Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Julian Schöfer, der TuS Gries und die Vorstandssuche

Hart am Mann: Defensivspezialist Julian Schöfer (links), hier noch im Trikot des TuS Schönenberg. Das Foto eines Duells mit Edga
Hart am Mann: Defensivspezialist Julian Schöfer (links), hier noch im Trikot des TuS Schönenberg. Das Foto eines Duells mit Edgar Matevosjan (SV Altenkirchen) entstand in einem Derby Ende September 2016.

Von Berufs wegen trägt er dafür Sorge, dass nach den Starts in Ensheim die Flugzeuge nicht gleich vom Himmel fallen. Abgehoben aber ist Julian Schöfer nie – nicht sein Naturell. Deshalb sträubt er sich auch, die Führungsrolle beim TuS Gries zu übernehmen. Der Klub sucht seit Monaten einen Vorsitzenden. Der 34-Jährige mischt zwar mit – aber lieber im Hintergrund.

Er hat schon an so einigen Rädchen zu drehen, schraubt in der Regel dienstlich an großen Maschinen. Als Fluggerät-Mechaniker trägt der auf dem Saarland-Airport bei Ensheim beschäftigte Westpfälzer eine gehörige Portion Verantwortung. Wenn nun Julian Schöfer auch keiner ist, der sich selbst lobt: Auf die Frage nach Stärken räumt er schon ein: „Ich glaub’, ich kann schon sagen, dass ich sehr, sehr zuverlässig bin.“

Zuverlässig ist der 34-Jährige auch in seiner Freizeit, von der er erhebliche Teile in „seinen“ Verein investiert. Es ist nicht sein Heimatklub, dem sich Schöfer verschrieben hat. Das ist bis heute der TuS Schönenberg. Dort hat Schöfer von Kindesbeinen an gekickt – bis er seine Karriere vor dreieinhalb Jahren für beendet erklärte. Zu früh, wie sich noch zeigen sollte.

TuS Gries sucht händeringend Vorsitzenden

Schöfer ist Wahl-Grieser. Die Liebe hat ihn nach jenseits des Ohmbachsees geführt. Seit 15 Jahren schon ist er dort heimisch. Da war es eine Frage der Zeit, bis er sich auch dem Turn- und Sportverein anschloss. Kaum da, hatten die Vereinskameraden auch bereits den Wert des „Zugezogenen“ erkannt – und ihn prompt in die Vereinsführung gewählt.

Seit vier Jahren fungiert Schöfer nun als Zweiter Vorsitzender. Auf dem Papier zwar auf Position zwei, in der Praxis aber immer neben Harald Rensch. Beide haben eins gemeinsam. Sie sind „Schaffer“ vor dem Herrn. Wenn anzupacken ist, hat noch keiner der beiden gefehlt. Nur: Rensch hat nun genug. Schon ewig im Verein und nach vielen Jahren an der Spitze, will er sich verabschieden. Problem dabei: Weit und breit ist kein Nachfolger in Sicht.

Für Schöfer dürfte es auch „nur“ der Job als Platzwart sein

Fände sich jemand, der das Amt übernehmen würde, er (oder sie) hätte sicher leichtes Spiel. Denn Rensch hat viel zu viel Herzblut für seinen TuS in den Adern fließen, als dass er der schönen Klubanlage in der Grieser Sportplatzstraße 1 auch nur für einige Tage den Rücken kehren könnte. Und Schöfer? Der wird auch weiterhin wie gewohnt zu finden sein, wenn Arbeit ruft. Eigentlich wäre er prädestiniert für den Vorsitz. Doch da ist einfach nichts zu machen. Als Nummer eins bei festlichen Anlässen ans Mikro treten, repräsentieren – „das ist nicht so meins“, sagt Schöfer lachend. „Das sollen lieber andere machen.“

Dass er im Vorstand bleibt – „ja, sicher – wenn mich die Mitglieder auch wählen“ – hat er bereits versichert. „Mir ist das eigentlich egal, was ich da bin. Mir reicht’s auch, wenn ich mich um den Platz kümmern soll. Oder es findet sich was anderes, was ich erledigen kann“, ist sich der stellvertretende Vereinschef für keine Arbeit zu schade. Aber „nur“ Platzwart, das wäre denn doch ein bisschen wenig. Finden alle, außer Schöfer selbst.

Infoabende sollen helfen

Ende November hatte der Turn- und Sportverein 1921 Gries – der im vergangenen Jahr hundert Jahre alt geworden ist – zur Generalversammlung geladen. Corona hat die Jubiläumsfeier im Oktober schrumpfen lassen. Dafür soll’s in diesem Sommer ein größeres Sportfest geben. Dass sich ausgerechnet zum Ende des Jubiläumsjahres noch eine Führungskrise aufgetan hat, war irgendwie abzusehen. Jedenfalls war die Überraschung nicht allzu groß, dass die Mitglieder nach der Generalversammlung im November nicht eben glücklich nach Hause gingen. Vorab schon war nach Kandidaten gefahndet worden – ergebnislos.

Jetzt ein neuer Anlauf. Bei einem Infoabend habe es unterstützende Zusagen gegeben – aber eben nicht genug. Deshalb wird der TuS nun zweimal an Montagabenden eigens das Sportheim öffnen. Am 21. und 28. März sitzen Rensch und Schöfer jeweils von 18 bis 20 Uhr dort bereit, um das Gespräch zu suchen.

In der C-Klasse wieder begonnen

Die Tendenz gehe wohl dahin, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verlagern, teilte die Vereinsführung mit. Womöglich sei eine Satzungsänderung vonnöten, „aber das kriegen wir hin“, ist Rensch überzeugt. Sollte sich ein Modell mit mehreren Vorstandsmitgliedern und jeweils eigenen Verantwortungsbereichen finden, wäre auch Julian Schöfer wieder ein Kandidat.

Auch ihm liegt der Verein schwer am Herzen. Davon zeugt auch, dass er die Stollenschuhe wieder vom Nagel geholt hat. 2015 hatte er einen Kreuzbandriss erlitten. Kaum geheilt, rissen die Bänder erneut. „Es war mir dann 2018 zu viel“, blickt er zurück. Doch seit Sommer kickt Schöfer wieder – wie gewohnt als Außen- oder auch Innenverteidiger. Stärke? Schnelligkeit. So wie beim Schaffen. Für die C-Klasse reicht es mit 34 noch allemal.

Julian Schöfer heute
Julian Schöfer heute
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