Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Praxen bieten Corona-Sprechstunden an

Nachdem die zentrale Corona-Anlaufstelle im Kreis geschlossen ist, sind einige Menschen verunsichert.
Nachdem die zentrale Corona-Anlaufstelle im Kreis geschlossen ist, sind einige Menschen verunsichert.

Die Corona-Ambulanz im Bürgerhaus Jockgrim hat am Donnerstag überraschend geschlossen. Das schürte Unsicherheit bei Menschen mit und ohne Covid-19-Symptomen. „Es ist nicht alles geregelt“, sagt der Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Rainer Saurwein, hinsichtlich der Corona-Tests.

„Grundsätzlich hat jeder Mensch das Recht sich testen zu lassen, auch wenn er keine Symptome hat“, stellt Saurwein klar. Er müsse sich aber „einen Anbieter“ suchen. Und da wird es komplex. Denn nicht jede Arztpraxis könne aus organisatorischen Gründen Abstriche durchführen, etwa weil Verdachtsfälle nicht vom Regelbetrieb getrennt werden können. Die Kosten für einen Test ohne Symptome, der zum Beispiel zur Einreise in bestimmte Länder nötig wird, müsse der Patient selbst tragen. „Wir haben als KV keinen Überblick, wer diese Privatleistung vor Ort anbietet“, sagt der Pressesprecher. Deshalb bleibe dem Patienten nichts anderes übrig, als sich bei seinem Hausarzt oder beim Gesundheitsamt zu erkundigen, wer solche Abstriche macht. Auch die Corona-Hotline des Landes (0800 9900400) könne weiterhelfen.

Ärzte spüren keine erhöhte Nachfrage

Die Anzahl der Patienten in den Corona-Ambulanzen sei in den vergangenen Wochen zurückgegangen. Deshalb sei deren Betrieb eingeschränkt oder eingestellt worden. Von dieser Entwicklung war auch die Einrichtung in Jockgrim betroffen. Zuletzt war drei Tage in der Woche jeweils vier Stunden geöffnet. In den beiden Tagen, nachdem die Bürgerhaus-Ambulanz geschlossen hatte, hat Saurwein – vor dem Hintergrund des Corona-Hotspots in Schwegenheim – stichprobenartig bei Praxen nachgefragt, ob sie eine erhöhte Nachfrage nach Tests spüren. Unter den Befragten sei eine Praxis mit Corona-Sprechstunde in Jockgrim und die Ambulanz in Landau gewesen. Eine größere Nachfrage sei bis dato nicht bestätigt worden. „Hier ist keine Lücke entstanden“, so der Pressesprecher. Praxen, die spezielle Corona-Sprechstunden anbieten, sind in einer Karte auf der Homepage der KV eingezeichnet. Im Landkreis Germersheim sind das Ärzte in Berg, Maximiliansau, Kandel, Jockgrim und Germersheim. Das bedeute aber nicht zwangsläufig, dass diese auch Tests auf Privatrechnung, also ohne Symptome, anbieten.

Bei bestimmten Personengruppen könne das Gesundheitsamt laut Bundesministerium Tests veranlassen, wenn keine Covid-19-Anzeichen vorliegen. Dazu gehören Kontaktpersonen von Infizierten, Pflegemitarbeiter oder Menschen, die aus Risikogebieten zurückkommen. Die Kosten dafür übernehme die Krankenkasse. „Es ist nicht alles geregelt“, weiß der Pressesprecher. Etwa die Situation, wenn ein Arbeitgeber einen negativen Test von einem Mitarbeiter verlangt.

Bei Corona-Verdacht zum Hörer greifen

Für einige Menschen dieser Gruppe, etwa Kontaktpersonen, stehen nun die Räume zur Verfügung, die die Kreisverwaltung in Rülzheim kurzfristig angemietet hat. Diese nichtöffentliche „Corona-Ambulanz“ ist seit Montag in Betrieb. Hier werden nur durch das Gesundheitsamt angeordnete Untersuchungen und Abstriche gemacht. Ein Team aus freiwilligen Helfern stehe in Rülzheim auf Abruf bereit. „Es besteht kein Anlass zur Sorge, dass sich Personen mit Symptomen in der Gemeinde bewegen“, so Landrat Fritz Brechtel.

Die Verwaltung „hoffte bis zuletzt, dass die Besetzung durch die niedergelassenen Ärzte wie zuvor bei der Corona-Ambulanz in Jockgrim übernommen wird“, teilt eine Sprecherin der Kreisverwaltung auf Anfrage mit. Dies sei ein Grund gewesen, warum die Öffentlichkeit so kurzfristig – von einem auf den anderen Tag – über die Schließung der Ambulanz informiert wurde. Der Wunsch wurde nicht erfüllt. Die Corona-Ambulanz in Jockgrim hätte unabhängig von dem „Umzug“ und dem neuen Rülzheimer Konzept nicht in der bisherigen Form weiterbestehen können.

Mehr Anfragen am Bürgertelefon

Für Abstriche von Patienten mit Infektanzeichen sind laut Rainer Saurwein die niedergelassenen Vertragsärzte zuständig – sofern sie organisatorisch auf Tests eingerichtet sind. In jedem Fall gelte: Bei Verdacht auf eine Sars-CoV-2-Infektion sollen Patienten nicht unmittelbar Praxen aufsuchen, sondern vorher dort anrufen.

Am Bürgertelefon hätten sich die letzten Tage vermehrt verunsicherte Menschen gemeldet, die Symptome haben, deren Hausarzt aber keinen Test mache, sagt die Kreis-Sprecherin. In einem Brief an die KV habe Landrat Fritz Brechtel die Ärzteschaft nun gebeten, die Beratung der Patienten zu konkretisieren. Die Ärzte sollten dann - so der Wunsch des Kreises – auf die dezentralen Praxen mit Corona-Sprechstunden verweisen.

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