Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Ponyfarm: „Ohne Spenden gäbe es uns nicht mehr“

Machen sich Sorgen um die Zukunft der Ponyfarm: Frank und Marie Tettenborn, hier mit den Ponys Franzine und Dürdane.
Machen sich Sorgen um die Zukunft der Ponyfarm: Frank und Marie Tettenborn, hier mit den Ponys Franzine und Dürdane.

„Wann können wir wieder auf den Ponys reiten?“: Die Nachfrage nach Ferien, Ausritten und Reitstunden auf der Ponyfarm ist groß. Wo aber sonst reges Treiben herrscht, ist es derzeit wegen der Einschränkungen in den Zeiten der Pandemie recht still.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1964 hat die Ponyfarm schon vielen Pferdeliebhabern Freude und unvergessliche Erlebnisse bereitet. Aber seit Beginn des erneuten Shutdowns im November vergangenen Jahres ist alles anders: Es durfte lediglich Einzelunterricht in der Halle geben – bei geöffneten Türen und Fenstern, schildern Frank und Marie Tettenborn die Situation. „Und auch das nur dank einer Sondergenehmigung des Ordnungsamts.“

Ausritte sind zwar möglich, allerdings mit großen Einschränkungen und nur im kleinen Stil. Pro Dreiviertelstunde beispielsweise darf sich nur eine Familie mit Kind und Pony auf den Weg machen. Wobei noch dazu darauf geachtet werden muss, dass die Familiengruppen, bei denen meist das jüngste Mitglied hoch zu Pony sitzt, sich nicht begegnen.

Größte Einbußen bei der Kinderpension

Auf Eis liegen seit dem 1. November vergangenen Jahres auch wieder Reiterwochenenden und Tagestouren mit mehreren Reitern. Es fehlen zudem die verschiedenen Feste wie der „Steckenpferdchentag“ für die allerjüngsten Reiterinnen und Reiter, auch das Sommerfest im letzten Jahr fiel aus. Und schon zum zweiten Mal kann die Ponyfarm 2021 nicht gemeinsam mit dem Pferdezuchtverband auf dem Mannheimer Maimarkt vertreten sein, einem wichtigen Werbeträger.

Die größten Einbußen gibt es bei der Kinderpension. Ausfallen mussten schon die traditionellen Angebote in den Winterferien und in den Fasnachtsferien. „Die Osterferien werden auch flachfallen“, sagt Marie Tettenborn und äußert die ganz leise Hoffnung, vielleicht in den Pfingstferien etwas anbieten zu können. Auch da wäre der Betrieb mit Sicherheit noch eingeschränkt, sagt sie, denn statt wie in den Zeiten vor Covid-19 dürften statt 32 junger Leute lediglich 13 daran teilnehmen. Das schreiben Abstands- und Hygieneregeln vor. „Dadurch, dass die Kinderpension so lange schon heruntergefahren ist, fehlt uns der Speck, der uns durch den Winter trägt“, verdeutlicht Frank Tettenborn die Situation.

„Wir kriegen keine Arbeitskräfte mehr“

„Aber nicht allein wegen Corona hat sich die Situation verändert“, merkt Seniorchef Ulrich Tettenborn an. „Wir kriegen keine Arbeitskräfte mehr.“ Sein Sohn Frank, dem er den Betrieb überschrieben hat, kann das bestätigen. Er arbeitet mit der Arbeitsagentur zusammen, doch die Arbeit auf der Ponyfarm ist nicht einfach, und „man weiß nie genau, wie lange jemand bleibt“. Dabei wäre tatkräftige Hilfen umso wichtiger als wegen der Corona-Verordnungen derzeit auch keine Reiter im Stall mithelfen dürften. So müssen alle Arbeiten von Frank Tettenborn, seiner Frau Marie und einer Reitlehrerin gestemmt werden. „Da bleibt natürlich an allen Ecken und Enden was liegen“, bedauern sie.

Und es mangelt an Einnahmen. „Den Pferden ist es egal, ob wir aufhaben oder nicht. Sie benötigen Pflege und tierärztliche Betreuung.“ Dazu kommen laufende Kosten wie die für Wasser und Strom, Versicherungen und den Unterhalt der Fahrzeuge. Das Futter werde glücklicherweise hauptsächlich über Spenden gedeckt, 9000 Euro gab es für das Unternehmen im März 2020 als einmalige Corona-Unterstützung von der Regierung. Ob und woher weitere finanzielle Hilfe von offiziellen Seiten kommt, ist noch ungewiss. Doch auch private Spender wie ehemalige Teilnehmer an Freizeiten oder die Lehrer der Gottlieb-Wenz-Schule helfen den Tettenborns durch die schweren Zeiten: „Ohne Spenden gäbe es uns wohl schon nicht mehr“, sagen sie.

Bewegungsmangel macht Pferden zu schaffen

Auch die 55 Pferde, ein Großteil davon Dartmoorponys, leiden unter den durch Corona bedingten Einschränkungen. Bewegungsmangel macht ihnen dank der Koppelhaltung nicht zu schaffen. „Was ihnen fehlt, ist die Beschäftigung, die Arbeit mit den Kindern“, sagt Frank Tettenborn. Ja, das Leben im Lockdown sei für die Ponys langweilig. Das mache sich auch gut bemerkbar, ergänzt Marie Tettenborn. „Die fangen an, Blödsinn zu machen. Sie kabbeln sich. Und sie denken sich Tricks aus, wie sie die Knoten der Seile durchknabbern könnten, mit denen sie zum Putzen angebunden werden.“

Am Mittwoch, 3. März, steht in der Sitzung des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschusses ein Antrag der SPD-Fraktion auf der Tagesordnung, in Gesprächen mit der Ponyfarm Möglichkeiten einer Soforthilfe durch die Gemeinde zu erörtern. Mindestens 5000 Euro sollten die Futter- und Betriebsmittel bereitgestellt werden, so die SPD. Ein entsprechender Beschlussvorschlag der Verwaltung liegt dem Ausschuss vor. In der Begründung wird auf den Nothilfefonds für Vereine zur Unterstützung während der Corona-Pandemie verwiesen, den der Gemeinderat im Mai 2020 beschlossen hat. Im Nachtragshaushalt für 2020 wurden dafür 10.000 Euro bereitgestellt, von denen laut Verwaltung bisher nur 1800 Euro an einen Verein ausgezahlt wurden. Grundsätzlich förderfähig aus diesem Fonds sei ausschließlich der Reiterverein Ponyfarm, nicht aber der Gewerbebetrieb Ponyfarm und Gestüt „Die Pfalz“.

Mehr zum Thema
x