Schaidt / Steinfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Wasgau-Markt schließt seine Tore

Am 1. Juli wird voraussichtlich der letzte Verkaufstag im Wasgau-Markt sein.
Am 1. Juli wird voraussichtlich der letzte Verkaufstag im Wasgau-Markt sein.

Das Gerücht hält sich schon länger, nun ist es offiziell: Wasgau gibt seinen Markt am Ortsrand von Schaidt auf. Wirtschaftliche Faktoren nennt das Unternehmen als Grund. Was passiert nun mit den Mitarbeitern? Und was mit dem Gebäude?

Am Donnerstagnachmittag wurden die Beschäftigten in einer kurzfristig anberaumten Mitarbeiterversammlung von der Geschäftsführung über die Schließung des Wasgau-Frischmarktes zum 31. Juli informiert. Letzter Verkaufstag ist voraussichtlich der 1. Juli, wie die RHEINPFALZ auf Nachfrage erfuhr. Der Wasgau-Markt liegt zwar auf der Gemarkung der Gemeinde Steinfeld, allerdings sind es hauptsächlich die Schaidter, die dort einkaufen. Oder auch nicht.

Die Entscheidung, den Markt zu schließen, sei nach einer intensiven Prüfung und Abwägung aller Faktoren getroffen worden, teilt die Wasgau Produktions & Handels AG mit Sitz in Pirmasens. Dabei liege der Hauptgrund zur Aufgabe insbesondere in der nicht mehr gegebenen Wirtschaftlichkeit des Standorts, dessen Weiterbetrieb zudem unverhältnismäßig hohe Investitionen beispielsweise in zukunftsfähige Technik und Kühlung erfordern würde. „Darüber hinaus bietet der Markt keine Möglichkeit, die Sortimente nach modernen Branchenmaßstäben ansprechend zu präsentieren“, begründet der Handelskonzern, der aktuell 71 Märkte in der West- und Südpfalz betreibt.

Markt wurde 2015 modernisiert

Im November 2011 hat die Wasgau AG den Frischemarkt Seither im Steinfelder Ortsteil Bahnhof Schaidt übernommen. Das Gebäude der Holstein Roth GbR Schaidt. Im Jahr 2015 wurde der Markt modernisiert. Wasgau hat damals einen mittleren sechsstelligen Betrag ausgegeben. „Und auch wir haben damals einen sechsstelligen Betrag investiert“, sagt Franz Roth, einer der beiden Besitzer des Gebäudes, der von der RHEINPFALZ über die Schließung des Marktes informiert wurde. 2015 wurde ein Pachtvertrag über sieben Jahre geschlossen. Wasgau hatte bis Ende Januar Zeit, diesen Vertrag zu kündigen, ansonsten hätte er sich automatisch um ein Jahr verlängert.

Er habe in den vergangenen Wochen mehrfach das Gespräch mit Wasgau gesucht, sei aber immer wieder abgeblitzt, so Roth. „Wir wären Wasgau auch mit Sicherheit entgegen gekommen, etwa bei der Pacht“, betont Roth. Gerüchte, dass der Umsatz deutlich zurückgegangen sei, gibt es schon länger. Vor allem, nachdem im August 2021 in Schweighofen, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Steinfeld, Aldi Süd eine neue Filiale eröffnet hat. In Steinfeld gibt es zudem einen Edeka-Markt. Die Bürger aus der Viehstrich-Gemeinde zieht es eher selten zum Einkauf zum Bahnhof Schaidt.

19 Mitarbeiter betroffen

„Die Entscheidung, den Frischemarkt in Steinfeld zu schließen, ist uns nicht leichtgefallen, aber angesichts der wirtschaftlichen und standortbedingten Gegebenheiten unumgänglich. Mit den nur wenige Kilometer entfernt gelegenen Märkten in Rohrbach und Annweiler können wir für künftige Einkäufe bei Wasgau bestens ausgestattete Filialen anbieten“, so Ambroise Forssman-Trevedy, Vorstandssprecher der Wasgau Produktions & Handels AG. Die Entscheidung widerspricht aber der Unternehmensstrategie. Im Sommer hatte Forssman-Trevedy im Gespräch mit der RHEINPFALZ-Redaktion angekündigt, auf Expansionskurs gehen zu wollen. Jährlich sollten drei neue Märkte eröffnet werden.

In Steinfeld beziehungsweise Schaidt sind inklusive Metzgerei und Bäckerei insgesamt 19 Mitarbeiter, darunter sowohl Voll- als auch Teilzeitkräfte beschäftigt. Es liegt im Interesse des Unternehmens, den Mitarbeitern gegebenenfalls einen Wechsel in einen nahe gelegenen anderen Markt zu ermöglichen, teilt Wasgau mit.

Neuer Nahversorger wird gesucht

Im Interesse von Franz Roth und seinem Geschäftspartner liegt es, möglichst schnell einen Nachmieter zu finden. Vorrang habe dabei ein Nahversorger, denn die knapp 2000 Einwohner im Wörther Ortsbezirk Schaidt bräuchten dringend eine Einkaufsmöglichkeit. „Ich bin ja auch Geschäftsmann, ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das nicht rentiert“, meint Roth. Er erinnert an die 23 Reihenhäuser, die vor wenigen Monaten erst auf einem rund 5000 Quadratmeter großen Gelände am Bahnhof Schaidt gebaut wurden, und an das Gesundheitszentrum, das gerade am Ortsrand von Schaidt entsteht. In dem Gebäude wird es auch 40 Wohnungen für Senioren geben. Im Spätjahr sollen die ersten einziehen. „Das sind doch alles potenzielle Kunden für einen Nahversorger“, meint Roth.

Falls sich kein Betreiber für einen Supermarkt findet, kann sich Roth auch einen Handwerksbetrieb als Mieter vorstellen. „Wenn es sein muss, sind wir auch bereit, das Gebäude zu verkaufen“, kündigt Roth an.

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