Kaiserslautern
Zwei Jahre nach dem Leichenfund: Wo die Ermittlungen im „Fall Diana Bodi“ stehen
2020
Am späten Abend des 14. Dezember 2020 wird in der Staubörnchenstraße eine Leiche gefunden. Die Identität der Frau ist zunächst unklar. Klar ist den Ermittlern dagegen, dass die Frau gewaltsam ums Leben gekommen ist. Mit einer Personenbeschreibung und Fotos der Toten und ihrer Bekleidung versucht die Polizei, die Identität der Frau zu klären. Im Polizeipräsidium wird eine Sonderkommission gebildet, die unter anderem zahlreiche mögliche Zeugen im Umfeld des Auffindeortes befragt.
Doch der entscheidende Tipp – weder was die Identität der Frau, noch was den Mörder angeht – ist nicht darunter. Wie eine Anwohnerin der RHEINPFALZ berichtet, soll die Leiche unter einer Decke gelegen haben, wo sie zunächst nicht für einen menschlichen Körper gehalten worden sei. In den Tagen nach dem Leichenfund wendet sich die Polizei immer wieder an die Bevölkerung, macht allerdings aus „ermittlungstaktischen Gründen“ keine Angaben darüber, wie die Frau gestorben ist. Am 17. Dezember 2020 sind Spürhunde der Polizei aus Thüringen am Tatort im Einsatz, um mögliche neue Spuren aufzudecken. Aus der Öffentlichkeit gehen bei der Polizei zahlreiche Hinweise ein, denen die Sonderkommission nachgeht. Doch die Identität der Toten bleibt weiter unklar.
Kurz vor Weihnachten 2020 vermeldet die Polizei eine Festnahme. Ein Tatverdächtiger wurde in seiner Wohnung in Kaiserslautern festgenommen. Details nennen Polizei und Staatsanwaltschaft keine, der Mann bestreitet die Tat. Er wird wenige Tage später aus der Untersuchungshaft entlassen, weil die Staatsanwaltschaft auf Spuren gestoßen war, die den Mann entlasten. Die Ermittlungen gehen weiter – nach etwa zwei Wochen sind 140 Hinweise eingegangen. Europaweit wird nun nach Vermissten gesucht, auf die die Beschreibung der Frau passen könnte. Doch die Bemühungen sind nicht von Erfolg gekrönt.
2021
Wochenlang geht die Suche nach der Identität der Toten weiter, immer wieder muss das Polizeipräsidium auf RHEINPFALZ-Anfrage antworten: „Es gibt in dem Fall nichts Neues.“ Die Ermittlungen dauern freilich an. Ende Januar 2021 gibt der Fall der unbekannten Frau, die Mitte Dezember tot in der Staubörnchenstraße gefunden wurde, der Polizei weiter Rätsel auf.
Anfang Februar 2021 steht nach europaweiter Fahndung die Identität fest: Die aus Ungarn stammende Diana Bodi ist das Opfer. Sie war, das ergaben Ermittlungen, am 4. Dezember 2020 nach Deutschland eingereist. Die 48-Jährige, die als Pflegerin tätig war, ist laut den Ermittlern nicht in der ruhigen Seitenstraße des „K in Lautern“ umgebracht worden. Dort sei lediglich die Leiche abgelegt worden. Erneut bittet die Polizei um Mithilfe aus der Bevölkerung. Wieder melden sich in den Folgetagen zahlreiche Menschen mit Hinweisen. Alle werden ausgewertet, doch die Ermittler tappen im Fall Bodi weiter im Dunkeln.
Im März 2021 verstärken Staatsanwaltschaft und Polizei die Anstrengungen, gehen mit neuen Erkenntnissen und einer großen Fahndungsaktion an die Öffentlichkeit: Die Polizei geht von Totschlag aus, hat aber keinen Tatverdächtigen. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, lobt die Staatsanwaltschaft eine Belohnung von 10.000 Euro aus. Das Foto der Toten wird auf einer Videoleinwand im Stadtgebiet gezeigt, Fahndungsplakate an Bushaltestellen aufgehängt und der Fall in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ vorgestellt. Im Fokus der Ermittler liegen nun die letzten Tage von Diana Bodi in Kaiserslautern.
Nach dem Stand der Ermittlungen war Diana Bodi seit November 2020 als Pflegekraft in der Nähe von Stuttgart tätig. Am 11. Dezember 2020 sollte sie eine neue Arbeitsstelle in Trier-Saarburg antreten. Am 7. Dezember wurde sie noch bei Stuttgart gesehen. Sie fuhr dann vermutlich am 11. Dezember um 14.51 Uhr mit dem ICE von Stuttgart nach Mannheim und von dort aus mit der Regionalbahn RE 4129 über Ludwigshafen und Neustadt nach Kaiserslautern. Weil der Zug Verspätung hatte, kam er erst gegen 18 Uhr in Kaiserslautern an. Die Polizei geht davon aus, dass Diana Bodi am Hauptbahnhof ausstieg und sich seitdem in Kaiserslautern aufhielt. Ihr Gepäck, ein großer dunkler Stoff-Trolley, eine Umhängetasche, eine Einkaufstasche mit mehreren Paar Schuhen sowie ihr Handy und ihre Geldbörse sind seit der Tat verschwunden.
Für einige Monate wird es in der Öffentlichkeit still um den „Fall Bodi“. Ende Juli 2021 kommt Bewegung in die Ermittlungen: Ein von den Beamten ausgewertetes Überwachungsvideo eines Parkhauses bringt eine neue Spur. In der Aufnahme ist zu sehen, wie ein Mann am Abend des 12. Dezember 2020 mehrmals am Central-Parkhaus vorbeiläuft, zuletzt schiebt er einen Einkaufswagen mit einem großen Gegenstand in Richtung Staubörnchenstraße, wo die Leiche zwei Tage später gefunden wurde.
Auf dem Video des Parkhauses Central in der Rosenstraße, die von der Richard-Wagner-Straße Richtung Eisenbahnstraße führt, ist der Mann mit Kapuze um 21.34 Uhr das erste Mal zu sehen. Er läuft an der Einfahrt Richtung Richard-Wagner-Straße vorbei und schaut sich dabei kurz um. Um 21.37 Uhr läuft er in die Gegenrichtung und eine Minute später wieder zurück. Um 21.39 Uhr sieht man ihn einen leeren Einkaufswagen Richtung Eisenbahnstraße schieben; als er um 23.01 Uhr in die Gegenrichtung an der Kamera vorbeiläuft, liegt ein großer, verpackter Gegenstand auf der unteren Ablage des Einkaufswagens.
Diese Veröffentlichungen sorgen für neue Hinweise aus der Bevölkerung, und die Ermittler arbeiten akribisch alle Meldungen ab. Die heiße Spur fehlt allerdings weiter, denn ein Paar mit Hund, das auf den Videos zu sehen war, ist „offenbar nicht dem Mann auf dem Video begegnet“, heißt es von der Polizei. Bis Ende Juli gehen bei der Polizei 23 Hinweise im Zusammenhang mit den Videos ein, keiner davon führt zu einem Ermittlungserfolg.
Ende September 2021 starten Arbeiten am Drehbuch für einen Film in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“, die Ausstrahlung ist für Anfang 2022 vorgesehen. Im Präsidium werden noch immer Hinweise ausgewertet.
Ein Jahr nach der Tat, Dezember 2021, recherchieren ungarische Ermittler im persönlichen Umfeld Bodis. Ihre Mutter ist zwar zwischenzeitlich gestorben, aber es gibt noch Geschwister. Zu den Ergebnissen ist nichts bekannt. Die Kaiserslauterer Mordkommission veröffentlicht die Information, dass am Morgen des 12. Dezember 2020 ein Geldautomat im Kaiserslauterer Hauptbahnhof einen Abhebeversuch von Bodis Konto registrierte. Allerdings fehlt Bildmaterial und so ist unklar, ob Bodi selbst am Automaten stand.
2022
Im Mai 2022 vermeldet das Polizeipräsidium, dass insgesamt rund 250 Hinweise zum „Fall Bodi“ eingegangen sind. Die Ausstrahlung eines Films in der Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ mit nachgestellten Szenen sorgt für weitere Tipps aus der Bevölkerung. Noch während der Ausstrahlung meldete sich eine Frau aus den Niederlanden und konnte Hinweise geben. Die Zeugin war am 11. Dezember 2020 am Hauptbahnhof in Kaiserslautern Diana Bodi begegnet. Sie fragte nach einem Handy, die 48-Jährige wollte telefonieren. Bislang steht nicht fest, mit wem Bodi telefonierte. Die Ermittlungen in diese Richtungen sind noch nicht abgeschlossen.
Laut Zeugin wandte sich die Ungarin nach dem Telefonat an eine Personengruppe. Bei der Gruppe könnte es sich um zufällig vorm Bahnhof anwesende Personen handeln. Ob und in welcher Beziehung Bodi zu diesen stand, dazu liegen der Polizei keine Erkenntnisse vor. „Auch, wenn die Sonderkommission mittlerweile aufgelöst ist, wir bleiben an der Aufklärung des Falls dran. Es sind noch längst nicht alle Fragen geklärt. Unser Ziel ist es, den Mörder von Diana Bodi ausfindig zu machen“, sagt Polizeisprecher Bernhard Erfort. Beim Polizeipräsidium Westpfalz ist das Kommissariat 11 zuständig für Tötungsdelikte, dort werden die Ermittlungen weitergeführt.
Info
Zeugenhinweise nimmt die Polizei weiterhin unter der Telefonnummer 0631 369 2620 entgegen.