Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Digitalpakt schleppt sich dahin

Familien, die sich keinen Laptop für ihre Kinder leisten können, sollen sich für den Schulunterricht ein Gerät ausleihen können.
Familien, die sich keinen Laptop für ihre Kinder leisten können, sollen sich für den Schulunterricht ein Gerät ausleihen können. Dafür erhalten die Schulen mehr Geräte.

335.000 Euro haben der Landkreis und die Verbandsgemeinden erhalten, um Laptops und I-Pads für ihre Schulen anzuschaffen. Es geht um Online-Unterricht allgemein und um zusätzliche Leihgeräte für Familien, die nicht viel Geld haben. Doch die Auslieferung zieht sich hin.

„Hüllen sind da“, sagt Stefan Weber, Schulleiter des Veldenz-Gymnasiums in Lauterecken lachend. „Mehr haben wir noch nicht. Es hieß: ,Nach den Herbstferien habt Ihr sie’, aber wir warten und warten.“ Konkret auf 20 I-Pads. Die Auskunft spiegelt den Stand am vergangenen Freitag, wie alle anderen Abfragen auch. Die Antworten zeigen, dass das Lauterecker Gymnasium, übrigens eine „Digitale Schule“, nicht allein da steht. „Die Geräte kommen nach und nach“, heißt es beim Landkreis, „noch nichts da“ bei der Verbandsgemeindeverwaltung Kusel-Altenglan und „nur Hüllen“ im Oberen Glantal. Die Verbandsgemeindeverwaltung Lauterecken-Wolfstein teilt auf Anfrage mit: „Die Schule im Tauchental in Wolfstein hat sie schon.“

Zwei Zusatzpakete

Es ist nicht immer ganz klar, von welchen Geräten und welchem Bestelldatum die Rede ist. Denn es gibt zwei Zusatzpakete zum Digitalpakt Schulen: Aus dem ersten Paket stammen die rund 335.000 Euro (184.000 für den Landkreis, 47.000 fürs Obere Glantal als Schulträger, 26.000 für Lauterecken-Wolfstein, 78.000 Euro für Kusel-Altenglan). Allein der Landkreis hat von dem Geld unter anderem 234 Laptops und 105 I-Pads nach Absprache mit den Schulen bestellt. Geklärt wurde etwa, was zu den bestehenden Systemen passt.

Hinzu kam ein zweites Zusatzpaket, das die Anschaffung von mobilen Endgeräten für sozial schwache Schülerinnen und Schüler noch einmal gesondert fördert. Die Schulen in Trägerschaft des Kreises erhalten daraus beispielsweise weitere 59 Laptops und 31 I-Pads. Für deren Beschaffung zeichnet allein das Land verantwortlich.

Verzögerung war erwartbar

Festgemacht wurde der Bedarf an der Zahl der Kinder und Jugendlichen, die an der kostenlosen Schulbuchausleihe teilnehmen. Alle Geräte können in den Schulen ausgeliehen werden. Weil landesweit alle Schulträger innerhalb kurzer Zeit bestellt haben, waren von Anfang an Lieferschwierigkeiten erwartet worden.

Bedarf jedenfalls sei da, sagen die Schulen. „Wir haben Ende Oktober 45 Laptops zum Verleih erhalten, so dass Schüler ohne Endgerät im Falle einer Schulschließung am Online-Unterricht teilnehmen können. Momentan sind einige der Geräte ausgegeben“, berichtet Marco Schneider, stellvertretender Schulleiter des Siebenpfeiffer-Gymnasiums in Kusel. „Dass wir die neuen Laptops im Fall der Fälle dringend benötigen, hat sich im Frühjahr gezeigt, als viel mehr Geräte für den Online-Unterricht angefragt wurden, als wir damals an der Schule zur Verfügung hatten.“

Untereinander aushelfen

„Ich habe die Sorge, dass es eine Schamgrenze gibt, dass Eltern sagen: ,Ok, die Schulbücher können wir noch zahlen’, dass das Geld aber nicht für mehr reicht“, erläutert der Lauterecker Schulleiter Weber. Denkbar sei auch, dass es zwar Laptops in den Familien gibt, diese aber übergangsweise nicht reichen, wenn Home-Office der Eltern und Home-Schooling der Kinder zusammen kommen.

So könnte ein Angebot von Michael Riefer, Schulleiter an der BBS, gerade recht kommen. Er sagt: „Ich denke, wir können auf dem kurzen Dienstweg untereinander Geräte ausleihen.“ 95 Endgeräte sind aus dem Sofortprogramm eingetroffen, insgesamt verfüge die Schule aktuell über etwa 200 Leih-Laptops, auch ältere Geräte. Der Hintergrund: Die BBS sei Mitglied im Verein „Das macht Schule“, über den sie beispielsweise von einem Gericht in Ludwigshafen rund 80 ausgemusterte Geräte erhalten habe.

Programme reichen nicht

Alle Probleme der Digitalisierung in den Schulen (Riefer: „Wir müssen unsere Schüler ja fit machen für die Arbeitswelt 4.0“) könnte das Sofortprogramm allerdings auch dann nicht lösen, wenn es nicht stocken würde. Da ist zum einen die allgemein schlechte Internetversorgung. Beispiel BBS: Weitgehend in Eigenleistung haben die Fachlehrer und -kräfte gegen Materialkostenerstattung ihr Haus selbst vernetzt. „Aber die Leitungsqualität ist mangelhaft – wir entzerren schon die Eintragungen ins digitale Klassenbuch, weil das sonst in die Knie geht“, erzählt Schulleiter Riefer. Am Freitagnachmittag nun war ein Vor-Ort-Termin zur konkreten Anbindung des Schulgebäudes an die Datenautobahn. „Nur heißt das noch nicht, das das auch schon in den Dörfern so ist, wo unsere Schüler wohnen.“

Stefan Weber spricht noch einen anderen Punkt an: „Wir müssen uns die Digitalisierung hausintern quasi selbst erarbeiten. Das ist eine große Zusatzbelastung.“ Das Siebenpfeiffer-Gymnasium hat beispielsweise eine vierköpfige Digitalabteilung eingerichtet. Schneider: „Wir sind tatsächlich auf eine größere Abteilung angewiesen, ein Lehrer allein kann das bei einer Schule unserer Größe nicht mehr stemmen.“

Auch der Digitalpakt stockt

Bleibt der eigentliche Digitalpakt Schulen, aufgelegt, bevor an die Pandemie überhaupt zu denken war. Über 1,68 Millionen Euro fließen allein in die kreiseigenen Schulen. Diese waren aufgefordert, ein pädagogisches Medienkonzept zu erarbeiten und einzureichen sowie darzulegen, welche digitale Infrastruktur sie zur Umsetzung brauchen.

Seither sei Funkstille, berichtet Marco Schneider: „Die Ausstattung unserer Schule aus dem eigentlichen Digitalpakt lässt leider weiter auf sich warten. Die benötigten Unterlagen wie zum Beispiel ein umfangreiches schulisches Medienkonzept haben wir auf den Tag genau vor einem Jahr, am 19. November 2019, eingereicht.“ Die Kreisverwaltung binde die Schulen zwar vorbildlich bei der konkreten Ausgestaltung ein. „Zum Beispiel wurde unser größter Wunsch nach einer Grundausstattung jedes Klassenraums mit einem modernen Beamer samt Laptop in den Antrag aufgenommen“, erzählt Schneider. „Insgesamt ist es jedoch erschreckend mit ansehen zu müssen, wie langsam dieser ganze Antrags- und Umsetzungsprozess vorangeht.“

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