Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Spendensammlung für afghanische Flüchtlinge

Ralf Hechler (blaues T-Shirt) legt Hand an und dirigiert die freiwilligen Helfer beim Packen der gespendeten Hilfsgüter.
Ralf Hechler (blaues T-Shirt) legt Hand an und dirigiert die freiwilligen Helfer beim Packen der gespendeten Hilfsgüter.

Über 7500 Menschen, darunter ein Drittel Kinder, die aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgeflogen wurden, sind auf der Air Base Ramstein vorübergehend untergebracht. Am Dienstag erreichte kurzfristig ein Hilfegesuch des Organisationszentrums der Air Base mit einer Liste dringend benötigter Bedarfsartikel den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach, Ralf Hechler. Umgehend begann eine Spendenaktion.

In kürzester Zeit organisierte der Bürgermeister auf dem kleinen Dienstweg einen Spendenaufruf für Spielzeug, Hygieneartikel, Wolldecken, Schuhe, Badesandalen und Bekleidung. Von 12 bis 16 Uhr wurden am Mittwoch auf dem Parkplatz am Freizeitbad Azur Spenden entgegengenommen. „Hier sofort zu helfen, war natürlich Ehrensache für mich und die Ramsteiner Bevölkerung. Seit Jahren verbindet mich ein Vertrauensverhältnis mit dem Brigade General Joshua M. Olson, dem Commander der 86th Airlift Wing, der immer ein offenes Ohr für Probleme hatte und bereit ist, zu helfen“, so Hechler.

Zusammen mit Sandra Schröder und ihren Helfern vom DRK Ortsverein Ramstein, der Arbeiterwohlfahrt Bruchmühlbach sowie mehreren Helfern und Helferinnen aus der Verbandsgemeinde war punkt 12 Uhr ein durchorganisiertes Annahmezentrum auf dem Azurparkplatz entstanden. Zwei Container der Feuerwehr, die Julian Kassel mit einem Spezialfahrzeug von der Feuerwache Ramstein hergebracht hatte, warteten darauf, gefüllt zu werden.

Mit praktischen Sachen helfen

Kurz vor 12 Uhr war bereits eine größere Kleiderspende von einem Weilerbacher Modegeschäft eingegangen. Aus Wolfstein war der siebenjährige Carlos mit seiner Mutter Jessica Gomes angereist. Stolz präsentierte er Bälle und Springseile, die er am Morgen von seinem Taschengeld gekauft hatte. „Er wollte unbedingt etwas für die armen Kinder kaufen, als er im Radio von der Spendenaktion gehört hatte. Also fuhren wir nach Ramstein“, sagt die Mutter. Sie selbst hatte Schuhe und Kinderkleidung mitgebracht. Aus Kaiserslautern kam Familie Müller mit Tochter Maya. „Wenn man selbst Kinder hat, denen es eigentlich sehr gut geht, muss man einfach helfen. Den Familien, die, um mit ihren Kindern in Freiheit zu leben, alles zurücklassen, gilt mein Mitgefühl“, so der Vater.

Auf Paletten, die ein Ramsteiner Baustoffhändler zur Verfügung stellte, stapelten sich schnell die Spenden – nach Zweck und Verwendungsmöglichkeit getrennt. Ein Gabelstapler stand bereit, um die Paletten zu verladen.

Eine Frau aus Glan-Münchweiler hatte nach einem Facebookaufruf in einem Drogeriemarkt spontan das Regal mit Zahnbürsten und Zahnpasta fast leergekauft und sich auf den Weg nach Ramstein gemacht. „Es ist schlimm, alles zu verlieren. Ich möchte mit praktischen Sachen und mit Kinderkleidung helfen.“ So die Spenderin. Kurt Weinkauf (83) hatte Männerkleidung und Unterwäsche im Gepäck. „Ich habe noch die Kriegsjahre und die harte Zeit danach miterlebt und weiß, was es bedeutet, alles zu verlieren“, bemerkt der Ramsteiner nachdenklich. Kleidung, Puppen und Kinderspielzeug brachte Dorothea Schwarz aus Steinwenden.

20 Paletten mit Hilfsgütern

Ralf Hechler, in kurzer Sporthose und luftigem Sommerhemd, strahlte vor Freude, dirigierte und bedankte sich bei jedem Spender persönlich. Als um 17 Uhr ein Sattelschlepper der US Air Force auf den Parkplatz einbog, standen 20 Paletten in Folie verschweißt zum Abtransport bereit. Hechler wusch sich den Schweiß von der Stirn. „Viele Hände, schnelles Ende, so läuft’s in Ramstein“, meinte er mit verschmitztem Lächeln.

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