Ramstein-Miesenbach
Blasmusikformation „Riesling-Böhmische “ unterhält im Congress Center Ramstein
Die Rebsorte Riesling, verrät das Deutsche Weinlexikon, ist beliebt wegen ihrer Beständigkeit und Vitalität. Sie besitzt eine gute Widerstandsfähigkeit gegen Winterfrost, ist von starkem Wuchs und ihre Reife ist kräftig. Gestandene Reife besitzen, das kann man mit Fug und Recht behaupten, auch die drei Mitglieder der Staatsphilharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern, Margreth Nußdorfer, Bariton, Michael Gärtner, Tenorhorn, und Uwe Zaiser, Flügelhorn.
Ausgereifte Musiker sind auch der Rheinhesse Matthias Fittig an der Tuba und Joachim Braun am Flügelhorn, letzterer die musikalische Seele der „Riesling-Böhmische“. Für Marc Kienle, Trompeter am Pfalztheater, war an diesem Abend Markus Privat, erster Trompeter beim Polizeiorchester Wiesbaden und von 1994 bis 1998 Trompeter bei den „Egerländer-Musikanten“ von Ernst Mosch, eingesprungen. Am Schlagzeug schließlich Geza Huba, Pauker und Schlagzeuger beim Pfalztheater-Orchester, dessen „Bumms“ an der Bass-Drum angeblich wie ein linker Haken von Mike Tyson klinge. Diese Formation versprach also mindestens so viel Qualität wie ein ganzes Fass Riesling. Ob aber das Zusammenspiel dieser jungen Gruppe auch so nahtlos gelingen würde?
Rassig, lebendig, frisch-elegant
Dass die Riesling-Böhmische, zünftig in knielanger Lederhose und blauer Winzer-Joppe beziehungsweise feschem Dirndl gekleidet, so rassig, lebendig und frisch-elegant musizieren wie der Riesling mundet, spürte der Hörer schon beim ersten Titel, dem „Biberacher Schützenmarsch“. Die sechs Musiker spielten zünftig im Vier-Viertel-Takt drauf los, ihr Spiel war dynamisch geschickt abgestuft und von Anfang transparent. Optimal war der Sound, original nach altem Rezept frisch aufpoliert, jedoch ohne die böhmischen Knödel. Den typisch weichen Charakter Ernst Moschs offenbarten Stücke wie die „Fuchsgraben Polka“, „Für Theresa“ oder „Böhmischer Traum“. Zart wie Butter spielten da die Hörner und die Trompeten und breiteten eine Wärme aus, die die Herzen der Zuhörer öffnete. Markus Privat zeigte dabei, dass er vor allem die hohen Register seines Instruments liebt. Seine lupenreinen High-Note-Töne ließen ebenso staunen wie die sanften, ja hauchzarten, balladesken Linien.
Homogenes Zusammenspiel, kunstvolle Verästelungen
Dem wollten die übrigen Musiker nicht nachstehen. Das homogene Zusammenspiel, die kunstvollen Verästelungen wie in „Vogelwiese“ oder „Gruß an Böhmen“, die extrem hohen Töne und schneidenden Riffs der Trompeter, die lavaähnliche, virtuose Power des Tubisten Matthias Fitting wie in „Für meine Liebste“, – das veranlasste das Publikum immer wieder zu Szenenapplaus. Kontraste verwandelten sich da in Parallelen, Schatten wurde Licht, Intellekt verbrüderte sich mit Emotion. Dazwischen, nie dominierend, perfekt in ein wie geschmiert laufendes Räderwerk eingepasst, Geza Hubas Spiel am Schlagzeug.
Michael Gärtner, der seine bayrischen Wurzeln nicht verbergen konnte, erwies sich nicht nur als virtuoser Hornist und Moderator mit trockenem Humor, sondern auch als gestandener Sänger. Dass er sich bei dem Gstanzl-Lied „Drunten auf der grünen Au“ mit seinem zungenakrobatischen Gesang nicht die Zunge verknotete, war schon ein Kunststück für sich.