Kreis Kaiserslautern
Bürgermeister zu Car-Sharing: Interessant, aber ...
Car-Sharing ist deutlich günstiger und einfacher, als einen Mietwagen zu leihen. Über eine App kann das Auto immer dann gemietet werden, wenn man es braucht – auch an Wochenenden. Björn Bernhard, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Zweibrücken-Land, hatte die Idee, dieses Prinzip, das es vor allem in Städten gibt, in seiner VG anzubieten. Kooperationspartner ist ein Unternehmen aus Bayern, das sich auf den ländlichen Raum spezialisiert hat und die Fahrzeuge zur Verfügung stellt. Das Angebot ist für die VG kostenlos, allerdings hilft sie der Firma dabei, Werbepartner zu finden, die auf den Autos werben möchten. Denn zum Teil werden die Fahrzeuge über Werbung finanziert, ähnlich wie Bürgerbusse. Die RHEINPFALZ hat die Bürgermeister der sechs VGs im Landkreis Kaiserslautern gefragt, ob sie das Car-Sharing-Projekt aus dem Nachbarkreis kennen, ob sie sich so etwas auch für ihre VG vorstellen können und wie sie bereits jetzt alternative Formen der Mobilität in ihrer VG fördern.
Konkurrenz zum Bürgerbus?
Erik Emich, Bürgermeister der VG Bruchmühlbach-Miesau, berichtet, dass ihm immer wieder Firmen über Werbung finanzierte Projekte wie Autos oder Anhänger vorschlagen. „Leider finden sich aber in unserem Bereich wenig Werbepartner, so dass eine wirtschaftliche Finanzierung nicht zustande kommt“, bedauert Emich. Er wolle sich aber bei seinem Kollegen in der Südwestpfalz, mit dem er in regem Austausch stehe, nach dem Projekt erkundigen. „Ansonsten haben wir zumindest in der Tallage von Bruchmühlbach-Miesau ein gutes Radwegenetz, das zunehmend auch von E-Scooter-Fahrern genutzt wird. Auch verfügen wir über einen Mitfahrerparkplatz an der A6 und zahlreiche gemeindliche Parkplätze am Bahnhof“, führt Emich aus, wie in seiner VG alternative Formen der Mobilität gefördert werden.
Bekanntschaft mit dem bayerischen Unternehmen, das in der VG Zweibrücken-Land tätig wird, hat Harald Westrich, der Bürgermeister der VG Otterbach-Otterberg, bereits im Frühjahr gemacht und sich damals das Projekt vorstellen lassen. Westrich findet die Idee, die er sich grundsätzlich auch für seine VG vorstellen könne, sehr gut, da man dadurch möglicherweise ein zusätzliches Mobilitätsangebot aufs Land bringen könne. Allerdings befürchtet er, dass das Projekt in Konkurrenz zum Bürgerbus treten könnte, dessen Einsatz sich seit vielen Jahren bewährt habe und der ebenfalls über Werbeverträge finanziert wird. Westrich: „Ich habe Bedenken, dass wir unsere örtlichen kleinen Firmen in der derzeitigen Energiesituation überfordern. Eine direkte Finanzierung durch die VG mit zirka 700 Euro monatlich ist als freiwillige Leistung nicht einfach. Wenn wir dieses Thema angehen, dann müsste es ein Elektrobus mit einem Hochdach für ältere Menschen sein. Ein solches Fahrzeug war bisher noch nicht lieferbar.“
Keine Kernaufgabe der Verbandsgemeinde
Auch Ralf Hechler, Bürgermeister der VG Ramstein-Miesenbach, stört sich am meisten an der „begleitenden Akquise“ für Werbekunden. Das Thema alternative Formen der Mobilität spiele in der Verwaltung in Ramstein-Miesenbach seit geraumer Zeit im Zusammenhang mit der Entwicklung eines Klimaschutzkonzeptes für die VG und eines energetischen Quartierskonzepts für Ramstein eine sehr große Rolle. Erst kürzlich hatte man zu einem Fachvortrag über das Thema ins Congress-Center eingeladen. Hechler führt aus, dass im Großteil der VG eine sehr gute ÖPNV-Taktung bestehe. Die beiden Bürgerbusse seien bereits mit E-Fahrzeugen unterwegs und in deren Standortgemeinden Steinwenden sowie Hütschenhausen wurden öffentliche Ladesäulen installiert. Hechler: „Ob wir beim Car-Sharing einsteigen, lasse ich an dieser Stelle mal offen. Die Initiative von Björn Bernhard in ZW-Land werde ich aber mit hoher Aufmerksamkeit verfolgen.“
Peter Degenhardt, der Bürgermeister der VG Landstuhl, sieht aufgrund der großen Entfernungen in seiner VG die Idee, die er als „interessanten Vorschlag“ bezeichnet, eher skeptisch. „Diese Fahrzeuge müssten ja irgendwo stationiert werden, ob man dann alle Wünsche im gesamten Gebiet unserer Verbandsgemeinde abdecken kann, erscheint mir schwierig“, so Degenhardt. Zur Förderung alternativer Formen der Mobilität durch die VG meint der Verwaltungschef: „Es gehört meines Erachtens nicht zu den Kernaufgaben der ja auf Umlagebasis finanzierten Verbandsgemeinden, im Bereich Mobilität tätig zu werden. Der Landkreis Kaiserslautern als Träger des ÖPNV bietet meines Erachtens nach aber gerade mit den Ruftaxen im ländlichen Raum bereits eine interessante und attraktive Ergänzung zum Busverkehr an. Außerdem sind ja doch einige Orte unserer Verbandsgemeinde inklusive des Verwaltungssitzes Landstuhl über die Bahnstrecke und die S-Bahn in spezieller Weise attraktiv an den ÖPNV angebunden.“
Verweis auf Ruftaxi
Die Car-Sharing-Initiative ihres Kollegen in der Südwestpfalz hält Silke Brunck, die Bürgermeisterin der VG Enkenbach-Alsenborn, für eine sehr interessante Idee. Ob und wie sich so ein Projekt auch in Enkenbach-Alsenborn realisieren lasse, „müsste geprüft werden“, führt Brunck aus, ohne konkreter zu werden. Derzeit werde an der Planung für einen Bürgerbus gearbeitet, berichtet sie und verweist zudem auf die von der Kreisverwaltung initiierten Ruftaxen.
„Solche Angebote existieren bislang ja eher in städtischen Bereichen, ich denke aber auch: Gerade die Kommunen mit Stadtnähe haben hier ein Potenzial. Ich bin seit geraumer Zeit mit Investoren im Gespräch, die ähnliche Projekte anbieten wollen – unter anderem als zusätzliches Angebot beim Bau von Wohnungen für ältere Mieter oder auch Alleinerziehende, die bei Bedarf durch Car-Sharing auf ein Fahrzeug zugreifen können. Daher könnte ich mir solche Angebote sehr gut vorstellen und unterstützte gerne auch solche Bemühungen“, erläutert Ralf Schwarm, der Bürgermeister der VG Weilerbach. Er selbst hatte bereits Kontakt mit dem Car-Sharing-Unternehmen aus Bayern. Es habe seine Idee in einer E-Mail vorgestellt, ein Gespräch sei bislang noch nicht erfolgt.