Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Musikantenland-Preisträgerin Nicole Johänntgen: „Ich freue mich auf das Liedgut“

Nicole Johänntgen will sowohl in das historische Liedgut eintauchen, als auch den Austausch mit Musikvereinen suchen.
Nicole Johänntgen will sowohl in das historische Liedgut eintauchen, als auch den Austausch mit Musikvereinen suchen.

Die aus dem Saarland stammende Saxophonistin und Komponistin Nicole Johänntgen wird die neue Musikantenland-Preisträgerin. Zum 14. Mal wird der Preis verliehen, zum ersten Mal an eine Frau. Die Wahl-Schweizerin gibt erste Einblicke, was von ihr in den nächsten drei Jahren zu erwarten ist.

Sie sei als Musikerin „ja überall unterwegs“, sagt Nicole Johänntgen gleich zu Beginn des Telefonats von Kusel in die Schweiz – und hat so direkt zwei für den Lichtenburg-Preis des Musikantenlandes wichtige Themen berührt: Wie ist ihre Beziehung zur Region? Wird sie oft hier sein können? Und: Was ist ihre Verbindung zum Wandermusikantentum?

Ihre Familie wohne noch immer in Fischbach im Saarland, wo sie aufgewachsen ist, berichtet die Saxophonistin und Komponistin. Alle paar Wochen sei sie dort – und auch viel in Rheinland-Pfalz unterwegs. Die musikalische Laufbahn der 41-Jährigen hat zwar früh begonnen: Mit sechs Jahren fing sie an, klassisches Klavier zu spielen. Doch fand sie erst Jahre später zum Saxophon und zum Jazz. Schließlich studierte sie Jazz und Popularmusik an der Musikhochschule in Mannheim und lebt seit 2005 mit ihrer Familie in der Schweiz, wo sie auch als Coach tätig ist. Derzeit toure sie viel, sowohl als Solistin als auch mit ihren Bands.

Preis als Auszeichnung und Aufgabe

Vieles zu erleben, andere Kulturen kennenzulernen – das haben die Wandermusikanten bereits in ihren Werken verarbeitet und mit nach Hause gebracht. „Ich freue mich darauf, mich in dieses Liedgut reinarbeiten zu können und es in meine Kompositionen einzuarbeiten“, sagt Johänntgen. Nicht wiederholen wolle sie die Musik, sondern in etwas Neues überführen. „Es ist schon von eh und je mein Wunsch und Traum, Musik, die es früher gab, mit meinen Ideen zu vermengen.“

So hat Johänntgen richtig erkannt: Der sogenannte Musikantenland-Preis ist natürlich eine Auszeichnung – mit ihrer bisherigen Laufbahn als Musikerin sowie als Komponistin habe sie sich unter den 14 Vorschlägen hervorgetan und die Jury, den Burgrat, überzeugt, erklärt Kreis-Pressesprecherin Karla Hagner. Doch er beinhaltet auch den Auftrag der Weiterentwicklung der Westpfälzer Musikantentradition. „Ich sehe es als Aufgabe des Preises, aus dem Liedgut etwas zu machen“, sagt Johänntgen.

Austausch mit Vereinen geplant

Den dazugehörenden vierwöchigen Aufenthalt auf Burg Lichtenberg möchte sie in den drei Jahren als Preisträgerin in Etappen aufgeteilt wahrnehmen, um einzutauchen in die Geschichte – am Ausgangspunkt der Reisen der Wandermusikanten. Wie diese wolle sie die Einflüsse auf sich zukommen lassen, beispielsweise Museen besuchen, um zu lernen, wie die Menschen damals gelebt haben. Auch wolle sie in den Austausch mit Vereinen gehen, möglicherweise Workshops anbieten. „Ich habe viele Ideen, die sicherlich schön werden“, verspricht die Saxophonistin, die auch verrät, dass sie viele Techniken gar von Blechbläsern übernommen habe.

Zwar will Johänntgen kein großes Aufhebens darum machen, dass sie nun die erste Frau ist, die diesen Preis erhält. Doch ist die Arbeit für Frauen in der Musik ein Teil ihrer Vita. Sie initiierte 2013 den Music-Business-Workshop „Sofia“, Support Of Female Improvising Artists, Unterstützung weiblicher Improvisationskünstlerinnen, für Jazzmusikerinnen. Seit 2022 leitet sie Jazz-Workshops im Berner Oberland und unterrichtet Jugendliche und Erwachsene. Die Wahl-Schweizerin gründete 2015 den „Kids Jazz Club“, der Kindern einen leichten Einstieg in die Musikwelt ermöglichen soll.

Übergabe des Staffelstabs Ende Mai

Von den vielen Stationen ihrer Laufbahn nennt sie noch die Sisters in Jazz in Amerika (2003), die Mitgliedschaft im European Swinging Jazz Orchestra und bei der International Association of Jazz of Schools. Sie wurde mehrfach als künstlerische Leiterin ausgewählt, um Festivalbands zusammenzustellen, in denen sie auch selbst mitspielte. 25 Alben hat sie produziert und vor einigen Jahren ihr eigenes Lable gegründet, Selmabird Records. Mehrere Auszeichnungen hat sie bekommen, jüngst den Kunstpreis 2022 des Saarlandes.

Ende Mai wird sie dann als Musikantenland-Preisträgerin übernehmen. Der Preis wird zum 14. Mal verliehen. Sie tritt in die Fußstapfen von Kees Vlak, Paul Engel und den Vanecek-Brüdern Roland und Bernhard. Ihr Vorgänger Martin Folz ist 2015 berufen worden und hat mehrere Singveranstaltungen im Kreis veranstaltet. Der Lichtenburg-Preis des Musikantenlandes ist mit 7500 Euro dotiert, gestiftet vom Landkreis Kusel.

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