Mehlingen
Hohe Brandgefahr in der Mehlinger Heide
Ein im Wind sanft wogendes Meer aus violetten Blüten, dazwischen knorrige Kiefern, die der Landschaft in ihrem dunklen Grün Struktur verleihen: Wenn im August die Heide blüht, bietet sie dem Betrachter einen geradezu magisch-mystischen Anblick. Zwar ist das Naturschutzgebiet mit seiner Artenvielfalt immer einen Besuch wert, doch derzeit dominiert statt lila die Farbe braun: Die meisten Blüten sind verdorrt, die Stängel der Büsche hart und trocken. Ausgewaschene, aber staubtrockene Wege schlängeln sich durchs Gelände. Unbarmherzig brennt die Sonne auf das weitläufige Areal des früheren Truppenübungsplatzes, das kaum Schatten bietet. Trotzdem sind an diesem heißen Nachmittag zahlreiche Besucher unterwegs. So mancher sucht Schutz vor den sengenden Strahlen unter den Kiefern und den wenigen Laubbäumen, die die Pfade säumen. Auch die Bäume bieten ein trauriges Bild: Das Laub ist von der Sonne verbrannt. Und die abgebrochenen Kiefernäste und -kronen, die als Folgen des Schneebruchs vom April in den Baumgruppen an den Wegen liegen, sind völlig vertrocknet. Hier genügt ein Funke und ein Flächenbrand droht.
Zufahrt für große Feuerwehrfahrzeuge problematisch
„Die Gefahr, dass ein Brand ausbricht, ist auch in der Heide sehr groß“, bestätigt auf RHEINPFALZ-Anfrage die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn, Silke Brunck (SPD), den Eindruck. Und laut Thorsten Grützner, dem Sprecher der für die Mehlinger Heide zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), liegt „der Gefahrenindex für Graslandbrände mit 4 noch eine Stufe höher als der Index für die Waldbrandgefahr“.
„Die anhaltende Trockenheit ist sehr beängstigend und stellt uns alle vor große Herausforderungen“, sagt Silke Brunck. Vor der stünde wohl auch die Feuerwehr, wenn sie mit einem großen Brand in der Mehlinger Heide konfrontiert würde. Wie Wehrleiter Torsten Erlenbach bereits im Juli im RHEINPFALZ-Gespräch berichtete, haben die Brandbekämpfer Probleme, mit großen Fahrzeugen in die Heide zu fahren. Das liege aber nicht – wie bei den Kutschen – an ausgewaschenen, sondern an zugewachsenen Wegen. Vor allem die Kiefern ragten in die Wege und machten ein Durchkommen stellenweise unmöglich. Den Brand, den die Wehr Anfang Juli löschen musste, habe sie daher nur mit kleinem Fahrzeug ansteuern können. Damals hatte ein illegales Grillfeuer einen Schwelbrand im Bodenbewuchs verursacht, den eine Spaziergängerin morgens entdeckt hatte. Da sie gleich die Feuerwehr alarmierte, konnte Schlimmeres verhindert werden. „Mit einem Wasserfass der Gemeinde, das sonst zur Bewässerung eingesetzt werde, und einer Kübelspritze wurde gelöscht“, hatte der Wehrleiter damals berichtet.
Wege nur teilweise freigeschnitten
Dass die Wege freigeschnitten werden, wünscht sich auch Mehlingens Ortsbürgermeisterin Monika Rettig vom Bundesforst, der für das Areal zuständig ist. „Das sollte schnellstmöglich geschehen, damit die Feuerwehr reinkommt“, sagt sie.
„Ein Wegefreischnitt ist in Teilbereichen erfolgt“, gibt BImA-Sprecher Grützner auf RHEINPFALZ-Anfrage Auskunft zum Stand der Dinge. Er betont zugleich, dass die Mehlinger Heide als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist und „Wegebaumaßnahmen daher nicht ohne weiteres möglich und unter anderem eng mit der Naturschutzbehörde abzustimmen sind“. „Alle weiteren Maßnahmen, vor allem im engeren Bereich um die Heidefläche, müssen im Zusammenhang mit dem Waldbrandschutzkonzept abgestimmt werden. Dies bedeutet, dass dann beispielsweise nur die Wege freigeschnitten und in Stand gesetzt werden, die für die Umsetzung des Konzeptes benötigt werden. “
Für Notfälle gerüstet
Das Waldbrandschutzkonzept wird derzeit von der Feuerwehr in Zusammenarbeit mit dem Forst und dem Bundesforst erstellt. „Ein erster Entwurf dazu liegt bereits zur internen Abstimmung vor und soll zeitnah mit den zuständigen Behörden und Ämtern abgestimmt werden“, so BImA-Sprecher Grützner weiter.
Er appelliert angesichts der Dürre an die Besucher, sich besonders vorsichtig in der Mehlinger Heide zu verhalten. „Dazu gehört, die ausgeschilderten Wege nicht zu verlassen, kein Feuer zu entzünden, nicht zu rauchen und Autos nur auf befestigten, dafür vorgesehenen Parkplätzen abzustellen.“
Dass die VG und der Kreis für Notfälle gerüstet sind, betonen auf Anfrage sowohl Silke Brunck als auch die Kreisverwaltung: „Unsere Freiwillige Feuerwehr verfügt über geländegängige Fahrzeuge zum Befahren der Heide und über einen Alarm- und Einsatzplan für Wald- und Vegetationsbrand“, sagt die Bürgermeisterin. Und der Landkreis unterstreicht, dass er „mehrere Spezialfahrzeuge zur Waldbrandbekämpfung an verschiedenen Standorten“ vorhalte. „Diese können von den jeweiligen Verbandsgemeinden auch angefordert werden, wenn das eigene Gerät nicht mehr ausreichend ist.“