Gerolsheim
Kritik: Kita-Zukunftsgesetz befeuert Personalmangel
Auch wenn eine neue Erziehungsfachkraft im Januar hinzugekommen ist, fehle es aufgrund von längeren Krankheitsfällen im Team immer noch an Personal, sagt Rebecca Schütz, die seit Mitte November die kommissarische Leitung der Kita Naseweis innehat. Dennoch könne man wieder alle Kinder betreuen, und auch Neuaufnahmen seien wieder angelaufen. Das war im November vergangenen Jahres nicht mehr möglich. Die Öffnungszeiten bleiben weiterhin verkürzt auf 7.30 bis 15 Uhr.
„Wir haben immer noch jeden Tag sehr viel zu tun, einerseits wegen Corona, andererseits weil die Personaldecke zu dünn ist“, sagt Schütz. Deshalb arbeite man an strukturellen Veränderungen, indem die Dienstzeiten entsprechend der Stoßzeiten angepasst würden. Außerdem wurde eine Aushilfe eingestellt. Ab April soll eine weitere Erzieherin hinzukommen.
Politik müsste ran
Ortsbürgermeister Erich Weyer (FWG) ist froh über das zusätzliche Personal, dass die Situation vor Ort entlaste. „Unter dem neuen Kitagesetz leidet jeder. Probleme, gerade wegen des Personals, gibt es nicht nur bei uns, sondern in fast allen Kitas“, meint er. „Gerolsheim ist ein Beispiel für das, was in vielen anderen Orten ebenso schwierig ist. Man müsste das Problem auf die politische Ebene bringen“, fordert auch Schütz mit Blick auf die Vorgaben aus dem Kita-Zukunftsgesetz, das seit 1. Juli vergangenen Jahres in Kraft ist und unter anderem eine durchgängige siebenstündige Betreuung samt Mittagessen für Kita-Kinder vorsieht.
Aus Weyers Sicht seien den Eltern vom Gesetzgeber falsche Hoffnungen gemacht worden, unter anderem, weil die Übergangsphase, die das Gesetz für die Umsetzung der Vorgaben einräumt, nicht ausreichend kommuniziert worden sei. „Die Eltern fordern ihr Recht ein, aber es gibt derzeit einfach nicht genug Erzieher, um alles umzusetzen“, erklärt Weyer. Im gesetzlich vorgeschriebenen Stellenplan gibt es laut dem Bürgermeister zudem keinen Puffer für Krankheitsfälle, und der Markt gebe sowieso keine Fachkräfte mehr her, weil deutschlandweit Kindergärten Personal fehle. Die dringend benötigten Krankheitsvertretungen seien als befristete Stellen daher bisher nicht zu besetzen.
Ausbildung nicht komplett vergütet
Weyer kritisiert, dass der Beruf des Erziehers nicht schon im Vorfeld des Gesetzes attraktiver gemacht worden sei. Schütz sieht einen Grund für den Fachkräftemangel in der zweijährigen schulischen Ausbildung der Erzieher, während der man nicht bezahlt wird. Im Anerkennungsjahr, das auf die Zeit an einer Fachschule folgt, liegt der Verdienst bei rund 1600 Euro brutto.
Auch die Gehaltsperspektiven könnten Interessierte abschrecken. In Rheinland-Pfalz verdienen Erzieher, die nach Tarifvertrag im öffentlichen Dienst angestellt sind, zwischen rund 2880 und 3910 Euro brutto – das Gehalt schwankt je nach Alter, Zusatzqualifikationen und Berufserfahrung. Die nächste Erhöhung um 1,8 Prozent ist ab 1. April vorgesehen.