Landstuhl
Bereitschaftspraxis vor dem Aus: „Notdienst wird zum Notfall“
Sieben Bereitschaftspraxen im Land sollen zum neuen Jahr schließen, in der Pfalz sind davon Landstuhl und Frankenthal betroffen. Hintergrund ist ein Urteil des Bundessozialgerichts, bei dem es um die Sozialversicherung von Poolärzten geht, also von den Medizinern, die freiwillig zusätzlich beim Bereitschaftsdienst tätig sind und oft nicht bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) versichert sind. Das sei nicht rechtens, heißt es im Urteil. Laut KV führt das aber dazu, dass die Personalkosten für den Betrieb der Bereitschaftspraxen in die Höhe schießen und sich der Verwaltungsaufwand vergrößert. Die Folge: Es kommt zu Schließungen. Zudem werden in den verbleibenden Anlaufstellen ab Januar die Öffnungszeiten eingeschränkt. Nachtdienste soll es nicht mehr geben.
„Entwicklung lange falsch bewertet“
Vor Ort trifft das Ganze nicht unbedingt auf Verständnis. „Ich bin von der Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung genauso überrascht worden wie viele andere auch“, meint Landstuhls Stadtbürgermeister Ralf Hersina. Gerade die Nähe der Bereitschaftsdienstzentrale zum Nardini-Klinikum sei von vielen Menschen aus Landstuhl und Umgebung als sehr positiv empfunden worden. „Die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, mit denen ich bisher über dieses Thema sprechen konnte, waren sehr enttäuscht ob dieser Entscheidung.“ Hersina glaubt, dass die KV die Entwicklung lange falsch bewertet hat und eine frühzeitige Reaktion versäumt wurde. Das Urteil werde nun zum Anlass für diesen tiefgreifenden Schritt genommen. Dass zusätzlich zu den angekündigten Schließungen auch noch die nächtlichen Bereitschaftszeiten wegfallen sollen, verschiebt seiner Meinung nach nur den Druck auf die Ambulanzen und Notaufnahmen der Kliniken. Der Stadtbürgermeister: „Ich bin der festen Überzeugung, dass sich durch diese Einschnitte die medizinische Versorgung – gerade auch bei uns im ländlichen Raum – verschlechtert, selbst wenn in Landstuhl durch das Nardini-Klinikum manches wieder aufgefangen werden kann. Aber bestimmt nicht alles.“
„Das ist ein schwerer Schlag für die ambulante Versorgung in der Region“, findet auch der Steinwendener CDU-Landtagsabgeordnete Marcus Klein. Die Probleme der KV seien zwar nachvollziehbar, doch werde der Notdienst in der Region so selbst zum Notfall – mit Folgen für die Patienten, die weiter fahren und sicherlich länger warten müssten. Da in den noch vorhandenen Bereitschaftspraxen kein Nachtdienst mehr stattfinden soll, befürchtet Klein, dass viele Patienten auf die Notaufnahme der Krankenhäuser ausweichen, zum Beispiel in Landstuhl. .„Das ist ein Bärendienst für die ohnehin schon angespannte Lage in den Krankenhäusern.“ Der Landtagsabgeordnete sieht nun den Bund darin gefordert, die gesetzliche Regelung anzupassen: „Sonst droht noch weiteren Bereitschaftspraxen das Aus.“
„Notaufnahme ist keine ärztliche Bereitschaftspraxis“
„Die Behandlung von akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen obliegt weiterhin der Kassenärztlichen Vereinigung und ist somit nicht Bestandteil des Versorgungsauftrages des Nardini-Klinikums als Verbundkrankenhaus der Schwerpunktversorgung“, betont dagegen Krankenhaus-Sprecher Thomas Frank. Die KV müsse die Versorgung der Patienten sicherstellen in den Zeiten, in denen die Arztpraxen geschlossen seien. Das Klinikum habe vorab nicht gewusst, dass die Bereitschaftsdienstpraxis in seinem unmittelbaren Umfeld geschlossen werden soll, fügt Frank hinzu. Wie geht es mit den Räumen dort weiter? Dazu könne noch nichts gesagt werden, da diese noch an die KV vermietet seien und „wir bezüglich des Mietvertrages noch keine Info haben“. Ähnlich äußert sich das Lauterer Westpfalz-Klinikum, das die Schließung in Landstuhl allerdings nicht weiter bewerten will: „Unsere Notaufnahme ist keine ärztliche Bereitschaftspraxis“, teilt Sprecher Ralph Arnold mit. Patienten, die nicht lebensbedrohlich erkrankt oder verletzt seien, aber auch nicht in der Lage seien, den nächsten Werktag abzuwarten, „können entweder den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Kaiserslautern aufsuchen oder sich auf die übrigen Bereitschaftspraxen der Region verteilen“.