Sport in der Corona-Krise
Wenn das Drumherum fehlt
„Die Kulisse fehlt. Die Emotionen der Fans, das ist doch das Salz in der Suppe. Ich hoffe, wir kommen da schnell wieder durch“, sagte Gunther Metz, Teil des Trainerteams der Nachwuchskicker vom 1. FC Kaiserslautern zuletzt. Doch die Zuschauer fehlen nicht nur vor Ort. Denn die Null-Kulisse ist auch vor dem Fernseher ein akustisches Desaster. Solche „Geisterkulissen“ und deren Folgen erlebt man am Fernseher zumeist nur, wenn bei der U17-EM der Fußballer zum Beispiel Island gegen Montenegro spielt und keines der beiden Länder der Ausrichter des Turniers ist. Da hört man das überlaute Klatschen des Balles an die Latte oder Bande, die Anweisungen der Spieler auf dem Feld, was aber auch interessant sein kann. Und auch die zuweilen als Gemurmel untergehenden Durchsagen des Stadionsprechers sind klar und deutlich zu verstehen.
Neuer schimpft
Das kann auch mal interessant sein, erinnert sei an die Schimpf-Eskapade des deutschen Nationaltorhüters Manuel Neuer nach dem vierten Gegentor beim 0:6 gegen Spanien im Länderspiel, oder Dauerquassler Thomas Müller vom FC Bayern München, der sich zuletzt zu einem frechen Spruch beim Champions-League-Spiel gegen Salzburg hinreißen ließ. „Du schaust so männlich aus“, sagte er zum noch am Boden liegenden Salzburger Ramalho. „Und dann kommst so laut daher.“ Ohne Fans im Stadion der Österreicher war die Stichelei gut zu hören. Das sind noch die durchaus netten Facetten der Null-Zuschauer-Puderzuckerromantik. Doch wie empfinden die Sportler der Umgebung, die immer noch seltsam daher kommenden leeren Rängen in Stadien und Hallen?
Müller spricht viel
„Man merkt auch mal, dass die Sportler gar nichts Besonderes sagen“, erklärt Benjamin Klein, Torhüter des SV Steinwenden. Für ihn sei es aber durchaus interessant, wie viel beim FC Bayern München insbesondere Ex-Nationalspieler Thomas Müller kommuniziere. „Bei uns in der Mannschaft ist das Thema Kommunikation ständig ein Thema. Auch weil wir es noch zu wenig machen“, sagt Klein.
„Der Reiz fehlt“
Aber der Verbandsliga-Torhüter muss eines vermerken: „Ich schaue viel weniger Fußball als früher. Das liegt auch an den fehlenden Zuschauern, aber auch daran, dass mittlerweile jeden Tag ein Spiel im Fernseher kommt. Da fehlt der Reiz“, sagt Klein, der als Bilanzbuchhalter auf der Airbase in Ramstein-Miesenbach arbeitet. Dennoch verweist er auch auf Spitzenspiele, die er sich trotzdem gerne anschaut. „Klar das Drumherum ist das, was den Fußball ausmacht. Aber ich schaue mir auch die Bewegungen der Torhüter an, die interessieren mich besonders. Das Spiel ist trotzdem hochwertig.“
Freundschaftsspiele streichen
Was Klein jedoch tunlichst absetzen würde, auch wegen der Gefahr, sich das Coronavirus einzufangen, sind die Freundschaftsspiele. „Ich frage mich, ob die Spieler oder Zuschauer überhaupt Lust auf solche Spiele haben“, verweist der SVS-Akteur insbesondere auf die Test-Länderspiele der DFB-Elf.
Wie bei Comedy-Serien
Ralf Brisch ist als Präsident des DV Kaiserslautern dem Dart-Sport zugetan. Wenn Weltmeister Peter Wright, Michael „Mighty Mike“ van Gerwen oder Brischs Vereinskamerad Gabriel „Gaga“ Clemens die Pfeile in Richtung des Dartboards werfen, war er gerne vor dem Fernseher. Doch auch bei den Pfeilewerfern ist zurzeit nicht viel mit Zuschauern, auch wenn der Ausrichter der am 15. Dezember beginnenden Weltmeisterschaft, die PDC, angibt, dass mit Zuschauern gespielt werden soll. Kaum denkbar. Zurzeit müssen die Zuschauer und Spieler mit Videoeinspielern im Hintergrund zurechtkommen und hören Geräuschsequenzen wie bei Comedy-Serien der 80er-Jahre.
„Wir leben nicht von den Fans“
„Viele gehen auf Dart-Veranstaltungen, um Party zu machen“, sagt Brisch, der doch angibt, zurzeit weniger Dart im Fernseher zu schauen. „Es ist einfach nicht das Dart, das wir kennen“, fügt er an. Er sieht aber auch seinen DVK nicht sonderlich von den ausbleibenden Fans betroffen. „Wir als Vereinsspieler leben nicht von den Fans“, bekräftigt er, dass es sich bei Kneipen-Dartsport doch eher um eine Randsportart handelt. Auch störe ihn durchaus der Anflug von Kommerz im Dart-Sport. „Man hat irgendwann gemerkt, dass man mit dem Dart-Sport Geld verdienen kann“, fügt Brisch an und wünscht sich dann doch wieder Teile seines Sports früherer Jahre zurück, als auch noch die vielen Veranstaltungen im Free-TV übertragen wurden.
Die Halle fehlt
Kevin Klier, Torhüter des Handball-Drittligisten TuS Dansenberg, versteht die Fans, die zurzeit Handballübertragungen nicht mehr den ganz großen Wert beimessen. „Als Fan fehlt die Halle im Hintergrund“, sagt der frühere Torhüter des TV Großwallstadt, der Rhein-Neckar Löwen und der Eulen Ludwigshafen. Für ihn selbst sei dies jedoch nicht der Fall. „Ich beobachte oft die Torhüter und gehe mehr auf das Spiel ein. Da ist die Stimmung in der Halle doch meist nebensächlich. Mich interessiert auch das Taktische und Spielerische“, bekräftigt der 36-jährige.
Als Spieler auf dem Feld sieht er dies jedoch anders. „Es fühlt sich ohne Zuschauer an, wie ein Vorbereitungsspiel im Sommer. Es tut immer gut, wenn Stimmung in der Halle ist“, stellt Klier fest.