Kuhardt
Angebot von Peta: Veganes Sushi statt Fisch beim Fischerfest
Der Vorschlag ging bei Georg Kloos, dem Vorsitzenden des Kuhardter Angelvereins, am Montag im elektronischen Postfach ein. Er habe es zuerst für eine „Fake-Mail“ gehalten, sagt Kloos auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Schon wenig später sei das Thema in den sozialen Medien breitgetreten worden, denn Peta hatte am Folgetag eine Pressemitteilung dazu rausgegeben. Wenn die Angler und ihre Gäste bei ihrem Fest am nächsten Wochenende „ausschließlich vegane Speisen und pflanzliche Fischfleischalternativen“ anbieten, spendiere Peta die Sushis, heißt es darin. Außerdem würden die Tierschützer bei den Vorbereitungen unterstützen und vegane Rezeptvorschläge liefern. Das neue Konzept soll „tierleidfrei“ sein. Peta hat auch schon ein Motto dafür: „Fische respektieren statt filetieren“.
Seither sind die Angler darüber im Gespräch, wollen aber an ihrer Tradition wie bisher festhalten. „Das Fest ist schon geplant und eingetütet“, sagt Kloos. Es sei viel zu spät, in der Woche davor eine solche Anfrage zu starten. Außerdem ärgert ihn „die Art und Weise“. Er hätte sich statt einer Mail „einen persönlichen Kontakt gewünscht“, dass man miteinander redet und sich austauscht. Dann hätte er den Peta-Leuten wahrscheinlich erzählt, dass es beim Angeln nicht nur um Spaß oder gar um Tierleid geht. „Wir sind ein Verein, der nachhaltig unterwegs ist“, sagt Georg Kloos. Der Angelverein organisiere jedes Jahr die Saubere-Umwelt-Aktion, unterstütze die Eindämmung des Ochsenfroschs, messe in den Hitzemonaten regelmäßig den Sauerstoffgehalt der Gewässer, um Fischsterben zu vermeiden und halte Flora und Fauna instand. Mit regelmäßigem Fischbesatz der Seen, darunter auch mit dem bedrohten Aal, trage der Verein zur Erhaltung der Arten bei, erläutert Kloos. Dies sei erst mit dem Erlös aus dem zweitägigen Fischerfest möglich. Beim Fest setzen die Angler der Umwelt zuliebe auf Porzellan statt Plastikgeschirr und kompostierbare Mitnehmverpackungen.
Fische können rechnen
Fische seien neugierige, fühlende Wirbeltiere mit individuellen Persönlichkeiten und Schmerzempfinden, heißt es in der Peta-Mitteilung. „Sie schließen Freundschaften, lernen, geben ihr Wissen weiter und beschützen ihren Nachwuchs.“ Manche könnten sogar addieren und subtrahieren. „Fische werden für eine kurze Mahlzeit getötet, dabei muss Fischgeschmack nicht von Tieren sein“, meint Tanja Breining, Referentin für Fische und Meerestiere bei Peta. Mit Gemüsesushi, pflanzlichen Fischstäbchen oder veganen Lachsfilets könnten die Festbesucher unzählige Tierleben retten und Respekt gegenüber fühlenden Lebewesen zeigen, so Breining.
Georg Kloos hat schon veganen Fisch probiert. Sein Fazit: „Es ist essbar, aber mehr auch nicht.“ An dem traditionellen Fest am Binnlich-See möchte er nicht rütteln. Seit rund 40 Jahren finde es in dieser Form statt. Wer Bedenken wegen des Fischangebots hat, müsse ja nicht kommen. Dass die Peta-Tierschützer eine Bühne suchen, dafür hat er sogar Verständnis. Aber ihre Veranstaltungen sollen sie selbst – woanders – organisieren. Eine Rückmeldung sollen die Tierrechtler in jedem Fall bekommen. Auch der Bürgermeister ist involviert. „Wir antworten darauf, aber abgestimmt und nicht überhastet“, sagt der Vorsitzende. Sogar ein Treffen mit Peta-Vertretern schließt Kloos nicht aus.
Wurst ist schon gekauft
Aus Sicht von Peta war man mit der Anfrage zwei Wochen vor dem Fest offenbar nicht spät dran: „Wir versuchen, diejenigen Veranstalter/innen anzuschreiben, bei denen noch genug Zeit wäre, die veganen Alternativen zu organisieren“, teilt Tanja Breining auf Nachfrage mit. Es würden bundesweit Vereine und Institutionen angeschrieben mit „einer persönlichen Anfrage per E-Mail“. Es habe durchaus schon ernsthaftes Interesse gegeben, das Angebot anzunehmen. „Aber dann war die Zeit leider zu knapp beziehungsweise die nicht-vegane Wurst schon gekauft“.
Apropos Wurst: Auch dem SPD-Ortsverein Kandel hat Peta dieser Tage vorgeschlagen, das Grillfest am 9. Juli vegan auszurichten. Das Motto sollte lauten: „Pflanzlich grillen statt Tiere killen“. Peta schreibe auch größere Orte an, berichtet Breining. Bei kleinen Festen sei allerdings die Chance höher, „dass unser Angebot für eine vegane Verpflegung angenommen wird, da es weniger verschiedene Essensangebote gibt“. Eine Kooperation mit Veranstaltern, denen die Anfrage zu kurzfristig kommt, klappe vielleicht ja im nächsten Jahr.
Info
- Das Kuhardter Fischerfest findet am Wochenende des 1. und 2. Juli am Binnlich-See statt; samstags ab 16 Uhr, sonntags ab 10.30 Uhr. Es werden Zander und Kap-Seehecht angeboten. Den Fisch bezieht der Verein von einem Fischhändler aus Baden-Württemberg. Der Angelverein Kuhardt hat rund 440 Mitglieder und kümmert sich um die Seen Auwinkel und Binnlich.
- Peta Deutschland (People for the Ethical Treatment of Animals – Menschen für die ethische Behandlung von Tieren) ist nach eigenen Angaben mit über 1,5 Millionen Unterstützenden die größte Tierrechtsorganisation des Landes. Sie engagiert sich gegen Tierquälerei und -ausbeutung sowie gegen Speziesismus – eine Form von Diskriminierung, bei der bestimmte Tierarten abgewertet werden. Der Mensch werde hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen. Daneben werde zwischen Tierarten unterschieden: Schweine, Rinder und Hühner würden gequält und getötet, Hunde und Katzen hingegen liebevoll umsorgt.
