Jockgrim
Treuetest mit Sex und Alkohol
Das Ende, ob sie noch zusammen sind, wollen sie nicht verraten. Dürfen sie auch nicht sagen. Das haben sie den Fernsehleuten, die es spannend halten wollen, versprochen. Die im vergangenen Jahr gedrehte 4. Staffel von „Temptation Island“ – zu Deutsch „Insel der Verführung“ – wird gerade ausgestrahlt. Da wäre es schade, wenn Zuschauer und Fans schon vorher wüssten, wie die Show für emotionale Achterbahnfahrten ausgeht. „Nur meinen engsten Freunden und meinen Eltern hab ich’s gesagt“, verrät Michelle, die froh ist, wenn jetzt bald „alles“ vorbei ist, sagt sie zum einen. Was sie mit „alles“ meint, müsste man nachfragen. Man kommt aber nicht dazu, weil sie flink eine Widersprüchlichkeit hinterher schickt. Denn sie sagt: „Dass ich da mitgemacht habe, war die beste Entscheidung meines Lebens.“
Dank Instagram ein Paar
Michelle ist gelernte Bauzeichnerin, kommt aus Minfeld und ist seit sechs Jahren erwachsen, sprich volljährig. In ihrem noch so jungen Leben hat sie vermutlich noch gar nicht so viele Entscheidungen treffen müssen. Mögen andere Partnerschaften auf schwere Prüfungen gestellt sein, etwa wenn Krankheiten, eine Arbeitslosigkeit oder ein anderes Schicksal zuschlägt. Bei Michelle und ihrem Freund verhält es sich anders. Vor fünf Jahren lernte sie Marc-Robin Wenz aus Kandel kennen. Die beiden sind sich nicht auf einer Kerwe oder in einem Club begegnet. Über Instagram und Social Media kamen sie in Kontakt. Nach gegenseitigem Liken wurden sie ein Paar und nach vier Jahren Wartezeit zogen sie, jeder aus dem Haus der Eltern, nach Jockgrim zusammen in einen gemeinsamen Haushalt. Zuvor hatten sie außer ein paar Kurztrips nach Amsterdam oder in andere Städte noch nie einen längeren Urlaub zu zweit gemacht. Ihre Freizeitbeschäftigung konzentrierte sich vor allem auf Ferngucken, am liebsten Serien und eben Reality-Shows.
Erotik und Verkehr inklusive
„Wir haben die ersten Staffeln von „Temptation Island“ alle geguckt“, erinnert sich Marc-Robin. In dieser Sendung werden über den Zeitraum von zwei Wochen vier heterosexuelle Paare nach Geschlecht voneinander getrennt und in eine Art paradiesische Urlaubsvilla gebracht. Die Herren in die eine, die Damen in die andere. Überall sind Kameras, so dass das Verhalten der Showteilnehmer rund um die Uhr als Bild- und Tonmaterial in die Sendung getragen werden kann. Zusätzlich halten sich jeweils zehn Singles des jeweils anderen Geschlechts in der Villa auf. Sie sollen die Showteilnehmer „verführen“. Sie laden zu exzessivem Alkoholgenuss ein, bieten Erotik und Verkehr oder mimen tiefsinnige Gespräche.
Spaß und Stress
Zwölf Monate lebten Michelle und Marc-Robin zusammen. Dann bewarben sie sich aus Spaß bei der Sendung, wurden genommen und innerhalb weniger Tage sehr kurzfristig in die Villa nach Griechenland gebracht. „Das ist Abenteuer und echt Ausnahmezustand und es geht stark an die Psyche“, sagt Marc-Robin und er erzählt das so, als würden andere das anzweifeln. „Und die Frauen da, die geben echt alles“, sagt Marc-Robin. Michelle will ihren Nachnamen nicht bekannt geben und in der Zeitung lesen. Nach eigener Auskunft hat sie in der Villa sieben Kilo abgenommen. Nicht weil das Catering so schlecht, sondern weil der Stress so groß war.
Marc-Robin hatte ursprünglich gesagt, er würde sowas wie „Temptation Island“ locker packen. Das war – laut Michelle – auch der Auslöser, warum sich das Paar beworben hatte. Das voyeuristische TV-Publikum dankt es ihnen. Marc-Robin ist Pfälzer Bub und Schweißer in Hatzenbühl. Ob er mit „Temptation Island“ seine Partnerschaft zusammengeschweißt hat, bleibt vorerst ein Geheimnis.