Kreis Germersheim Kreis Germersheim: Familienhebamme bringt schnelle Hilfe für Eltern

Kommt ein Kind, verändert sich alles.
Kommt ein Kind, verändert sich alles.
Jutta Breichler
Jutta Breichler

Die Familienhebamme des Landkreises und ihr Team haben im vergangenen Jahr mehr als 100 Mütter und Familien beraten – kostenlos. Ein breit angelegtes Netzwerk hilft bei alltäglichen Erziehungsproblemen, finanziellen Sorgen oder bei Behördengängen.

Jutta Breichler versteht sich als „Lotsin“. Seit fast fünf Jahren ist sie Familienhebamme im Kreis Germersheim. Sie besucht werdende oder frisch gebackene Eltern zuhause und zeigt Wege auf, mit ihrer neuen Situation klar zu kommen. „Ich helfe, Hilfen zu finden“, sagt Breichler. Ohne großen bürokratischen Aufwand. Im vergangenen Jahr hatte sie Kontakt zu 103 Schwangeren, Müttern oder Familien. Wenn ein Baby unterwegs ist, dreht sich die Welt der Eltern anders als zuvor. Der Alltag mit Kind muss neu organisiert und der Säugling versorgt werden, die Ausgaben steigen, viele Partnerschaften verändern sich. Wer unsicher ist, sich mit der Situation oder Erziehung überfordert fühlt, kann schnelle Hilfe bei der Familienhebamme finden. Das kostenfreie Angebot des Landkreises gilt schon während der Schwangerschaft, bis zu einem Jahr nach der Geburt. „Oft sind es junge Familien oder Alleinerziehende, die sich an mich wenden“, erzählt Jutta Breichler. In schwierigen Situationen seien häufig auch jugendliche Schwangere, Frauen in Ausbildung, Familien mit sozialen Problemen, aber auch erfahrene Mütter, die durch eine weitere Schwangerschaft in finanzielle oder andere Nöte geraten. „Plötzlich ist die Wohnung zu klein“, nennt Breichler ein ganz profanes Problem. Ein großes Thema seien Regulationsstörungen – wenn das Kind viel schreit, nicht schläft oder isst. Eine neue Herausforderung sei die Betreuung von Flüchtlingsfamilien. Im Vorjahr kamen die Anfragen in 30 Fällen von Frauen und Familien direkt, der Rest über Hebammen, Krankenhäuser, Jugendamt oder Beratungsstellen. Breichler: „Ich bin eine Brückenbauerin, die Wege zu passenden Hilfsangeboten kennt und vermittelt.“ Das Angebot der Familienhebamme ist niedrigschwellig, ohne bürokratische Hürden für die Hilfesuchenden. „Es müssen nicht erst Anträge gestellt werden, die Eltern werden nicht begutachtet“, erläutert Breichler. Die Hemmschwelle Rat und Unterstützung einzufordern, soll so gering wie möglich sein. Denn Jutta Breichler weiß: „Es kostet schon Mut, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht.“ Manchmal reiche ein Telefongespräch, manchmal begleite sie Frauen und Familien zu Behörden oder zur Anmeldung im Kindergarten, berichtet die Familienhebamme aus ihrem Alltag. Für alleinerziehende Mütter übernehme sie hin und wieder Aufgaben im Haushalt. „Ich achte auch darauf, dass Kinderarzt-Termine eingehalten werden.“ Hinter der praktischen stecke immer auch emotionale Hilfe. „Es entsteht oft ein großes Vertrauensverhältnis“, weiß Dietmar Seefeldt. Der Jugend- und Sozialdezernent wollte die Arbeit der Familienhebamme kennenlernen und hat eine Weile bei Jutta Breichler hospitiert. „Wenn ein Hilferuf kommt, dann kommt sie und verweist auf ein großes Netzwerk.“ Die Familienhebamme ist ein Angebot der „Frühen Hilfen“ im Kreis Germersheim. „Keiner soll durchs Netz fallen“, sagt Seefeldt über die verschiedenen sozialen und präventiven Angebote. „Jede frühe Hilfe ist unterm Strich günstiger und wirkungsvoller als alles, was man später aufwändig versucht, ins Lot zu bringen.“ Mit Unterstützung der Familienhebamme wurden 2016 in neun Fällen weitergehende Hilfen, etwa sozialpädagogische Familienhilfe über das Jugendamt, eingeleitet. In acht weiteren Fällen stellten die Fachkräfte eine akute Kindeswohlgefährdung fest. Jutta Breichler ist eines wichtig: Frauen, die sich an Familienhebammen wenden, dürfen nicht stigmatisiert werden. In den meisten Fällen, „wenn das Auto der Familienhebamme vor der Tür steht“, handele es sich um alltägliche Probleme mit der Kindererziehung. „Das Recht auf die Hilfe haben alle Frauen“, betont Breichler. Sie ist mit einer halben Stelle bei der Kreisverwaltung angestellt. „Allein könnte ich das nicht schaffen.“ Zu ihrem Team gehören fünf andere Hebammen und zwei Familiengesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen auf Honorarbasis. Die Krankenpflegerinnen können in besonderen Fällen, etwa bei Krankheit des Kindes, betroffene Familien bis zum dritten Lebensjahr begleiten. Die Familienhebamme ersetzt nicht die Hebamme, die jeder Mutter als Kassenleistung in der Schwangerschaft, bei der Geburt und im Wochenbett zusteht, betont die Kreisverwaltung. Breichler hilft allerdings werdenden Eltern eine Hebamme vor Ort zu finden – nicht immer mit Erfolg. Durch die schwierige berufspolitische Situation und den Hebammenmangel gebe es auch im Kreis bereits eine Versorgungslücke. Trotz zunehmender Anforderungen – Stichwort teure Berufshaftpflicht oder Akademisierung der Ausbildung – denkt die dreifache Mutter selbst nicht daran, ihren Job an den Nagel zu hängen. Sie ist seit 20 Jahren Hebamme und noch immer auch in der Gebursthilfe tätig. Daher hat Breichler auch guten Kontakt zur Familienhebamme im Asklepios-Krankenhaus Germersheim.: „Wir sind eng vernetzt.“ Kontakt Die Familienhebamme des Kreises, Jutta Breichler, ist telefonisch erreichbar unter 0170 7905825.
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