Rollstuhlbasketball
Verliebt in den Sport mit den Körben
„Das Rückenmark wurde zu lange abgedrückt“, beschreibt Jung, was bei der Operation passierte, zu der sich die Ärzte kurz nach seiner Geburt wegen eines Herzfehlers gezwungen sahen. Seitdem ist er etwa vom Bauchnabel abwärts gelähmt. „Ich wollte aber immer Sport treiben“, erzählt Jung. Er fand einen Weg, der ihn weit nach vorn bringen sollte, und einen Sport, mit dem für ihn nichts unmöglich zu sein scheint: Rollstuhlbasketball.
Schon vor seinem ersten Bundesligaspiel war er im Jugendbereich äußerst erfolgreich. Sein Debüt im Oberhaus des deutschen Rollstuhlbasketballs feierte er am 8. Oktober 2016 als 21-Jähriger. Der Gegner war nicht irgendwer bei seinem ersten Spiel. Beim viermaligen deutschen Meister, dem USC München, trat Lukas Jung mit den Rhine River Rhinos Wiesbaden an. Hinzu kamen mittlerweile 59 weitere Partien in der Ersten Bundesliga.
Debüt vor 400 Zuschauern
„Ich war vor dem Spiel aufgeregt und hatte große Vorfreude. Im dritten Viertel wurde ich dann eingewechselt und habe mich hervorragend in das Teamplay eingefunden“, erinnert sich Jung. 400 Zuschauer seien in der Halle gewesen, die aber vorwiegend dem Heimteam aus München die Daumen drückten. Trainiert von Cliff Fisher, fand Jung mit seinem Team aus Wiesbaden, das erst 2013 gegründet wurde, gut in die Partie, führte bereits zur Halbzeit mit 40:39 und konnte den knappen Vorsprung in einen Sieg ummünzen (76:69). Ein für ihn unvergessliches Spiel in seiner Karriere, in der bald noch weitere Höhepunkte folgen sollen.
Paralympics 2021 in Tokio
Tokio 2021, Paralympics heißt das Ziel von Lukas Jung. „Ich bin im erweiterten Kader für Tokio. Ich denke schon, dass ich Chancen habe“, sagt Jung. Es wäre seine erste Nominierung für den Herren-Nationalkader. Jung selbst bezeichnet sich als gestandenen Bundesligaspieler und sieht in seiner Karriere noch einiges auf sich zukommen. „Die Europa- und Weltmeisterschaft, das sind auch noch Ziele für die Zukunft. Ganz klar. Aber mein erstes Ziel ist jetzt mal Tokio.“
Seine Rollstuhlbasketballkarriere begann Jung im Jahr 2009 bei den Rolling Devils in Kaiserslautern. 2013 folgte der Wechsel nach Wiesbaden. Nach einem Zwischenstopp in der Saison 2018/2019 in Heidelberg landete Jung bei der als Dolphins firmierenden Mannschaft aus Trier. Der Verwaltungsfachangestellte der Verbandsgemeinde Kusel wurde dort von keinem Geringeren als dem deutschen Topspieler und Spielertrainer Dirk Passiwan gecoacht.
Der Zufall half mit
Zuvor hatte der seit der OP gelähmte Lukas Jung in frühester Kindheit und Jugend nach dem für ihn passenden Sport gesucht. „Ich war dann früher mal in einer Sportstunde in Mannheim, da haben wir gelernt, wie man mit dem Rollstuhl Bordsteine hoch- und runterfährt. Ich bin dann auch mal Handbike gefahren“, erzählt er. Handbikes sind Fahrzeuge, die vergleichbar mit dem Fahrrad oder Liegerad sind, die aber alleine durch Arme angetrieben werden. „Mir hat es nie Spaß gemacht, Hunderte von Kilometern durch die Gegend zu fahren. Ich habe dann durch Zufall erfahren, dass es die Rolling Devils in Kaiserslautern gibt“, so Jung, der zwei jüngere Geschwister hat.
Der frühere Schüler der Realschule in Altenglan verliebte sich in den Sport mit den Körben und feierte schnell erste Erfolge. Einen kurzen Ausflug zum sogenannten Sledge- oder Para-Eishockey in Heidelberg wagte er noch, kehrte aber schnell zu den Korbjägern zurück.
Im Finale gegen die Schweden
Auf dem Briefkopf kann sich Jung inzwischen schon einen Weltmeistertitel notieren. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich ein gewisses Talent habe“, erzählt der Rollstuhlbasketballer, der bereits als 14-Jähriger für die U19-Nationalmannschaft nominiert wurde. Bereits 2013 feierte er seinen bis heute größten Erfolg. In der Türkei gelang ihm bei den Weltmeisterschaften der U23 mit dem deutschen Nationalteam der Titelgewinn. „Damals war ich erst 17 Jahre alt“, erzählt Außenspieler Jung von den Titelkämpfen. Nach einem holprigen Turnierauftakt gegen den Iran, der nur knapp mit 91:89 nach Verlängerung besiegt wurde, kämpften sich die Deutschen bis ins Endspiel, verloren im gesamten Turnierverlauf kein Spiel. Im Finale trafen sie auf die Schweden und drehten in den letzten Minuten noch die Partie. Am Ende behielten Jung und Co. mit 69:65 die Oberhand.
Stolz sei er auf seine bisherigen Leistungen, vor allem, dass ihm der Sprung in die Bundesliga gelungen sei, sagt Lukas Jung, fügt aber selbstkritisch im Hinblick auf sein Spiel hinzu: „Den perfekten Spieler gibt es nicht! Ich kann mich in allen Spielsituationen noch verbessern.“
Die Serie Mein erstes Spiel
Das erste Spiel einer Profi-Mannschaft ist ein Erlebnis, das sich ins Gedächtnis einbrennt. In der Serie „Mein erstes Spiel“ berichten Sportfans von ihrem ersten Besuch bei ihrem Team oder ihrer Premiere auf dem Spielfeld. Das muss sich nicht nur auf den Fußball beschränken, sondern soll eine Reise quer durch alle Sportarten werden.
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