Lauterecken-Wolfstein RHEINPFALZ Plus Artikel Forstzweckverband: Letzte Entscheidungen in den Orten vorm Fristende

Die Waldbewirtschaftung ist nicht erst ein immer wieder umstrittenes Thema, seit es Überlegungen zur Gründung eines Forstzweckve
Die Waldbewirtschaftung ist nicht erst ein immer wieder umstrittenes Thema, seit es Überlegungen zur Gründung eines Forstzweckverbands gibt.

Über den Forstzweckverband wird in den Orten der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein seit vier Jahren diskutiert. In diesem Jahr soll er in trockene Tücher gepackt werden, doch kurz vor Fristende gibt es noch einige Änderungen. Da sagt ab, wer schon zugesagt hatte, und andernorts kommt das Thema trotz früherer Ablehnung wieder auf die Tagesordnung.

Bald kann er wohl an den Start gehen, der zweite Forstzweckverband im Kreis. Vorbild ist der noch junge Verband im Südkreis, der Forst will mit den Gemeinden im Nordkreis nachziehen. Durch gemeinsames Bewirtschaften soll Personal und Maschineneinsatz gespart werden. Im Prozess, der in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein mit Absichtserklärungen im Jahr 2019 seinen Lauf nahm, gab es Unstimmigkeiten, Verzögerungen, Unsicherheiten.

Ein Beginn war schon für Anfang des Jahres anvisiert worden, nun ist der 31. Mai als letzte Frist gesetzt, informiert die Verbandsgemeindeverwaltung auf Anfrage. Anfang März habe der Revierleiter des Forstzweckverbands Modenbach in der Südpfalz in der Ortsbürgermeisterdienstbesprechung von seiner Arbeit berichtet. Zweifel sollten ausgeräumt werden. Doch diese bestehen offenbar immer noch in einigen Gemeinden.

Neue Beratungen in Herren-Sulzbach

Wer nun mitmachen wird, dazu hat es in den vergangenen Wochen nochmals Veränderungen gegeben. Der aktuelle Stand: 25 der ursprünglich 34 in Frage kommenden Gemeinden sagen Ja – die anderen der 41 im Nordkreis haben entweder keinen Wald oder diesen an eine Privatfirma verpachtet. Möglicherweise steigt Herren-Sulzbach noch ein. Zwar hat der Rat 2019 einstimmig abgewunken, doch soll am 31. Mai erneut beraten werden. Damals habe es einfach zu wenige Informationen gegeben, sagt Ortsbürgermeister Michael Theobaldt.

Gleich zu Anfang den Beitritt abgelehnt hatten auch vier weitere Gemeinden aus dieser nordwestlichsten Ecke des Kreises: Buborn, Hoppstätten, Kirrweiler und Langweiler. Der Homberger Rat votierte im November dagegen. Einzig Hausweiler hat der Teilnahme zugestimmt.

Jüngst hat der Ortsgemeinderat Unterjeckenbach im dritten Anlauf entschieden, dass die kleine Gemeinde mit dem vielen Wald nicht mitmacht. Die Gründe seien vielfältig, erklärt Ortsbürgermeister Timo Theis auf Anfrage. Zum einen wolle man nicht wie eine Insel zwischen den nicht teilnehmenden Nachbarn liegen. Zum anderen sei da der Wunsch, weiterzumachen wie bisher. „Wir fahren mit dem Wald gut, sind leicht im Plus.“

Doch dagegen: Lohnweiler und Hohenöllen

Zwei Gemeinden haben ihren im vergangenen Jahr beschlossenen Beitritt widerrufen. Die Abstimmung in Lohnweiler fiel mit vier zu drei Stimmen denkbar knapp aus. „Hinters Licht geführt“ und vom Forstamt „unter falschen Voraussetzungen zum Beitritt gedrängt“ fühlten sich die Gegner einer Mitgliedschaft im Verband. Es sei etwa angeführt worden, der Gemeindewald werde dann aus personellen Gründen nicht beförstert werden können. Forstamtsleiterin Gabi Kleinhempel betont auf RHEINPFALZ-Anfrage: Wenn eine Gemeinde eine staatliche Beförsterung wolle, „können wir das gar nicht verwehren“.

Im Lohnweilerer Rat wurden außerdem die von Forst und Verbandsgemeinde genannten Synergieeffekte angezweifelt. Mit den angehobenen Beförsterungskosten müsse hingegen mehr statt weniger Geld gezahlt werden. Kleinhempel: Die Beförsterungskosten seien vielmehr gesenkt worden, 2022 sei der Personalkostenanteil der Gemeinden von 70 auf 60 Prozent verringert worden. Auch im Forstzweckverband würden die Personalkosten revierscharf ermittelt: Abgerechnet wird nach Hektarsatz, der für kleinere Reviere wohl höher ausfalle als in einem größeren, stabilen Verband. Jürgen Kreischer argumentierte im Rat, eine größere statt der bisher kleinteiligen Struktur entlaste die Forstbehörde, der Förster könne sich mit weniger Papierarbeit mehr auf seine eigentlichen Aufgaben im Wald konzentrieren.

Verlust von Klima-Förderung?

Weiter wurde in Lohnweiler befürchtet, dass man als Mitglied des Forstzweckverbandes keinen Einfluss mehr auf die Hiebsätze habe. Dem entgegnete Ortsbürgermeister Thomas Knecht: Der Forst müsse sich bei der Hiebzahl an gesetzliche Vorgaben halten, egal ob der Wald im Verband oder eigenständig bewirtschaftet werde.

Auch Hohenöllen hat seine Zustimmung aus dem vergangenen Sommer zurückgenommen. Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Reule erklärt auf Anfrage: Es werde favorisiert, alles beim Alten zu lassen, damit die jährliche Fördersumme aus dem Programm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ der Gemeinde zufließe statt in den Zweckverband. Damit habe die Gemeinde die Chance, mit dem Wald bessere Abschlüsse als in der Vergangenheit zu erzielen.

Neuregelung wegen Förderprogramm

Kleinhempel erläutert: Zwar sollten zuerst alle Reviere zu einem Betrieb werden, wie im Südkreis. Durch das nun eingeführte Förderprogramm seien die Voraussetzungen jedoch verändert, denn die Maximalsumme von 100 Euro pro Hektar gibt es nur bis 500 Revier-Hektar. Der Verband soll mehr als 1000 Hektar umfassen, da gibt es nur 55 Euro. Bemessungsgrundlage ist der Bescheid zur Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau. Also sei in die Verbandsordnung eingearbeitet worden, dass jede Gemeinde individuelles Mitglied bleibe, die Bescheide einzeln ausgewiesen werden.

Wenn die genaue Teilnehmerzahl bekannt ist, werde der Verteilerschlüssel neu berechnet. Mit einer Gründungsversammlung rechnet die Forstamtsleiterin im Sommer. Beitritte seien jederzeit möglich, dafür sei wie für Austritte eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Mitglieder vorgesehen. Nach zehn Jahren solle erneut draufgeschaut und entschieden werden, ob weiter im Verband gearbeitet werden soll.

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