.

Es ist nun Sache der Gemeinde Frohnhofen zu entscheiden, was mit dem Gebäude passiert. Bürgermeister Thomas Weyrich (SPD) hat seinen Rücktritt erklärt und ist quasi nur noch geschäftsführend im Amt.

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