Südpfalz
Südpfälzer Grüne legen Konzept für ÖPNV-Ausbau vor
Das Papier, das Pascal Endres (Vorsitzender des Kreisverbands Germersheim von Bündnis 90/Die Grünen), Lea Heidbreder (Fraktionsvorsitzende im Stadtrat Landau), Bundestagsmitglied Tobias Lindner und Werner Schreiner (stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Kreistag Südliche Weinstraße) vorlegen, wird konkret. Die Politiker fordern die „längst überfällige“ Elektrifizierung der Strecke Neustadt–Wörth und den Ausbau des Wörther Bahnhofs mit moderner Signaltechnik und Stellwerk. „Wir müssen an den Bahnhof Wörth ran“, sagte Lindner im Pressegespräch mit der RHEINPFALZ. Der Bahnhof und die Strecke nach Karlsruhe müsse nicht nur – wie von der DB Netz geplant – technisch modernisiert, sondern leistungsfähiger werden. Im Klartext: Bahnhof und Strecke sollen so ausgebaut werden, dass pro Richtung alle drei Minuten ein Zug über die Brücke fahren könne. Zudem müsse der Bund den eingleisigen „Flaschenhals“ zwischen Wörth und Winden beseitigen. Die DB Netz soll ein Konzept vorlegen, wie der Karlsruher Hauptbahnhof zusätzliche Züge aufnehmen könne.
Umstieg auf Rad und Schiene erleichtern
Parallel zur Infrastruktur soll, so die Grünen, das Angebot auf der Schiene erweitert werden. „Unser Ziel ist es, den Menschen den Umstieg auf den ÖPNV zu erleichtern“, so Lea Heidbreder. Grundvoraussetzung sei eine bessere Taktung. Sechs Punkte sieht das Grünen-Konzept dazu vor, darunter eine zweite stündliche Regionalbahnlinie Neustadt–Landau–Karlsruhe und eine umsteigefreie stündliche Regionalexpressverbindung Karlsruhe–Wörth–Straßburg. Es müsse neben einer höheren Taktdichte geprüft werden, so Heidbreder, das Angebot im Pendler- und Schülerverkehr punktuell zu verbessern. Der Abendverkehr in Richtung Landau brauche zusätzliche Angebote.
Auch den Bahnhof Bellheim, in der Mitte der Strecke Germersheim-Wörth, haben die Grünen im Blick: „Vielleicht macht es Sinn, ihn zu ertüchtigen, dass dort Züge beginnen oder enden“, so Lindner. Von dort könnte in den Hauptverkehrszeiten werktags eine dritte Linie von der Südpfalz über die Rheinbrücke führen. Im Busverkehr soll eine Linie die Gemeinden im nördlichen Landkreis mit der badischen Seite anbinden und auf den Schienenverkehr abgestimmt werden.
Dichtes Radnetz ist das A und O
Die Grünen wollen ein dichtes Radwegeschnellnetz – und das zügig. Das Land soll an die Machbarkeitsstudien für die Pendlerradrouten Schifferstadt–Wörth und Landau–Neustadt anknüpfen. „Beide Rheinbrücken müssen gut angebunden werden“, sagt Pascal Endres. Wichtig sei zudem der Ausbau von Wörth Richtung Hagenbach, Kandel und Landau. „Radwege sind bei uns tendenziell eher touristisch ausgelegt“, sagt Endres, der 15 Jahre lang täglich mit der Bahn über die Wörther Rheinbrücke gependelt und jetzt aufs E-Bike umgestiegen ist. Sie seien für die steigenden Pendlerradverkehr oft zu schmal oder führen über Wirtschaftswege. Ein Paradebeispiel für die zu eindimensional aus Autofahrersicht gedachte Verkehrsplanung: Zwischen Kandel und Wörth müssen Radfahrer die Bienwald-B9 überqueren.
Rheinbrücken-Kompromiss ernst nehmen
„Natürlich kostet das am Ende des Tages etwas Geld“, sagt Lindner, der auch Mitglied im Haushaltausschuss ist, über den Ideen-Katalog. Er schätzt mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Es werde nur ein geringer Anteil dessen sein, was die mit rund 200 Millionen Euro veranschlagte Zweite Rheinbrücke mit Anbindung an die B36 koste. Wenn der Rheinbrücken-Kompromiss vor Gericht ernst gemeint sei, müsse für beides, Straße und Schiene, Geld da sein.
Der im Juni vor dem Verwaltungsgerichtshof geschlossene Vergleich zwischen der Stadt Karlsruhe und BUND auf der einen sowie dem Regierungspräsidium auf der anderen Seite zum Bau der Zweiten Rheinbrücke sieht eine Verbesserung des ÖPNV in der Region vor. Dies müsse laut Grünen „über die Selbstverständlichkeit eines Radweges entlang der Brücke“ deutlich hinausgehen“. Seine Parteikollegen und er böten nun „den ersten Vorschlag in der Debatte in dieser Konkretheit“, sagt Tobias Lindner. „Wir legen ein Angebot auf den Tisch. Danach müssen sich alle anderen Ideen messen.“