Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Vapour Trails geben ihr Debüt im Kammgarn-Kulturgarten

Genießt den ersten Auftritt sichtlich: Vapour-Trails-Frontmann Jona Mars mit David Erbach (Drums) und Markus Wasem (Gitarre) im
Genießt den ersten Auftritt sichtlich: Vapour-Trails-Frontmann Jona Mars mit David Erbach (Drums) und Markus Wasem (Gitarre) im Hintergrund.

So langsam nähert sich der Kammgarn-Kulturgarten seinem Ende – bald geht es wieder zurück in die Kasino-Stube. Aber nicht, bevor noch einmal so richtig der Hof gerockt wurde. Und zwar ausnahmsweise nicht rein akustisch, sondern aus voller Steckdose. Zuständig für die elektrisierende Open-Air-Erfahrung waren am Freitagabend die Herrschaften von LIO und Vapour Trails – die einen mit gradlinigem Classic-Rock, die anderen mit funkelndem Glam-Pop.

Nicht nur stilistisch trennen die beiden Bands gefühlt ganze Galaxien. Auch optisch teilt man sich definitiv nicht den Kleiderschrank. Aber die schlichte Bühneneleganz stand den Herren von LIO und ihrem strikt soliden Rock-Sound eh besser. Im Oktober feiern Leonard Stahl (Gesang), Marco Gries (Gitarre), Alexander Bernhard (Bass) und Christian Matzke (Schlagzeug) fünf Jahre Jubiläum. An diesem lauen Sommerabend standen die Jungs wieder das erste Mal zu viert auf der Bühne seit dem kulturellen Lockdown. Und da wurde nicht lange gezündelt, sondern gleich mal ordentlich gefackelt mit den Riffs, Licks und Chords. Schließlich bauen LIOs Songs auf der Schule von Jimi Hendrix, Led Zeppelin, AC/DC und Guns n’ Roses auf – unter anderem.

Medley zur Erinnerung ans letzte Hendrix-Konzert

Ein paar Cover von AC/DC und Hendrix gehören da quasi zur bandeigenen Pflicht. Und die legendären Stücke wie „Whole Lotta Rosie“ von AC/DC gingen den Musikern gut und locker von der Hand. Doch noch viel lockerer gelangen die eigenen Stücke. Mit Songs wie „Escape“ und „Fire“ bewies allen voran Marco Gries an der E-Gitarre sensationelles Können – so eindrucksvoll glitt er über die geladenen Saiten. Aber die Kirsche auf der Torte kam mit einem imposanten Jimi-Hendrix-Medley – zu Ehren des 50. Jubiläums seines allerletzten Livekonzerts am 16. September 1970 in London. Da mussten die vier Hendrix-Fans schon aus reiner Treue ein sagenhaftes Medley spielen. Natürlich angeführt von dem bandeigenen „Gitarrengott“, den Sänger Leonard Stahl als Marco „Hendrix“ Gries ankündigte. Und der meisterte die Herausforderung mit Bravour: Von „Little Wings“ über „Hey Joe“ und „Purple Haze“ bis hin zu „Voodoo Child“ brutzelten Gries und Alexander Bernhard am Bass ein derart prachtvolles Zusammenspiel – umrahmt vom Christian Matzkes rauen Schlägen –, sodass Frontmann Leo in der Mitte fast ein bisschen verloren schien zwischen so viel Rock-Geballer. Fantastisch war das, was die Jungs ablieferten aber auf jeden Fall.

Debüt-Show am Tag des bundesweiten Lockdowns

Verloren wirkte der Frontmann der nächsten Band so gut wie nie. Denn sein Charisma nahm mit Abstand den meisten Platz auf der Bühne ein: Mit Omas Schirmlampe, Muttis Topfpflanzen und Tantes Leoparden-Mantel kamen Jona Mars (Gesang), Markus Wasem (Gitarre), Jens Scheibe (Bass), Dominic Trapp (Gitarre) und David Erbach (Schlagzeug) auf die Bühne geschlendert. Aber keine Sorge, das gehörte alles zur perfekten Pop-Rock-Atmosphäre á la Vapour Trails. Die Pandemie hat die Jungs Anfang des Jahres mit am härtesten getroffen. Denn ihre Debüt-Show hätte am 13. März stattfinden sollen – also am Tag X des bundesweiten Lockdowns. Pech! Aber die Jungs nutzten die Zeit, um Songs zu schreiben und am Bandstil zu feilen. „Wir schreiben irgendwie verdammt viel Musik“, eröffnete Mars. Dafür haben sie aber nur gerade mal so viel mitgebracht, dass es für ein halbstündiges Set reichte. Aber das war schon ziemlich ordentlich.

Hier wird getanzt, dort lieber gefroren

Von dem glamourös poppigem „Run Away“ über das Country-artige „Blue Dress, Icy Eyes“, das geradewegs aus einem Tarantino-Film entsprungen sein könnte, bis zum melancholischen „Two Star Hotel“, das Mars und Erbach innerhalb einer Nacht geschrieben haben sollen, wirkte alles fein durchkomponiert. Mit Hand und Fuß an den richtigen Stellen und dem nötigen Witz im Genick. Wie zum Beispiel bei der Geschichte über einen Poncho namens „Poncho“.

Sänger Mars ließ sich auf jeden Fall nicht entgehen – trotz Corona – die ultimative Konzertstimmung zu erzeugen. Immer wieder sprang er von der Buhne und spazierte sogar hin und wieder durchs Publikum. Die Stimmung war da, nur die Bewegungsfreude konnte Mars bei den recht kühlen Abendtemperaturen nicht bei allen aktivieren. Dabei hatten die Lautrer einen famosen 80’s-lastigen Tanz-Song im Gepäck. „Heartbreak Discothek“ aus dem kommenden Album kam mit der Aufforderung zum Tanzen – dem leider nur die eine Hälfte des Hofs folgte. Die andere fror lieber. Aber die Gläser zerschellten hier und da trotzdem. Und die Hüften schwangen hier und da doch recht flink.

Mit der bandeigenen Debütsingle „Shatter Me“ samt animierter Jump-Einlage war das halbstündige Set auch schon vorbei – noch vor dem 22-Uhr-Schlag. Für den ersten Gig definitiv nicht schlecht, sowohl in Sachen Songs als auch in Sachen Show. Aber da ist definitiv noch Luft nach oben im Vapour-Trails-Universum.

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