Hassloch
„Andechser light“ kommt gut an
Anstehen wie vorm Club oder früher vor der Stammdisco, und Einlass nur beim Türsteher: So ein „Andechser“ hat noch kein Bierfestbesucher in Haßloch zuvor erlebt. Es ist fast so ruhig wie im Schrebergarten mit dezenter Hintergrundmusik. Und das am Samstagabend zur sonst besten Partyuhrzeit kurz vor 20 Uhr.
Durch Bauzäune ringsherum vom restlichen Ortsgeschehen abgegrenzt, warten die „Andechser Biergärten“ auf dem Rathaus- und Jahnplatz auf jeweils bis zu 500 Gäste, die vorher online für vier Euro einen festen Sitzplatz für die Abendstunden gebucht haben. An beiden Plätzen können sie an Eingängen mit dem gültigen Nachweis „geimpft, genesen oder getestet“ auf das Gelände, auch neben der Tourist-Information. Ganz entspannt, immer nur wenige auf einmal, finden sich die Einlasssuchenden ein, zeigen den Sicherheitsleuten ihr Smartphone oder Papier mit Nachweis – und abends nur mit Extra-Ticket – vor.
Nicht ganz so viele Dirndl und Lederhosen
Nicht ganz so viele wie sonst haben sich mit Dirndl und Lederhose fesch gemacht. Doch mindestens ein Drittel der Gäste zelebriert die Biergärten mit dem kompletten „Andechser-Style“, von der Flechtfrisur bis zum jährlichen Sammelbutton. Den tragen auch Bierfestkönigin Lena Roth, die nun mangels Neuwahl in ihr drittes Amtsjahr startet, und ihre Prinzessin Annika Mischon. Am Anstecker vom „Coronajahr“ 2020 hat Lena mit rotem Edding trotzig die Zahl in 2021 geändert: Das hat nun geklappt. Trotz Biergarten-Variante gibt es auch diesmal einen neuen Button für Sammler. „Es ist natürlich nicht wie sonst“, räumt die Hoheit ein: „Aber es ist sehr schön geworden, und Hauptsache, das Fest findet irgendwie statt.“
Gunther Metz, Festorganisator der Gemeinde, bespricht sich mit der Polizei. „Wir hatten bis jetzt noch keine Straftat im Zusammenhang mit dem Fest“, meldet Hauptkommissar Matthias Schramm. Die kommunalen Vollzugsbeamten mit Verstärkung sind ebenfalls präsent. „Am Freitag mussten wir zweimal verhindern, dass sich größere Gruppen bilden. Aber das war's“, freut sich Metz.
Zu Akustikmusik tanzt keiner auf dem Tisch
Tatsächlich geht es sowohl auf dem Rathausplatz als auch auf dem Jahnplatz zwischen Spießbraten und Bier unglaublich ruhig zu. Hier und da wird gesungen und fotografiert, aber die Laufwege sind immer frei. Neben einigen Daheimgebliebenen, die im Internet „ganz oder gar nicht“ motzen, gibt es unter den erschienenen Gästen nicht wenige, denen das Ersatzkonzept sogar gut gefällt: „Einige haben uns sogar gebeten, die separaten Biergärten weiter anzubieten“, erzählt Metz. Die etwas ruhigere Akustikmusik beuge „gezielt und effektiv“ vor, dass die Besucher wörtlich auf den Tischen tanzen. Für Sonntag wurde auf das Reservierungsportal kurzfristig verzichtet. Wer schon für den Abendeintritt gezahlt hat, erhält seine vier Euro automatisch zurück.
Sogar die testweise auf dem Rathausplatz aufgestellten Pflanzkästen haben einen letzten Auftritt als „Raumteiler“ mit geschnittenen Birken und großen Lichterketten. Auf dem Jahnplatz lohnt sich, dass Weihnachtsmarkt-LED ganzjährig in den Baumkronen hängen: Die Bonus-Beleuchtung macht richtig Laune.
„Die Musik ist nicht so laut, man kann sich endlich auch mal unterhalten“, sagt Festbesucherin Anca Mesea. Die Altenpflegerin feiert mit Kolleginnen und hilft teilweise beim Motorclub mit: „Es gibt kein Durchgeschiebe.“
„Toll, auch wenn weniger Party ist“
Zünftig in Tracht erschienen ist die „Pfälzer Schorlecrew“ aus Kirrweiler. Der Verein hat gleich drei komplette Tische gebucht. Vorsitzender Heiko Herdel lobt: „Man kann nur den Hut ziehen vor allen Vereinen, die derzeit so etwas stemmen, das kennen wir ja auch selbst.“ Laura Jeck freut sich, dass sie wieder ihr nur fürs „Andechser“ gekaufte Dirndl ausführen darf: „Nach einem Jahr Pause ist das toll, auch mit etwas weniger Party.“
Die Freude übers „Andechser light“ überwiegt ebenso bei den Schwestern Jennifer Grimm aus Weidenthal und Natascha Thomas aus Haßloch. Einmal im Jahr gönnen sich die beiden Mütter einen „Schwesternabend“ auf dem Andechser – obwohl sie lieber Weinschorle trinken. „Die Stimmung ist gut“, loben beide. Zudem sei das Fest wichtig für die neun bewirtenden Vereine, denen 2020 alle Einnahmen entgangen sind, ergänzt Thomas: „Die vier Euro Eintritt am Abend sind deswegen okay.“