Idar-Oberstein
Obere Nahe: Eine Kirchenfusion mit Widerständen
Vor dem Hintergrund von Mitgliederschwund, Rückgang der Finanzkraft der Gemeinden und angestrebter Verwaltungsvereinfachung hatte der Kreissynodalvorstand Obere Nahe einen Beschlussvorschlag erarbeitet. Der geheimen Abstimmung gingen in der Synode stundenlange, zum Teil kontrovers geführte Beratungen voraus, in denen das Für und Wider auf den Tisch kam. So fiel die Entscheidung für die Reform knapp aus. 34 Synodale votierten dafür, es gab 20 Gegenstimmen und neun Enthaltungen.
Nun werde es Aufgabe des Kreissynodalvorstandes sein, ein Umsetzungskonzept zu erarbeiten, teilte der Kirchenkreis mit. Ziel der Richtungsentscheidung ist laut Superintendentin Jutta Walber, möglichst rasch aus der „dauernden Beschäftigung mit Fusionen“ herauszukommen.
„Kleinteiligkeit abbauen“
Die anstehende Reform ist Walber zufolge schon lange ein Thema im Kirchenkreis. Es gehe nicht darum, Geld einzusparen, betont Walber. Vielmehr solle die neue Struktur mehr Spielräume gewähren. Denn „die Kleinteiligkeit der Kirchengemeinden hindert uns und kostet viel Verwaltungsaufwand. So bleiben wenig Kapazitäten für seelsorgerliche Arbeit“, argumentiert die Pfarrerin aus Idar-Oberstein.
Anstelle von 33 Presbyterien gebe es dann nur noch fünf, macht Walber deutlich. „Dadurch werden weniger Ehrenamtler gebunden“, die Hälfte der Ehrenamtlichen stehe dann zur freien Verfügung. Dies biete neue Chancen für das kirchliche Leben. Gleichzeitig würden Kosten und Arbeit eingespart, wenn nur noch fünf Haushalte erstellt werden müssten und die Anzahl der Sitzungen deutlich reduziert werde.
Sitz in Düsseldorf
Der Kirchenkreis Obere Nahe gehört zur Evangelischen Kirche im Rheinland, mit rund 2,4 Millionen Mitgliedern in 37 Kirchenkreisen die zweitgrößte Landeskirche innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland mit Sitz in Düsseldorf. Die rheinische Kirche erstreckt sich von Emmerich bis Saarbrücken sowie Aachen bis Altenkirchen und umfasst Teile der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland.
Zum Kirchenkreis Obere Nahe gehören im Kreis Kusel die Gemeinden Offenbach Glan, Niederalben-Niedereisenbach, Medard-Wiesweiler, Grumbach-Herren-Sulzbach sowie die beiden bereits pfarramtlich verbundenen Gemeinden Pfeffelbach und Burg Lichtenberg.
1000 Mitglieder pro Jahr weniger
Der Kirchenkreis hat nach der jüngsten Statistik rund 45.000 Mitglieder. „Wir verlieren jedes Jahr etwa 1000“, sagte Walber. Damit einher geht eine Reduzierung von Pfarrstellen. Künftig solle es nur noch drei Pfarrer pro Großgemeinde geben. Nur im Bereich der weniger Mitglieder zählenden Glan-Gemeinden werde deren Zahl um die Hälfte geringer ausfallen. Hier sollen die Kirchengemeinden der fünf Dörfer Offenbach, Medard-Wiesweiler und Niederalben-Niedereisenbach mit der 12 Dörfer umfassenden Kirchengemeinde Grumbach-Herren-Sulzbach fusionieren. In die Großgemeinde aufgenommen werden sollen ferner Weierbach-Sien sowie auch Schmidthachenbach-Bärenbach und Georg-Weierbach.
Der Offenbacher Pfarrer Johannes Hülser sieht in dem Beschluss „eine Chance, aus Wenigem mehr zu machen“. Nach den bisherigen Plänen soll bis 2030 auch die Gemeinde Pfeffelbach, die bereits jetzt mit der Gemeinde Burg Lichtenberg pfarramtlich verbunden ist, mit Baumholder, Berschweiler, Wolfersweiler und Reichenbach zusammengeschlossen werden. Pfarrer Günter Lötzbeyer will sich auf Nachfrage der RHEINPFALZ nicht zu dem Beschluss äußern.
Verwaltung von Baumholder möglich
Die Vorsitzende des Presbyteriums der Kirchengemeinde Burg Lichtenberg, Elfriede Süssel aus Thallichtenberg, verfolgt die Pläne mit Sorge. Sie habe schon mehrere Fusionen erlebt, schildert Süssel aus ihrem langjährigem Ehrenamt. „Sie bringen nichts und kosten nur Geld“, lautet ihre Erfahrung. Künftig wäre wohl Baumholder für zahlreiche kirchliche Trauungen in der Burgkirche zuständig. Doch zu den Nachbarn gebe es kaum Kontakte. Süssel: „Die Preußischen Berge sind eine Grenze.“ Und mit Wolfersweiler käme eine Gemeinde aus dem Saarland hinzu, wovon „viele gar nicht wissen, wo das liegt“, kritisiert sie.
Kritiker äußerten auf der Synode hauptsächlich die Sorge, die kirchliche Versorgung könnte in den Dörfern nicht mehr sichergestellt sein, ergänzte Walber. „Aber genau das Gegenteil wollen wir doch“, fügte sie hinzu. „Wir wollen die Pfarrer von administrativen Aufgaben entlasten, um die pastorale Versorgung zu sichern.“ Ferner gebe es Bedenken, wonach sich Ehrenamtliche möglicherweise in einem größer gewordenen Umkreis nicht mehr so stark engagieren würden. Zu den Gegenargumenten gehörten auch finanzielle Aspekte. So hätten einige Gemeinden hohe Investitionen herangeführt, die einer Fusion entgegenstehen würden.
Walber plädierte auf der Synode auch für eine Verjüngung im Kirchenkreis. „Junge Pfarrer brauchen stabile Verhältnisse“, argumentierte sie, aus der „Fusionsschleife“ herauszukommen. In den kommenden ein bis zwei Jahren gingen etwa drei Pfarrer in den Ruhestand. „Dann haben wir nur noch eine Pfarrerin, die unter 50 ist sowie eine Vikarin“, machte Walber deutlich.