Kreis Kusel
Marco Forster aus Glan-Münchweiler wird Vize-Europameister beim Ironman
Er bezeichnet es als seinen „persönlich größten Erfolg“, was er da am Sonntag geleistet hat. Beim „Mainova Ironman European Championship“ schwamm, fuhr und lief Marco Forster aus Glan-Münchweiler ganz vorne mit in seiner Altersklasse und wurde am Ende Vize-Europameister.
Der Ironman in Frankfurt geriet zur Hitzeschlacht. Bei Temperaturen von mehr als 35 Grad sorgte der Kreislaufkollaps der bis einen Kilometer vor dem Ziel führenden US-Amerikanerin Sarah True für Schlagzeilen. Ebenso wie der Sieg von Olympiasieger Jan Frodeno. Aber auch ein Athlet aus dem Kreis Kusel schrieb sein eigenes, wichtiges Kapitel: Marco Forster, der für das Tritonic-Team St. Wendel an den Start gegangen war.
Mehr als 25 Grad warm war das Wasser im Langener Waldsee südlich von Frankfurt. 3,8 Kilometer musste Forster darin zurücklegen. Die Neoprenanzüge, die viele Triathleten als hilfreich erachten, waren im warmen Wasser verboten. „Mir kam das gerade recht, da ich sowieso lieber ohne schwimme“, sagte Forster später. Das Schwimmen ist seine schwächste der drei Triathlon-Disziplinen, als 38. stieg der Glan-Münchweilerer aus dem Wasser.
Tempo etwas herausgenommen
Dann folgte die Paradedisziplin des 40-Jährigen: Bei angenehmen Temperaturen um die 20 Grad attackierte Forster auf seinem Rennrad von Anfang an und legte auf den ersten 100 Kilometern einen Schnitt von knapp 40 Stundenkilometern hin. Über die gesperrte B 44 führte die Strecke direkt in die Frankfurter City, von dort ging es zweimal über Nidderau, Friedberg und Bad Vilbel zurück nach Frankfurt. Auf diesen beiden Schlussrunden stiegen die Temperaturen über die 30-Grad-Marke – „ich habe das Tempo etwas herausgenommen, um beim Laufen frisch zu sein“, erläuterte Forster. Für die 185 Kilometer lange Radstrecke mit 1500 Höhenmetern benötigte er am Ende etwas mehr als fünf Stunden.
In der City fast alle überholt
Vier Runden durch die Frankfurter City galt es dann noch zu Fuß zu bewältigen – eine komplette Marathondistanz. Das Thermometer zeigte mittlerweile Temperaturen von fast 40 Grad an. Forster lief verhalten an und versuchte, bei einem Tempo von 4:40 bis 4:45 Minuten pro Kilometer seinen Rhythmus zu finden. „Das ist mir auch sehr gut gelungen, da ich an jeder Verpflegungsstationen anhielt, um mich mit Wasser, Eis und Schwämmen zu erfrischen“, berichtete er nach dem Rennen. Er habe „gute Beine“ gehabt, und so konnte er sein Tempo bis zum Ende des Marathons durchlaufen. Bis er nach 3:27 Stunden Laufzeit – und einer Gesamtzeit von 9:46 Stunden – im Ziel auf dem Römer einlief, hatte er fast alle noch vor ihm liegenden Athleten seiner Altersklasse 40-44 überholt. Lediglich der Däne Jesper Madsen blieb vor Forster, der sich nun als Vize-Europameister bezeichnen darf.
„Enormes Trainingspensum“
Vor diesem Erfolg, der gleichbedeutend ist mit der Qualifikation für die Ironman-Weltmeisterschaft im Oktober auf Hawaii, lag „ein enormes Trainingspensum“, wie Forster berichtete. Bereits im November hatte der Rechtsanwalt mit strukturiertem Training begonnen. Um dies neben Job und Familie hinzubekommen, trainierte er auch am Wochenende, oft bereits ab 5 Uhr am Morgen auf seinem Indoorbike oder draußen mit Stirnlampe beim Lauftraining. Hinzu kamen regelmäßiges Schwimmen in Ramstein sowie Kraft- und Athletiktraining.
Anfangs noch bis zu 14 Stunden, steigerte sich das von Forsters Trainer Dominik Schammne ausgearbeitete Training bis kurz vor dem Ironman bis auf 20 Stunden pro Woche. Das bedeutete an manchen Tagen: ab kurz vor 5 Uhr anderthalb Stunden Radfahren, in der Mittagspause schnell drei Kilometer Schwimmen und am Abend 15 Kilometer laufen. „Wichtig waren vor allem die Trainingspartner vom TuS Glan-Münchweiler und insbesondere André Bour, der ein häufiger Trainingspartner war“, berichtet Forster.
Im Oktober Ironman auf Hawaii
Der 40-Jährige begeistert sich schon seit 16 Jahren für Triathlon, hat sich jedoch in jüngerer Vergangenheit aus zeitlichen Gründen ganz auf Radrennen konzentriert. In den vergangenen Jahren war er bei der Tour de Kärnten, der Marmotte, mehrmals beim Trois de Ballon, bei Ötztaler, Highlander und Alsacienne dabei. Bei einigen der Radmarathons über bis zu 250 Kilometer kann Forster Podiumsplätze vorweisen. „Das Geheimnis meines Erfolges ist die Unterstützung durch meine Familie, ohne sie wäre es nicht möglich gewesen, alles unter einen Hut zu bringen“, sagte er.
Die nächste große Herausforderung wartet am 12. Oktober auf Marco Forster. Dann wird er auf Hawaii bei Temperaturen von mehr als 40 Grad bei der Ironman-Weltmeisterschaft starten. Einen ersten Geschmack darauf habe es ja schon in Frankfurt gegeben, sagte Forster.