Hassloch
„Weihnachtsmarkt der 1000 Lichter“ fällt 2020 aus
Das Andechser Bierfest, der Sommertagsumzug und die Leisböhler Weintage sind wegen Corona in diesem Jahr bereits ausgefallen. Nun hat die Gemeindeverwaltung auch den „Weihnachtsmarkt der 1000 Lichter“ abgesagt. „Deutschlandweit verzeichnen wir steigende Infektionszahlen. Darüber hinaus ist die weitere Entwicklung in den kommenden Monaten ungewiss. Damit stünde jegliche Planung für einen Weihnachtsmarkt auf wackligen Beinen“, sagt der Erste Beigeordnete Tobias Meyer (CDU). Bei allen Überlegungen stehe die Gesundheit der Gäste und der Beschicker im Vordergrund.
Einbahnstraßen und E-Ticket angedacht
Der Bereich „Veranstaltungen“ und die Ordnungsverwaltung hatten im Vorfeld einen Entwurf für ein Alternativkonzept ausgearbeitet. Dieses hatte einen in sich abgeschlossenen Weihnachtsmarkt mit Zu- und Abgang auf dem Jahnplatz vorgesehen. Zeitgleich hätten sich – den aktuellen Bestimmungen entsprechend – maximal 250 Besucher in einem vorgegebenen Einbahnstraßensystem auf dem Platz bewegen können. Ähnlich wie im Badepark, wäre der Zugang in vorher festgelegten Zeitfenstern mit einem E-Ticket-System geregelt worden. Gleichzeitig sollten auch die Daten der Besucher zur im Ernstfall notwendigen Kontaktverfolgung erfasst werden. Beim Zeitfenster war an eine Verweildauer von 90 oder 120 Minuten gedacht, erläuterte auf Anfrage Marcel Roßmann, Pressesprecher der Verwaltung. Danach hätte man den Jahnplatz komplett räumen müssen, um anschließend die nächsten Besucher einzulassen. Eine Alternative wäre gewesen, wie in manchen größeren Geschäften so lange Gäste eintreten zu lassen, bis die Höchstzahl von 250 erreicht ist. Nach dem Prinzip „zwei raus, zwei rein“ hätten neue Besucher den Weihnachtsmarkt erst dann betreten dürfen, wenn die gleiche Anzahl hinausgeht.
„Natürlich wäre etwas Normalität wünschenswert gewesen, doch wie viel Weihnachtsmarkt-Flair bleibt, wenn man nur zu vorab ausgewählten Zeitfenstern den Platz besuchen kann und am Eingang schon wieder die nächsten Gäste auf Einlass warten?“, fragt Meyer.
Alternativkonzept hätte Mehrkosten verursacht
Zudem hätte ein Weihnachtsmarkt unter Corona-Bedingungen nach ersten Berechnungen der Verwaltung Mehrkosten von rund 25.000 Euro verursacht. Aus mehreren Gründen, so Roßmann: Ein E-Ticket-System hätte erstellt werden müssen, und für Einlasskontrollen wäre mehr Personal notwendig gewesen. Zudem wären auf dem Jahnplatz Toilettenwagen notwendig gewesen, denn die vorhandenen öffentlichen WCs liegen außerhalb des Festgeländes. Schließlich hätte die Verwaltung den Beschickern bei den Standgebühren entgegenkommen müssen, die wegen der beschränkten Besucherzahl geringere Umsätze erzielt hätten. Einige Beschicker hatten laut Gunther Metz vom Bereich „Veranstaltungen“ bereits signalisiert, für eine abgespeckte Version des Marktes nicht zur Verfügung zu stehen. „Es ist fraglich, wie wirtschaftlich der Markt aus Sicht der Beschicker sein würde, wenn maximal 250 Besucher zeitgleich auf dem Gelände sind, wo sich sonst 1500 bis 2000 Gäste bewegen“, so Metz. Bei den Beschickern, die unter diesen Bedingungen nicht kommen wollten, handelte es sich weniger um Glühwein- und Essensstände, so Roßmann, sondern vor allem um Anbieter von Kunsthandwerk und ähnlichen Artikeln.
Keine Verteilung der Stände in der Ortsmitte
Auch ein Konzept zur Verteilung der Stände in der gesamten Ortsmitte wurde in der Verwaltung überlegt, aber ebenfalls verworfen. Verkehrliche Aspekte sowie eine noch erheblich schwieriger werdende Kontaktverfolgung sprachen dagegen, die Stände zu streuen. Außerdem hätte bei einer solchen Lösung nur „Glühwein to go“ angeboten werden können, so der Sprecher.
In der jüngsten Sitzung des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschusses holte sich die Verwaltung ein Meinungsbild der Ausschussmitglieder ein. Auch hier wurde es kritisch gesehen, einen Weihnachtsmarkt zu veranstalten, und die Tendenz ging in Richtung Absage.
„Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Es ist uns auch bewusst, dass die Absage nicht überall auf Gegenliebe stoßen wird, aber nach Abwägung aller Eventualitäten wird der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr nicht stattfinden“, so Meyer und Metz.
In der Region ist es nicht die erste Absage eines Weihnachtsmarkts. Auch der Deidesheimer Advent, die Waldweihnacht in Johanniskreuz oder der Dudenhofener Weihnachtswaldbasar fallen 2020 aus.
Einwurf: Hoffen auf 2021
Weihnachtsmarkt als Einbahnstraße, Zugang nur mit vorher gelöstem Online-Ticket, und nach maximal zwei Stunden wird man rausgekehrt: Unter solchen Voraussetzungen kann keine Adventsstimmung aufkommen. Deshalb war es richtig, auch keinen Ersatz-Weihnachtsmarkt im Kleinformat zu organisieren, sondern die Veranstaltung komplett abzusagen. Auch wenn es schon schmerzt, dass wegen Corona in Haßloch in diesem Jahr nicht eine einzige größere Veranstaltung stattfinden kann. Aber Weihnachten ist ja immer auch ein Fest der Hoffnung – in diesem Falle, dass 2021 wieder richtig gefeiert werden kann.