Ramstein-Miesenbach
Zu Besuch in der neuen Atemschutzwerkstatt der Freiwilligen Feuerwehr
„Schwarz bedeutet schmutzig und weiß bedeutet rein“, erklärt Franz-Josef Preis, Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Ramstein-Miesenbach, die Raumaufteilung. Der Schwarzbereich kann vom Außengelände der Feuerwache betreten werden. Das rußverschmutzte, kontaminierte Material muss somit nicht durch die Wache getragen werden, sondern kommt dort gleich auf einen der großen Edelstahltische. Dort baut Julian Kassel, hauptamtlicher Gerätewart bei der Ramstein-Miesenbacher Wehr, die Ausrüstungsteile auseinander und setzt sie in einen Spülkorb. Dazu kommen noch der Lungenautomat und der Pressluftatmer, der den Helfern das Atmen aus den Atemluftflaschen ermöglicht.
Damit die Gerätewarte Rußpartikel oder giftige Gase, die von dem Material ausgehen, nicht einatmen müssen, passiert das Ganze unter einem großen Abzug. „So wie man es von der Dunstabzugshaube aus der Küche kennt, nur größer“, erklärt Preis. Dann geht es in die große Spülmaschine, wo die Masken für maximal zwölf Minuten auf 65 Grad erhitzt und mit einem speziellen Reinigungs- und Desinfektionsmittel wieder sauber gemacht werden. „Das ist eine riesen Erleichterung und vor allem auch Zeitersparnis für uns. Früher mussten wir die Masken per Hand in einem Spülbecken mit Bürste und Lappen reinigen. Eine Abzugshaube gab es nicht“, schildert Kassel, der diese Aufgabe mit zwei weiteren ehrenamtlichen Gerätewarten stemmt.
185.000 Euro investiert
Für rund 185.000 Euro ist die Atemschutzwerkstatt im vergangenen Jahr erweitert und modernisiert worden und hat neue Geräte bekommen. Dabei habe allein die Spülmaschine rund 15.000 Euro gekostet, sagt Wehrleiter Preis. Schwarz- und Weißbereich bekamen getrennte Räume. „Früher war es schon sehr beengt. Jetzt können wir hier zu dritt gut arbeiten und mehrere Arbeitsschritte parallel ausführen“, erklärt Kassel die Vorteile. Im November war der Umbau fertig. Die offizielle Einweihung soll erfolgen, wenn es die Pandemielage wieder zulässt.
Mit ihrer neuen Einrichtung kooperiert die Wehr mit ihren Kollegen der benachbarten Verbandsgemeinde: Die Bruchmühlbach-Miesauer Wehrleute lassen ihre Atemschutzgeräte in Ramstein-Miesenbach reinigen. Im Gegenzug bringen die Ramstein-Miesenbacher ihre Feuerwehrschläuche zum Saubermachen zur Bruchmühlbach-Miesauer Wehr.
Drei Stunden Trockenschrank
Doch zurück zu den Atemmasken: Im Schwarzraum kommt der Spülkorb mit der Ausrüstung nach der Reinigung für rund drei Stunden bei 60 Grad in einen Trockenschrank. Bei ihrem Einsatz im Feuer müssten die Masken rund 500 bis 700 Grad Celsius aushalten, zieht Wehrleiter Preis einen Vergleich. Ist die Ausrüstung gereinigt und getrocknet, gelangt sie vom Schwarzraum in den daneben liegenden Weißraum, wo sie geprüft und verpackt wird.
Ist die Maske dicht? Funktioniert das Ausatemventil? Stimmt der Luftwiderstand? Dies wird an der rund 35.000 Euro teuren Prüfstation getestet. Dazu stülpt Kassel die Maske auf eine Art schwarzen Puppenkopf. „Der Prüfstand simuliert die menschliche Lunge und atmet den Lungenautomaten durch“, erklärt Kassel. Seit 2000 erfolge die Prüfung computergestützt, früher habe man das alles per Hand machen müssen, sagt der 36-Jährige. Auch wenn der Computer einen Großteil der Arbeit abnimmt, sei es immer noch der Mensch, der letztlich die Verantwortung trage. „Ich muss mir die Werte, die der Computer misst, ansehen“, so der Gerätewart. Jede Maske habe eine Nummer und werde gescannt, nachdem sie in den Weißraum gelangt ist. Sämtliche Prüfdaten der Masken werden mit Hilfe eines Verwaltungsprogramms über Jahre hinweg dokumentiert, so lange die Maske im Einsatz ist.
Masken mit integrierter Brille
Nach der Prüfung wird die Ausrüstung wieder zusammengebaut, in Plastiktüten eingeschweißt und in die Schränke geräumt. Somit ist sie für die nächsten Einsätze wieder bereit. Auch personalisierte Masken gebe es. Zum Beispiel für die Brillenträger, informiert der Gerätewart und zeigt ein Teil mit einer integrierten Sehhilfe. „Die Wehrleute müssen ja schließlich gut sehen können, zum Beispiel wenn Nummern von Gefahrgutfässern abzulesen sind.“ Kontaktlinsen zu tragen, sei ungeeignet: „Weil man unter der Maske sehr schwitzt und die Linsen dann leicht verrutschen können.“
Im Weißraum werden auch die Atemluftflaschen wieder aufgefüllt. Diese enthielten nicht, wie oft von Laien vermutet, reinen Sauerstoff, sondern normale Umgebungsluft. Diese werde in der Atemschutzwerkstatt mit 300 Bar komprimiert und in die Flaschen gedrückt. „Damit hat ein Helfer eine Einsatzzeit von rund einer halben Stunde“, so Kassel.
Zahlen und Fakten
In der Atemschutzwerkstatt der Freiwilligen Feuerwehr Ramstein-Miesenbach werden nicht nur die 120 Masken der eigenen Wehrleute gereinigt. Dazu kommen noch 70 Masken der Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Bruchmühlbach-Miesau. Daneben wird in Ramstein auch noch die Atemschutzausrüstung der Katastrophenschutzeinheit des Landkreises gesäubert und geprüft: 48 Pressluftatmer und 100 Masken. Die Aufgabe der Gerätewarte besteht darüber hinaus darin, sämtliche Ausrüstungsteile halbjährlich zu überprüfen.