Otterberg RHEINPFALZ Plus Artikel Eichenprachtkäfer: Aus dem Tierchen wird ein bedrohlicher Käfer

Prüfen die Gesundheit der Eichen im Forstamt Otterberg: Forstamtsleiter Tobias Stubenazy (links) zusammen mit Förster und Privat
Prüfen die Gesundheit der Eichen im Forstamt Otterberg: Forstamtsleiter Tobias Stubenazy (links) zusammen mit Förster und Privatwaldbetreuer Marcus Siebert sowie einem Teil der mehr als 20 Privatwaldbesitzer, die bei der Exkursion im Otterberger Wald (Nähe Weinbrunnerhof) dabei waren.

Der heimische Eichenprachtkäfer lehrt die Eiche das Fürchten. In Teilen Deutschlands ist bereits von „Enteichung“ die Rede. Was ist dran und wie sieht es bei uns aus?

Der jüngste Waldzustandsbericht legt es gnadenlos offen: Jede zweite Eiche in Rheinland-Pfalz ist krank, ist dort zu lesen. Nun leidet also auch die gute alte Eiche – und zwar gewaltig. Eichen gehören zu uns, waren schon immer da, sind der Inbegriff von Robustheit, sind ein wesentlicher Teil unserer Wälder und ja, die Eiche war mit Blick auf den Klimawandel ein knorriger Hoffnungsschimmer, sollte all der Hitze und Trockenheit trotzen.

Der Zweipunkt-Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus) bringt die Eichen in Bedrängnis. Er ist in zugegeben hübscher Käfer, der sich aber unter die Eichenrinde frisst und die Wasserversorgung durchbricht. Damit kann er den dicksten Baum zum Absterben bringen. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt mit Sitz in Göttingen spricht von teils dramatischen Ausmaßen durch den Prachtkäferbefall vor allem in Eichen-Regionen im mittleren und südlichen Hessen sowie im südlichen Sachsen-Anhalt, wo mittlerweile häufig ganze Bestände in allen Altersklassen befallen sind. Laut der Versuchsanstalt gibt es bereits erste Beispiele starker „Enteichung“.

„Dramatische Waldbilder“

Der wärmeliebende Käfer mag genauso die Pfälzer Eiche, wütet schon länger unter anderem im milden Saarpfalz-Kreis und fühlt sich mittlerweile in der gesamten Nord- und Westpfalz – noch ohne mediterrane Klimatönung – richtig wohl. Tobias Stubenazy, Forstamtsleiter Otterberg und bis Ende 2023 Waldschutzreferent des Landes Rheinland-Pfalz, weiß: Die Problematik bei der Eiche geht allein schon durch den ökologischen Stellenwert enorm tief. Es handelt sich um einen heimischen Baum, quasi den Baum aller Bäume.

„Nun zeigen sich in Teilen dramatische Waldbilder“, sagt Stubenazy. Panik sei aber in keinem Fall ein guter Ratgeber. Immerhin handelt es sich um einen heimischen Käfer. Der Eichenprachtkäfer ist so ursprünglich wie die Eiche selbst, war bislang nichts anderes als ein kleines Käferchen, das die Eiche nicht in Gefahr bringen konnte – mal vereinzelt, mehr aber nicht.

Aus der Balance geraten

In den zurückliegenden Trockenjahren waren die Eichen allerdings massiv Trockenstress ausgesetzt, haben Vitalität eingebüßt. Der Prachtkäfer fand, bedingt durch warme Sommer bei gleichzeitig wenig Niederschlag und milden Wintern, beste Bedingungen für einen nicht unerheblichen Anstieg der Käferpopulation. „Die Abwehrbereitschaft der Eiche und der schädigende Effekt des Prachtkäfers sind aus der Balance geraten“, bringt es Stubenazy auf den Punkt.

Was also tun? Laut dem Forstamtsleiter ist der Austausch von Erfahrung, Wissen und sachlicher Information auf allen Ebenen wichtig. So war er gerade mit Mitgliedern des Otterberger Waldbauvereins im Wald auf Exkursion, hat an einem 150-jährigen Eichenbestand erläutert, worauf zu achten ist: Etwa auf Spechteinschläge, auf stark vergilbte Blätter, auf Kronen, die kurz nach dem Austrieb im Juni schütteres, rasch welkendes Laub zeigen, das im August schon rötlich wird.

Monitoring und aktive Waldschutzmaßnahmen

Gezielte Sanitärhiebe und eine Abfuhr vor dem Frühjahrs-Ausflug der Käfer sind laut dem Experten notwendig, um den Wald zu schützen. Die zügige Abfuhr dient auch dem Schutz des Holzes vor weiteren Schädlingen, den Holzbrütern. Der Kernkäfer ist so ein Kollege, der nur auf seine Chance lauert. Bohrt er den Splintholzbereich an, war’s das mit Eichenfass oder Eichenmöbel.

„Der Eichenwald muss zukünftig engmaschig kontrolliert werden“, verweist Stubenazy auf sehr gute Erfahrungen etwa aus dem seit zehn Jahren laufenden Monitoring bei den Kranzeichen im Stadtwald von Kaiserslautern. „Die Eiche wird bei uns immer eine Rolle spielen. Sie verjüngt sich, es ist ein toller Baum, der auch eine Zukunft hat“, will der Forstamtsleiter die Zukunft nicht schwarzmalen, sagt aber, die Eichen müssen ganz aktiv begleitet werden. Durch Monitoring und durch aktive Waldschutzmaßnahmen könne und müsse der Befallsdruck und das Schadausmaß durch den Käfer gemindert werden.

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