Stadtgespräch RHEINPFALZ Plus Artikel Von einfachen Lösungen schwieriger Probleme – Oder: Die Illusion der Simplizität

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Was wollten Sie denn früher mal werden? Lokführer – wie Jim Knopfs Freund Lukas – oder Brummifahrer, also lieber König der Landstraße als Held der Schiene? Bei mir stand als Kind zwar weder der eine noch der andere Beruf auf der Wunschliste, aber um Stereotype auszuräumen, bevor sie entstehen: Pilotin war lange mein Favorit. Gleich dahinter Stuntwoman. Aber die Bahn hat mich auch fasziniert, aus anderer Perspektive: Ich habe gern mit der Modelleisenbahn gespielt. Vor allem wenn die beiden vierbeinigen Mitbewohner mit Schnurrhaaren wie Godzilla durch die Miniaturlandschaft zogen und für etliche Zugentgleisungen sorgten.

Zu Entgleisungen kommt es heute hauptsächlich bei den zweibeinigen Nutzern der Öffentlichen Personenbeförderung. Wenn der Zug mal wieder Verspätung hat oder gar nicht kommt – oder mittlerweile eben auch der Bus nicht. Dieses traurige Schicksal hat nun auch die SWK Verkehrs-AG erreicht: Es mangelt vorne und hinten an Busfahrern und -fahrerinnen in der Stadt. Diesen Job umweht halt nicht mal der Duft der großen weiten Welt wie den des Lkw-Fahrers. Wobei es wohl auch dort mit der Nostalgie schon lange vorbei ist.

Fast noch paradiesische Zustände in Kaiserslautern

Aber warum sollte der allgemeine Fachkräftemangel auch ausgerechnet vor den Verkehrsbetrieben Halt machen? Und warum vor denen in Kaiserslautern? Aber immerhin haben die sich vergleichsweise gut gehalten. Schaut man zur Rhein-Neckar-Verkehr GmbH, sieht man dort ein noch viel größeres Loch: Fünf Prozent aller Fahrten fallen dort wegen des Personalmangels schon aus. So gesehen herrschen in Kaiserslautern (noch) fast paradiesische Zustände. Man braucht nur den richtigen Vergleich, und schon ist das Glas halbvoll.

Trotzdem sind die Aussichten nicht besonders gut. Fahrpersonal zu finden ist für die SWK ebenso schwierig wie für die Bahn. Und da ich ja eine ebenso leidenschaftliche wie leidensfähige ÖPNV-Nutzerin bin, kann ich nicht tatenlos zusehen: Es muss etwas passieren! Der Busführerschein muss her! Und/oder auch gleich die Lokführerausbildung. Und da das natürlich nicht ausreicht, muss ich – in eigenem Interesse – für den Beruf werben. Da müssen sich doch Leute finden! Ganz nach dem Motto des SKW-Verkehrschefs: Alles was fahren kann, wird rekrutiert!

Wir aus der Redaktion könnten ja im Nebenjob noch ein paar Samstags- oder Nachtschichten übernehmen, Redakteure sind einiges gewohnt und belastbar. Die Tour zur und von der Arbeit ist schon gebongt, ist quasi Win-Win. Und jene unter uns, die ganz gut im Schrauben sind, helfen bei der Bahn bei der Reparatur der inzwischen offenbar dauerkranken Züge aus. Oder im Stellwerk. Möglichkeiten gibt es ja genug, da ist für jeden etwas dabei.

Warum fahren Zugvögel nicht Zug, sondern fliegen?

Denn sonst wird's eng mit der Verkehrswende. Schließlich soll sie nicht die Wende vor dem ÖPNV sein. Oder ich habe das die ganze Zeit falsch verstanden. So wie die Zugvögel ihrem Namen auch nicht gerecht werden: Die hab ich nämlich noch nie im Zug gesehen. Es ist schon paradox: Die fliegen immer!

Das gewünschte Seniorenticket wird ja nun auch nicht kommen. Logo, ist zu teuer, sowas kann sich die Stadt nie und nimmer leisten. Aber, Moment mal, haben wir hier etwas übersehen? Vielleicht ist schlicht der Ansatz falsch? Das Ticket sollte für Menschen ab 70 Jahren mit geringer Rente sein – also, da liegt die Lösung doch auf der Hand: Die Senioren fahren selbst! So kommen sie nicht nur von A nach B, sondern verdienen sich sogar noch etwas dazu. Klar, die müssten natürlich bei der Bezahlung etwas bescheidener sein, damit sich das Modell rechnet. Aber die sind es ja gewohnt, mit wenig auszukommen. Politik und Gesellschaft haben schon dafür gesorgt.

Und so hätten wir drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Das Personalloch bei den SWK wäre gestopft. Die Senioren werden kostenlos gefahren. Und einige bekommen noch einen Obolus dafür, da sie auf dem Fahrer- statt Passagiersitz sitzen. Dann fühlen sie sich auch von der Gesellschaft gebraucht. Und es stärkt zudem den Zusammenhalt. Was will man mehr?

Ach, da gibt es einen kleinen Haken? Das Alter, bei denjenigen, die am Steuer sitzen sollen? Die dürfen gar nicht mehr fahren? So ein Pech, und wieder schwindet eine Hoffnung auf eine schnelle Lösung. Aber vielleicht können die ja an anderer Stelle eingesetzt werden. Es fehlt ja überall.

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